Online-Marketing Newsletter: AUSGABE 07 / 2005 | 15.12.2005 - ADZINE - Magzin für Online-Marketing
ADZINE :: Magazin für Online-Marketing ::
Die ADZINE Redaktion
   AUSGABE 07 / 2005 | 15.12.2005

Themen dieser Ausgabe

Redaktionskontakt:
e: redaktion@adzine.de

Werben auf ADZINE:
t: 0221 - 7 09 96 61
e: media@adzine.de

twitter
EDITORIAL
von Arne Schulze-Geißler, Editor | ADZINE 15.12.2005

Ganz schön viel Bewegung in 2006

Arne Schulze-Geißler

Gar nicht so einfach am Ende des Jahres nicht auf diese Jahresrückblicksschiene zu geraten. 2005 war ein klares Signal- und Wachstumsjahr für digitales Marketing. Was Sie daraus gemacht haben, werden Sie am besten selbst beurteilen können. Für ADZINE bedeutet das Jahr 2005 von Null auf 7 Ausgaben. Viele werden folgen und den wachsenden Leserkreis hoffentlich erfreuen.<br/><br/>Was steht uns im kommenden Jahr bevor? Vermutlich wird alles erstmal ähnlich aussehen wie in diesem Jahr. Aber "Dank" der Marketing- und Werbeplanung in Jahreszyklen, die in den meisten Unternehmen praktiziert wird, bringt ein neues Jahr auch immer etwas Bewegung und Veränderung mit sich. Diese Planungen beinhalten ja meist nicht nur die Budgetgröße für die 4 Quartale, die 12 Monate oder 52 Wochen, sondern auch schon die Verteilung auf die unterschiedlichen Mediengattungen.

Deshalb können wir gespannt sein, wie hoch die interaktiven Medienformate bei den Werbetreibenden 2006 im Kurs liegen werden. Klar, Banner und insbesondere RichMedia Formate werden auch im kommenden Jahr zulegen und die Preise hierfür vermutlich steigen. Die Erfolgsstory Suchmaschinenmarketing wird sich fortsetzen. Aber auch dort wird es neue Entwicklungen und Modelle geben. Die Ideen reichen von Bill Gates Einfall, den Suchenden durch monetäre Anreize auf seine msn-Suchmaschine zu locken bis zum kompletten Gegenteil, nämlich den Suchenden pro Click zahlen zu lassen. Markus Hövener von Bloofusion hat für ADZINE in dieser Ausgabe ebenfalls eine Suchvision.

Aber neben diesen mittlerweile etablierteren Instrumenten, zu denen man natürlich auch E-Mail Marketing und Affilliate Programme zählen muss, gibt es natürlich auch noch experimentellere Wege, um auf sich aufmerksam zu machen. Was passiert mit Blogs, Video-Blogs und Podcasting. Der Content wird immer häufiger aus den Reihen der Nutzer kommen.
Auch hier sind kreative Kommunikations-Konzepte gefragt.

Mal weg von unserem Computerdesktop oder Notebook, es zeichnet sich eine interessante Entwicklung im Bereich Video on Demand ab. Ob zu werblichen Zwecken zu gebrauchen, wird sich noch zeigen. Mobile Marketing wird dagegen mit großer Gewissheit schon 2006 ein stark wachsendes Geschäftsfeld werden. Haben doch viele potenzielle Kunden bisher nur mit Minibudgets getestet, so wird im Jahr 2006 schon mehr gewagt werden.

Will man die Zeit, in der wir leben charakterisieren, so ist Entertainment ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Unterhaltung findet immer öfter interaktiv in virtuellen Welten statt. Stichwort Xbox 360, die derzeitige Krone der Videospielkonsolen. Ein Riesenmarkt für Werbeaktivitäten innerhalb des virtuellen Raums. Ob in Deutschland 2006 schon von echter Relevanz, ist schwer zu sagen. Aber die Entwicklung ist nicht aufzuhalten.

Wie die kurze Aufzählung zeigt, werden uns die Themen in 2006 nicht ausgehen.

Im Namen der ganzen Redaktion möchte ich mich bei allen Personen und Unternehmen bedanken, die uns bisher mit Fachinformationen und Meinungen versorgt haben. Ich freue mich in 2006 den Dialog mit den Branchenbeteiligten auszubauen und zu vertiefen, um unseren Lesern auch weiterhin relevante Informationen anbieten zu können.

Aber vorerst erfahren Sie in der vorliegenden Ausgabe Hintergründe der AOL-Portalstrategie und einige sehr wertvolle Einschätzungen aus dem Markt in Hinsicht auf visuelle Sonderwerbeformen. Das wars für 2005.

Ich wünsche Ihnen ein besonders frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Jahr 2006!
Das nächste ADZINE erscheint am 12. Januar.

Viel Spaß bei der Lektüre


P.S.: Falls Sie neue Kolleg/en/innen für Ihr Unternehmen in der Online-Mediabranche suchen, können Sie ab der nächsten Ausgabe Jobanzeigen bei ADZINE schalten, Sie erreichen genau Ihre Zielgruppe und reduzieren den Aufwand für das Recruiting erheblich.

Arne Schulze-Geißler
asg@adzine.de
Artikel einem Freund senden
SUCHE
von Markus Hövener, Bloofusion Germany GmbH | ADZINE 15.12.2005

Pay-per-Click oder: Was kommt danach...?

Markus Hövener

Eine Meldung der letzten Tage erschien auf den ersten Blick etwas seltsam: Der von der Suchmaschinen-Marketing-Agentur Fathom Online (San Francisco) erstellte Preis-Index für bezahlte Suchmaschinen-Werbung (PPC, Pay-per-Click) gab an, dass der durchschnittliche Preis pro Click im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist - eine seltene Meldung in einer Branche, in der vor Prozentzahlen meistens ein Plus steht.

Auch wenn man den Rückgang von $1.64 (November 2004) auf $1.46 (November 2005) für nicht signifikant halten mag, so ist dieses Phänomen - gerade in der heissen Vorweihnachtszeit - ein Zeichen für einen interessanten Trend. Denn hier zeigt sich nicht etwa ein nachlassendes Interesse an bezahlter Suchmaschinen-Werbung, sondern eher eine Professionalisierung der Unternehmen, die auf PPC setzen.

Schlussendlich ist nämlich nicht der Click-Preis interessant. Prinzipiell würden Unternehmen auch fünf oder zehn Dollar pro Click bezahlen, wenn denn jeder Click zu einem Verkauf führen würde. Da das aber in der Realität nicht so ist, interessiert eher der Preis pro Conversion (in diesem Fall: Kosten pro Verkauf = Cost-per-Sale). Und hier zeigt der Trend, dass Unternehmen nicht mehr willens sind, sich gegenseitig im Kampf um überteuerte Spitzenplätze zu überbieten. PPC macht eben nur Sinn, wenn die Kosten pro Verkauf auch unter der zu erzielenden Marge liegen.

Die Crux

Damit könnte der Artikel hier schon zu Ende sein. Aber Google ist ein börsennotiertes Unternehmen und damit immer auf der Suche nach Wachstumschancen. Wenn sich aber nun das Wachstum nicht mehr aus stetig steigenden Click-Preisen generieren lässt, wo soll es dann herkommen? Es gibt natürlich Branchen, in denen das "Maximum" noch nicht erreicht ist - aber selbst internet-inaffine Segmente wie die Baubranche oder der Maschinenbau haben hier in den letzten Jahren stark aufgeholt.

Die Plätze, die für Werbung sinnvoll genutzt werden können, sind limitiert. Wenn Sie eine Google AdWords-Kampagne laufen lassen und so wenig bieten, dass Ihre Werbung auf Platz 19 auftaucht, werden Sie nur sehr schwerlich Besucher anziehen. Wichtig sind eben die Top-Positionen und von denen gibt es nur einige wenige für jeden Suchbegriff.

Der Ausweg

Das Konzept Pay-per-Click ist prinzipiell interessant, weil es erfolgsorientiert ist. Leider ist es das aber nur zum Teil, weil ein Besucher noch lange kein Kunde ist. Ein System, das auf Pay-per-Lead (Kosten pro Kundenanfrage) oder noch besser Pay-per-Sale (Kosten pro Verkauf) basiert, wäre natürlich das Beste. Dann lassen Sie uns mal einen kleinen Wunschzettel schreiben und in die Schneekugel blicken. Manchmal werden Wünsche ja wahr...

Stellen Sie sich vor, dass Sie bei Google nach "fertighaus" suchen - ein durchaus umkämpfter, teurer Begriff. Nur dass Sie jetzt ganz oben eine Werbung für das Google-Fertighaus-Info-Portal sehen. Sie betreten dieses von Google betriebene Portal und sehen eine Übersicht aller relevanten deutschen Unternehmen sowie deren Typenhäuser. Ach ja, Kataloge können Sie auch gleich bestellen. Click, Click, Click. Prospekte für die Traumhäuser Marbella und Küstenwind sind unterwegs zu Ihnen. Und die jeweiligen Fertighausanbieter erhalten die Kontaktdaten zu einem fixen Preis.

Oder Sie suchen nach "fernstudium". Auch hier erhalten Sie ein Portal, das zuerst fragt, welche Richtung Sie denn einschlagen möchten. Nachdem Sie sich für Tierheilkunde entschieden haben, erfahren Sie, dass drei Anbieter Kurse anbieten. Sie fordern von allen dreien Infomaterial an und entscheiden sich Wochen später für Anbieter B. Dank ausgeklügeltem Tracking weiss die Suchmaschine, dass hier ein Verkauf stattgefunden hat und stellt dem Anbieter 200 Euro in Rechnung.

Zurück in die Realität

Bis dahin ist es natürlich noch ein weiter Weg. Die Ansätze sind aber schon erkennbar: In der Versicherungsbranche ist das Kaufen und Verkaufen von Leads durchaus gängige Praxis. Das Generieren von Leads für amerikanische Bildungseinrichtungen ist ein Multi-Millionen-Geschäft - auch wenn sich keine Suchmaschinen, sondern Anbieter wie QuinStreet eine goldene Nase verdienen. Und Affiliate-Netzwerke wie affilinet und Tradedoubler erfreuen sich auch einer regen Beliebtheit.

Dann warten wir mal, bis Google, Yahoo! und Konsorten die Zeichen der Zeit erkennen und eine neue Runde einläuten. Und was machen wir bis dahin? Auf Keywords bieten und hoffen, dass die Konkurrenz die Lust am Überbieten verliert.

Markus Hövener
markus@bloofusion.com
Artikel einem Freund senden
KREATIVES
von Karsten Zunke, Redaktion | ADZINE 15.12.2005

Schöner Surfen

Karsten Zunke

Schnöde Bannerwerbung war gestern. Bunt, laut und interaktiv präsentieren immer mehr Unternehmen ihre Produkte im Internet. Sonderwerbeformen werden kreativer und vielfältiger. Das macht den Umgang mit ihnen nicht leichter. Hier ein Filmchen, dort ein Musikschnipsel als Appetizer für die neue CD und zum Auswendiglernen noch der Original-Fernsehwerbespot mit dem singenden Cowboy. DSL sei Dank.

Es kracht und scheppert allenthalben und so mancher Surfer wundert sich über die Vielfalt der neuen bunten Online-Werbewelt - und nimmt sie staunend zur Kenntnis. All die Power Curtains, Leaderboards, Super-Banner-Expandings, Motion Ads, Power Brandings oder Push-Down Banner. Mit steigenden Bandbreiten und zunehmender DSL-Verbreitung soll auch die Vielfalt der lade-intensiven Werbemittel weiter wachsen.

Bewegte Bilder, Interaktionen, Sounds und Streams - das sind den Experten zufolge die neuen Felder, auf denen sich die Kreativen austoben werden. Längst werden Produkte im Internet nicht mehr präsentiert, sondern mit Hilfe dieser Sonderwerbeformen inszeniert. Großer Vorteil solcher Online-Werbung: Sie fällt auf. Manchmal leider so sehr, dass der User sie sofort wegklickt. "Man muss den gesunden Mittelweg aus Wünschen der Werbekunden und Konsumgewohnheit der Endkunden finden", meint Klaus Ahrens Geschäftsführer Pilot 1/0.

"Aber mittlerweile haben die Werbekunden dazugelernt und versuchen das Werbemittel so zu gestalten, dass es für die Nutzer relevant wird. Das ist nicht nur eine Frage der Kreation, sondern auch der Mediaplanung", erklärt Ahrens. So achtet man bei Pilot stark auf die Umfelder, in denen Werbebotschaften platziert werden. Dieses zusätzliche Korrektiv "Relevanz" spielt für die Agentur zunehmend eine große Rolle. "Das Umfeld bestimmt darüber, ob die Online-Werbung groß und aggressiv oder eher zurückhaltend ausfällt", sagt Ahrens.

Fehlende Standards erschweren Agentur-Arbeit

"Die Klickraten sind immer noch viel besser als bei Standard-Bannern. Wenn die Werbung gut gemacht ist, der User ein Benefit hat und die Mediaplanung die Werbung gut platziert, sind Sonderwerbeformen sehr effektiv. Dann wird sie vom User auch nicht als störend empfunden", meint auch Claudia Mai, Head of Online-Marketing der OMD GmbH. Doch damit Sonderwerbung den Kunden erfreut und den User nicht stört, müssen Agenturen ein hartes Stück Arbeit leisten. Das Problem sind fehlende Standards für diese Werbeformen. "Der Abstimmungsbedarf ist enorm. Nicht nur zwischen Media-Agentur und Kreativ-Agentur oder Kunden und Kreativ-Agentur, sondern auch zwischen Media-Agentur und dem entsprechenden Vermarkter. Das ist arbeits- und zeitintensiv", erläutert Marc Lehmann, Director Digital bei der Frankfurter Agentur Mindshare.

"Einerseits ist es spannend, neue Ideen umzusetzen und auch der Kunde erwartet das. Andererseits würden Standards unsere Arbeit enorm erleichtern. Beispielsweise ist es ziemlich umständlich, Sonderformen über den Adserver auszuliefern. Dazu sind oft diverse Anpassungen nötig", ergänzt Mai.

Online-Werbung muss sich abheben und Internetnutzer schnell ansprechen. Dafür sind Sonderformate wichtig, sind sich die Experten einig. "Es ist aber ein Spagat", meint Mai. "Wenn sich das Internet als Werbeplattform weiter durchsetzen möchte, müsste es irgendwann auch bei Sonderwerbeformen zu Standards kommen. "Andererseits definiert sich das Internet so, dass in diesem Medium andere Sachen möglich sind als in den klassischen Kanälen. "Eine Lösung dieses Konflikts ist noch nicht in Sicht", so Mai.

Anteil von Sonderwerbeformen nimmt zu

Vielleicht könnte die Zeit dieses Problem bewältigen. Denn viele ehemalige Sonderformate sind heute gar keine mehr. Beispielsweise finden sich Tandem Ads - eine Kombination aus einem beliebigen Standardformat und einem Flash Layer - bei manchen Online-Vermarktern bereits in den normalen Preislisten. Diese Formate sind sehr beliebt, weil die Flash-Werbung in der Standardwerbeform endet und so auch nach Ablauf der Animation erhalten bleibt. Generell werden individuelle Lösungen heutzutage immer öfter nachgefragt.

Bei dem Vermarkter Hi-Media haben Sonderwerbeformen bereits einen Anteil von 65 Prozent am Online-Werbe-Umsatz. "Die Werbewirkungswerte stimmen und darauf kommt es an", erläutert Hi-Media-Vorstand Andreas Stietzel die Beliebtheit dieser Formate. Bei SevenOne Interactive machen die individuellen Werbeformen rund 50 Prozent des Online-Geschäfts aus. Im Jahr 2002 waren es noch 30 Prozent. "Immer mehr Kunden sind bestrebt, sich durch Einzigartigkeit und Prägnanz vom Wettbewerb abzuheben. Nicht zuletzt deshalb sind Sonderwerbeformen momentan so beliebt und so vielfältig", erläutert Geschäftsführer Matthias Falkenberg. Special Ads entwickelt der Vermarkter in einer eigenen Abteilung - so gehen Power-Curtain oder Power-Spot auf die Arbeit dieser Unit zurück. Damit Werbekunden nicht den Überblick verlieren, haben die Münchner extra einen Showroom für alle Medien- und Werbeformen der ProSiebenSat.1-Gruppe auf ihrer Homepage eingerichtet.

Laut Oliver Lessing, Geschäftsführer des Online-Vermarkters Quarter Media, lockt das neue Medium aber auch viele klassische Werbetreibende, die es von anderen Medien wie Print und TV gewöhnt sind, Branding-Ziele zu erreichen. "Sonderwerbeformen bieten diesen Kunden dabei besonders gute Möglichkeiten, das Internet in Crossmedia-Kampagnen einzubinden und aufmerksamkeitsstarke Formate zu schalten", so Lessing.

Kein Allheilmittel

Aber Sonderwerbeformen sind kein Allheilmittel. Für Responsekampagnen kommen nach wie vor fast ausschließlich Standardwerbemittel in Frage - bis hin zu Textlinks und Buttons. Sie sind häufig wirtschaftlicher als großformatige Sonderwerbeformen, die sie sich per se durch den hohen Preis disqualifizieren und deshalb meist gar nicht in eine solche Planung aufgenommen werden können.

Bei Brandingkampagnen ist dies jedoch etwas völlig anderes. Wer beispielsweise im Rahmen von TV-Kampagnen das Internet als Ergänzungsmedium einsetzt, für den ist ein TKP von 40 Euro nicht zu hoch: "Für solche Kampagnen ist das Internet sogar ein wirtschaftliches und konkurrenzfähiges Alternativmedium", meint Ahrens. Denn dann müsse sich die Höhe des TV-TKP mit der des Online-TKP messen lassen. Letzterer dürfte in der Regel gerade in den attraktiven jüngeren einkommensstarken Zielgruppen um ein Vielfaches günstiger ausfallen. So werden bei Branding- und Cross-Media-Kampagnen auch in Zukunft Sonderwerbeformen verstärkt zum Einsatz kommen. Aber vielleicht können sich jenseits der müden Banner zwei gleichwertige Spielarten dieser Werbung etablieren.

"Es wird zum einen Sonderwerbeformen geben, die im Rahmen von Sponsoring individuell auf einzelne Werbeträger zugeschnitten sind. Auf der anderen Seite wird es mehr Standardisierung bei den Sonderwerbeformen geben müssen, damit auch für breiter angelegte Kampagnen eine effektive und effiziente Abwicklung möglich ist", prognostiziert Lessing.

Karsten Zunke
kaz@adzine.de
Artikel einem Freund senden
UNTERNEHMEN
von Jens von Rauchhaupt, Redaktion | ADZINE 15.12.2005

AOL öffnet die Besuchertore

Jens von Rauchhaupt

Totgesagte leben länger: Mit dem Preiskampf um DSL-Anschlüsse begann beim einstigen Schmalbandexperten AOL vor einigen Jahren die Krise. Noch im Mai meinte die Financial Times Deutschland gar zu wissen, dass Time Warner einen Verkauf von AOL plane. Nur kurze Zeit später erkannte die Führungsriege in New York, dass AOL keinesfalls ein Fall für die Geschichtsbücher sei. Mit der Forcierung des Unterhaltungssegments und der Bereitstellung digitaler Dienste auch für Fremdkunden bläst AOL zum Angriff.

Herzlichen Glückwunsch AOL Deutschland! Passend zum 10-jährigen Jubiläum erscheint das Internetportal von AOL hierzulande mit neuem Logo und Seitendesign. Im Gegensatz zum Facelifting von T-Online (ADZINE berichtete) handelt es sich aber dabei eher um die grafische Umsetzung des beginnenden Strategiewechsels, der eigentlich in New York seinen Anfang hat. Nach der Vorstellung des Mutterkonzerns soll AOL wieder eine Geldmaschine werden. Auch in Deutschland.

Werbevermarktung auf dem Prüfstand

Dick Parsons, CEO von Time Warner, meint, bereits einen Schalthebel bei AOL lokalisiert zu haben: "AOL braucht eine verbesserte Vermarktungstechnologie für die Werbeschaltung" sagte er dem Dow Jones Newswires. Anders ausgedrückt: AOL soll mehr Geld mit Werbung verdienen. Dabei schaut Parsons wohl etwas neidvoll zu seinem derzeitigen Kooperationspartner Google, der scheinbar spielend allein mit Text-Werbung hohe Umsätze einfährt und dazu noch im letzten Jahr 300 Millionen Dollar von AOL kassiert hat.

So scheut sich CEO Parsons nicht davor, öffentlich die Zusammenarbeit mit Google in Frage zu stellen: "Ohne Kooperationen wird es für AOL zu langwierig, den Traffic zu erhöhen, eine Partnerschaft mit Microsoft ist daher durchaus vorstellbar." Daraus las das Wall Street Journal gar eine endgültige Absage an Google. Doch die Entscheidung dazu steht in New York noch aus.

Eine Kooperation mit AOL wäre zum jetzigen Zeitpunkt für Microsoft äußerst wichtig. Schließlich plant MSN mit seiner neuen Suchmaschine und dem Adcenter einen Großangriff auf Google. Dazu benötigen die Redmonder einen großen Namen in der Branche. AOL käme da gerade recht.

Dreigleisige Wachstumsstrategie

In Europa macht sich AOL derweil auf, die Ansage des Mutterkonzerns in die Tat umzusetzen. Um mehr Besucher auf die europäischen AOL-Seiten zu lotsen, wird nun eine dreigleisige Strategie gefahren. Dabei soll der Internetauftritt europaweit ein nahezu einheitliches Erscheinungsbild erhalten. Bei den AOL-Seiten in Deutschland und Großbritannien ist dies schon sichtbar.

Mit 2,8 Millionen Kunden (davon 1,1 Millionen DSL-Kunden) und 8,34 Millionen Besuchern im Monat spielt AOL Deutschland zusammen mit seinen weiteren Internetdiensten zweifelsfrei noch immer in der ersten Liga des Portalgeschäfts. In Hamburg, Paris, London und den anderen AOL-Niederlassungen will man nun das reine Providerimage à la Boris Beckers "Ich bin drin" verlassen und mehr Seitenbesucher für sich gewinnen.

"Das Access-Geschäftsfeld ist nur eine der drei Säulen mit dem wir nun deutlich wachsen wollen. Mit unseren neuen digitalen Diensten und einer verbesserten Vermarktung unserer Werbeflächen wird AOL eine europaweite Wachstumsstrategie fahren", bestätigte Vice President Matthias Quadflieg zuständig für Marketing und Sales gegenüber ADZINE.

Zwar spielt man nun das eigene Providerimage etwas herunter, dennoch baut AOL Deutschland hinter den Kulissen das DSL-Angebot kräftig aus. So ist AOL der erste überregionale Anbieter, der in zehn deutschen Städten einen DSL-Anschluss mit 16 MBit/s zur Verfügung stellt.

Wie AOL den Traffic erhöhen will

Kommunikation und Unterhaltung sind seit zehn Jahren die Steckenpferde von AOL Deutschland. Hier will AOL seine alten Stärken neu ausspielen. Im Detail bietet AOL Deutschland nun auch dem Internetnutzer, der keinen AOL Zugang besitzt, verschiedenste digitale Dienste an. Musikdownloads, Handy-Klingeltöne und AOL-Phone sollen jedem zahlungswilligen Nutzer offen stehen und zusammen mit dem kostenfreien AIM-Messenger und dem neu geschaffenen Fotocenter für mehr Verkehr auf aol.de sorgen.

Die Nutzung von Internetradio, SMS und E-Mail Dienst bleibt vorerst nur dem AOL-Kunden vorbehalten. So soll auch ein DSL-Einstieg mit AOL schmackhaft bleiben.

Das Neudesign macht deutlich, dass AOL insbesondere auf Unterhaltung setzt. Hier versuchen die Hamburger nun mit eigenen Musik- und Videoproduktionen, den so genannten AOL Sessions, beim jungen Zielpublikum für Furore zu sorgen: "Für diesen neuen Onlinedienst haben wir eigens ein Studio in Hamburg eingerichtet, um Musikstücke und Videos mit bekannten Stars wie zum Beispiel Robbie Williams oder Yvonne Catterfeld einzuspielen. Teile dieser Aufnahmen stellen wir dann als Musikdownload jedem Internetnutzer als Bezahldienst zur Verfügung" erläutert Matthias Quadflieg.

Auch der Videobereich ist überarbeitet. Filmtrailer und Musikvideos haben die Hamburger deutlich aufgewertet. Ein großes Computerspielangebot und ein Ticketservice vom Bremer Kooperationspartner Eventim rundet das breite Unterhaltungsangebot ab.

Besonders zufrieden gibt sich AOL Deutschland mit der Internettelefonie. Dort habe man das Jahresziel deutlich erreicht. Genaue Zahlen wollte man jedoch nicht nennen. Auch dieser Dienst ist nunmehr nicht zwangsläufig von einer Vertragsanbindung mit AOL als Internetprovider abhängig. Vielmehr können auch Fremdkunden AOL-Phone als Bezahldienst in Anspruch nehmen.

Ambitionierte Ziele in der Werbevermarktung

Von der Akzeptanz dieser digitalen Dienste wird bei AOL Deutschland einiges abhängen. Denn von mehr Besuchern und damit einer höheren Reichweite als Verkaufsargument erwartet man sich ein kräftiges Umsatzwachstum. Aol.de hat laut AGOF-Studie derzeit etwa eine Reichweite von 3,66 Millionen Besuchern.

Mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft sind die Hamburger äußerst zufrieden, gestehen aber ein, nicht zu 100 Prozent ausgebucht zu sein. "Im Moment haben wir eine Vorlaufzeit von 3 Tagen, um neue Kampagnen zu schalten. Für das nächste Jahr peilen wir aber mit Hilfe unserer digitalen Dienste ein doppeltes Wachstum als der Markt an", erläutert Torsten Ahlers Vice President, Interactive Marketing auf Nachfrage von ADZINE.

Seitenkritik

Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Effizienz der Werbeausgaben in den Händen der Entscheider(innen). Schwere Füllfarben haben bei AOL Deutschland ausgedient. Die Hamburger setzen auf Übersichtlichkeit und Transparenz. Manchmal ist es eben besser, das Rad nicht neu erfinden zu wollen.

Besonders effektiv erscheint das halbrechte Werbebanner, dass auf der Startseite das Auge des Nutzers einfängt, wenn dieser dorthin zurücknavigiert. Lobenswert ist auch, dass AOL offenbar auf Pop Up Werbung und ähnliche Werbeeffekte verzichtet. Die wichtigsten Internetdienste sind mit Hilfe kleiner Symbole im oberen Seitenbereich gut platziert. Innerhalb des gesamten Internetauftritts gelingt dem Anwender eine einfache Navigation. Das fördert den Willen, mehrere Seiten bei AOL aufzurufen, wo allein stehende Werbebanner - sofern vorhanden - Aufmerksamkeit erregen.

Grundsätzlich ist hinter dem Design der gut gemeinte Versuch zu erkennen, den Nutzer vor einem Informationsgau zu bewahren. Fast schon zwangsläufig gelingt dies gerade dort nicht, wo AOL inhaltlich am meisten zu bieten hat. Also im Musik- und Videobereich sowie auf der Startseite. Dort wechselt die Spaltenzahl, was Unruhe stiftet. Die richtige Mischung von Inhalt und Usability bleibt also wie bei anderen großen Providerseiten ein kritischer Aspekt.

Völlig unverständlich ist die fehlende Werbenutzung des E-Mail Fensters und dessen Log Out. Hier hätte man beim großen Bruder in den USA oder bei Yahoo Deutschland über die Schulter schauen sollen. Insgesamt hat sich aber AOL Deutschland - wie der HSV - eine gelungene Verpackung zugelegt. Nun müssen nur noch die digitalen Dienste punkten.

Jens von Rauchhaupt
jvr@adzine.de
Artikel einem Freund senden
Termine im Online-Marketing

04.04.2008

Social Web BREAKFAST Hamburg



08.04.2008  -  09.04.2008

eMetrics Marketing Otimization Summit München



08.04.2008

eMetrics Marketing Optimization Summit München 2008



08.04.2008  -  09.04.2008

SMX Search Marketing Expo München



15.04.2008  -  18.04.2008

eCommerceForum 2008



16.04.2008  -  17.04.2008

Web 2.0 Kongress in Wiesbaden



18.04.2008  -  06.06.2008

QUISMA veranstaltet den 3. deutschlandweiten AffiliateCup



24.04.2008

First Cologne Web Content Forum



25.04.2008

SEMSEO - Konferenz für Suchmaschinenmarketing und -optimierung



27.05.2008

media coffee in Köln



02.06.2008  -  04.06.2008

Internet-Kongress iico.de (infopark internet congress) Berlin



02.06.2008  -  03.06.2008

“Connecting European E-Marketing“ - Interact Congress



02.06.2008

Internationaler Mediendialog Hamburg



05.06.2008

Nedstat Expert Forum Berlin 2008



10.06.2008

Nedstat Expert Forum Düsseldorf 2008



11.06.2008

Social Commerce Forum - Frankfurt a.M.



12.06.2008

„netnography08“ in München



23.06.2008  -  24.06.2008

Search Engine Strategies Hamburg



24.06.2008

Nedstat Expert Forum München 2008



04.09.2008

"OMD warm up" mit Home-Party-Hamburg



17.09.2008  -  18.09.2008

Online-Marketing-Düsseldorf 2008



18.09.2008

New Agency Models Conference London



24.09.2008

Virtual Worlds Camp bei Frogster, Berlin



30.09.2008  -  01.10.2008

Community SUMMIT Hamburg



11.10.2008  -  12.10.2008

BarCamp Munich 2008



21.10.2008  -  23.10.2008

Web 2.0 Expo Europe 2008



29.10.2008  -  31.10.2008

Medientage München 2008



06.11.2008

5. Pangora E-Commerce Kongress



12.11.2008  -  13.11.2008

TV Komm. Karlsruhe 2008



27.11.2008  -  28.11.2008

10. E12-Gipfel "Internet of Services"



29.11.2008

DMMK Young Professionals Stuttgart



03.12.2008

Erstellen Sie Ihren Webanaylse-Aktionsplan für 2009 - Mit Eric Peterson



10.02.2009  -  11.02.2009

Web Intelligence Forum



17.02.2009  -  18.02.2009

Social Media FORUM (Hamburg)



03.03.2009  -  08.03.2009

CeBIT 2009 - MARKETING SOLUTIONS AREA



03.03.2009  -  11.03.2009

Online Marketing Seminar: Convert Your Browsers to Buyers



01.04.2009  -  02.04.2009

Swiss Online Marketing 2009



22.04.2009  -  23.04.2009

Search Marketing Expo (SMX) München 2009



22.04.2009  -  23.04.2009

eMetrics Marketing Optimization Summit München 2009



11.05.2009  -  13.05.2009

CMO Gipfel 2009 - 3. Gipfel für Strategie und Innovation im Marketing



19.05.2009

Praxis-Workshop proseed: Strategisches Vertriebsmarketing im Internet



28.05.2009  -  03.06.2009

Web Analytics Academy Seminare



08.06.2009  -  09.06.2009

Deutscher Multimedia Kongress (DMMK) 2009 - MOVE!



10.06.2009  -  12.06.2009

Interact 2009 – Digital Advertising gets Innovative!



15.06.2009  -  17.06.2009

Infopark Internet Congress – iico.de



18.06.2009

Affiliate TactixX 2009



26.08.2009  -  25.09.2009

Digitaler Sommer an der Universität der Künste Berlin



15.09.2009

Social Media Forum - im East Hotel Hamburg



16.09.2009  -  17.09.2009

Community & Marketing 2.0 SUMMIT im East Hotel Hamburg



17.09.2009  -  18.09.2009

scoopcamp 2009 zum Thema „new storytelling“ von Hamburg@work und der dpa



18.09.2009

Online Marketing Convention



23.09.2009  -  24.09.2009

dmexco - Digital Marketing Exposition & Conference



08.10.2009

Zweites Gipfeltreffen zwischen Werbe- und Games-Branche in Hamburg



20.10.2009  -  10.11.2009

MARKETING ON TOUR Konferenz 2009 – Was sind die Top Trends im Online Marketing?



03.11.2009  -  17.11.2009

ecommerce conference



04.11.2009  -  19.11.2009

Premiere der Roadshow The Search Conference



26.11.2009

ConventionCamp Hannover 2009



23.02.2010

newTV-Kongress



04.03.2010  -  17.03.2010

ecommerce conference



18.03.2010  -  19.03.2010

TV Komm. 2010



23.03.2010  -  24.03.2010

eMetrics Marketing Optimization Summit



23.03.2010  -  24.03.2010

Search Marketing Expo (SMX)



13.04.2010  -  14.04.2010

Internet World Fachmesse & Kongress



08.06.2010  -  22.06.2010

Online Marketing Forum



10.06.2010

E-Mail Marketing Seminar mit Nico Zorn




 

Möchten Sie keine weiteren ADZINE Ausgaben mehr erhalten, können Sie sich hier abmelden.

IMPRESSUM
Electronic Publishing Corporation Ltd. | 483 Green Lanes | GB - London N13 4BS | Company No. 5506015 | Companies House
Niederlassung Deutschland | Electronic Publishing Corporation Ltd. | NL Deutschland | Feldstraße 36 | 20357 Hamburg | e-mail: info@e-publishing-corp.com