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ADTECH

ChatGPT wird in Deutschland zur Werbeplattform

19. August 2026 (apr)
Bild: Solen Feyissa – Unsplash

Sechs Monate nach dem Start in den USA kommt Werbung in ChatGPT nach Deutschland. Ab Montag, 24. August, weitet OpenAI sein Ads-Angebot auf 31 europäische Märkte aus. Werbetreibende sollen dort auf Nutzerinnen und Nutzer treffen, die im Chat nach Produkten suchen, Optionen vergleichen oder konkrete Entscheidungen vorbereiten. Seit dem ersten Piloten hat OpenAI die Werbeplattform zudem deutlich ausgebaut.

Die Anzeigen erscheinen weiterhin nur in ChatGPT Free und Go. Plus, Pro und Enterprise bleiben werbefrei. OpenAI betont, dass Werbung klar gekennzeichnet und von den Antworten getrennt werde. Werbetreibende erhielten keinen Zugriff auf Gespräche, Anzeigen hätten keinen Einfluss auf die Antworten von ChatGPT.

Zum Start erfolgt der Zugang in Europa über das Ads-Solutions-Team von OpenAI sowie Agentur- und Technologiepartner. In der offiziellen Mitteilung nennt OpenAI für die neuen Märkte unter anderem Publicis, WPP, Omnicom, Mediaplus, Havas und Dentsu als Agenturpartner. Ein eigener Ads Manager im Self-Service soll später im Sommer folgen.

Vom Werbetest zur Werbeplattform

OpenAI hatte sein Werbegeschäft im Februar zunächst in den USA getestet. Mittlerweile unterstützt die Plattform neben CPM- und CPC-Geboten auch Conversion-Optimierung, Geo-Targeting und Custom Audiences. Für die Messung stehen ein OpenAI-Pixel, eine Conversion-API sowie Integrationen mit externen Measurement-Anbietern bereit. Nach eigenen Angaben haben inzwischen Zehntausende Werbetreibende Anzeigen in ChatGPT geschaltet.

OpenAI setzt dabei auf einen Unterschied zu klassischen Feed- und Social-Umfeldern: Menschen formulieren im Chat häufig bereits ein Ziel, ein Problem oder konkrete Anforderungen. Laut Unternehmensangaben weisen rund 20 Prozent der Gespräche eine eindeutige kommerzielle Absicht auf. Eine nähere Methodik für diese Zahl nennt OpenAI in der Mitteilung allerdings nicht.

Für den Werbemarkt ist daher mindestens ebenso spannend, ob sich diese Nähe zur Kaufentscheidung auch messen lässt. Appsflyer hat Anfang August seine Conversion-API mit ChatGPT Ads verbunden. Werbetreibende können darüber unter anderem App-Installationen, App-Öffnungen, In-App-Käufe und Abonnements Kampagnen in ChatGPT zuordnen. „Bei ChatGPT Ads wird nicht allein die Reichweite über den Erfolg entscheiden, sondern wie schnell der Kanal für Werbetreibende messbar und mit etablierten Plattformen vergleichbar wird“, sagt Menso de Buhr, Regional Manager DACH bei Appsflyer. Diese Vergleichbarkeit wird wichtig, sobald ChatGPT nicht mehr als Testbudget behandelt wird und mit anderen Performance-Kanälen um Mediaeuro konkurriert.

Criteo bereitete den Werbemarkt vor

Der Aufbau des ChatGPT-Werbegeschäfts läuft schon länger. Im März stieg Criteo als erster Adtech-Partner in den US-Piloten ein und fungierte als technologische Schnittstelle zwischen Werbetreibenden und OpenAI. Im Juni meldete der Anbieter bereits mehr als 2.000 Marken, die über Criteo Werbung in ChatGPT schalteten. Das Inventar ließ sich zu diesem Zeitpunkt in den USA, Australien, Kanada, Neuseeland, Großbritannien, Japan und Südkorea buchen – Kontinentaleuropa fehlte noch.

Noch Ende Juli sagte Laure Sauteraud, Managing Director Performance Media EMEA bei Criteo, im ADZINE-Interview, die Integration laufe „derzeit noch nicht in Deutschland oder der EU“. Zu den bisherigen Formaten gehörten laut Criteo unter anderem kontextabhängig erzeugte Prompt Smart Ads sowie gesponserte Produktvorschläge. Welche Technologiepartner in Deutschland unmittelbar zum europäischen Start verfügbar sein werden, führt OpenAI in seiner öffentlichen Mitteilung nicht einzeln auf.

Mit dem Europa-Rollout trifft also eine neue Werbefläche auf einen bereits entstehenden Adtech-Unterbau aus Aktivierung, Optimierung und Measurement. OpenAI muss nun zeigen, ob aus der hohen Aufmerksamkeit rund um ChatGPT ein dauerhaft planbarer Werbekanal wird. Besonders sensibel bleibt dabei die Grenze zwischen bezahlter Platzierung und KI-Antwort. OpenAI verspricht jedenfalls ausdrücklich, dass Werbung seine Antworten nicht beeinflusst.

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