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KI

GEO zwischen Daten und Hypothesen: Was sich messen und erreichen lässt

Marco Berghoff, 30. September 2026
Bild: Sergey Zolkin – Unsplash

Im Juni wurde von Stefanie Hirsch bereits beschrieben, warum GEO vor allem Koordinationsarbeit ist. Sichtbarkeit in KI-Systemen entsteht durch das Zusammenspiel von Content, PR, Communitys, technischer Zugänglichkeit und Markenführung, nicht aus isolierten Einzelmaßnahmen. Mit der zunehmenden Verbreitung von AI Overviews, ChatGPT oder Copilot gewinnt GEO weiter an Relevanz. Was für viele Entscheider:innen nun immer wichtiger wird, ist die Frage: Wie lässt sich GEO eigentlich messen und was können Verantwortliche in Unternehmen auf Basis dieser Erkenntnisse tatsächlich erreichen?

Die Antwort unterscheidet sich deutlich vom klassischen Suchmaschinenmarketing. Während dort Rankings, Klicks und Impressionen im Mittelpunkt stehen, müssen Marketing- und Kommunikationsteams in KI-gestützten Such- und Empfehlungssystemen zusätzliche Faktoren berücksichtigen. Entscheidend ist neben der reinen Präsenz auch, wie häufig eine Marke genannt wird, mit welchen Themen und Eigenschaften sie verbunden ist und ob daraus Empfehlungen entstehen. Genau deshalb wird die Messbarkeit zu einer der wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche GEO-Strategie.

Gleichzeitig ist die Messung nur der Ausgangspunkt. Erst die Auswertung der Ergebnisse ermöglicht es, Sichtbarkeitslücken zu identifizieren, bestehende Inhalte gezielt weiterzuentwickeln und neue Optimierungspotenziale abzuleiten. Höhere Präsenz in KI-Antworten ist dabei allerdings selten das eigentliche Ziel. Wie in anderen digitalen Marketingdisziplinen geht es letztlich darum, Nachfrage zu beeinflussen, Empfehlungen zu gewinnen und den Absatz von Produkten oder Dienstleistungen zu steigern. Erfolgreiches GEO erwächst deshalb aus einem kontinuierlichen Lern- und Steuerungsprozess.

GEO als kontinuierlicher Lernprozess

Viele Unternehmen starten mit einer ersten Sichtbarkeitsanalyse in KI-Systemen. Dabei wird untersucht, ob eine Marke in relevanten Prompts erscheint, wie Wettbewerber performen und welche Themen bislang unterbesetzt sind.

So weit, so gut. Nachhaltiger GEO-Erfolg ergibt sich allerdings nicht aus einer einmaligen Überprüfung. Ähnlich wie SEO unterliegt GEO einer kontinuierlichen Entwicklung. Ausgangspunkt ist immer die Frage, für welche Themen, Kategorien und Anwendungsfälle eine Marke überhaupt sichtbar sein soll. Aus diesen strategischen Prioritäten entsteht ein sogenanntes Prompt Universe, also eine strukturierte Sammlung relevanter Nutzerfragen.

Aus der Bewertung von Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Business-Impact entstehen Impulse für Content, PR, Social, Communications und Technologie. Anschließend wird geprüft, ob diese Anpassungen Wirkung entfalten. Der eigentliche Wert liegt dabei in der regelmäßigen Wiederholung dieses Prozesses. Erst sie zeigt, welche Anpassungen greifen, wo ungenutzte Potenziale liegen und an welchen Stellen nachjustiert werden muss.

Wie ein GEO-Zyklus in der Praxis aussehen kann

In der Praxis beginnt ein GEO-Zyklus mit einem Entity Mapping, also der systematischen Erfassung und Strukturierung aller für eine Marke relevanten Produkte, Dienstleistungen, Themenfelder und Fragestellungen. Diese Themen werden anschließend nach ihrer strategischen Bedeutung priorisiert und bilden die Grundlage für die Entwicklung des Prompt Universe.

Auf Basis dieses Prompt Universe liefert ein GEO-Tool zunächst eine Standortbestimmung: Wie sichtbar ist die Marke in KI-Systemen, wie wird sie dargestellt und wie schneidet sie im Wettbewerbsvergleich ab?

Gleichzeitig werden Content- und Visibility-Gaps identifiziert. Die Analyse legt offen, welche Themen bislang nicht ausreichend besetzt sind, welche Fragestellungen von Wettbewerbern dominiert werden und wo es sonst noch Optimierungspotenzial gibt.

Aus diesen Erkenntnissen werden konkrete Maßnahmen abgeleitet und priorisiert. Je nach identifiziertem Gap können beispielsweise neue SEO- und GEO-relevante Inhalte auf der eigenen Website entstehen, bestehende Content-Hubs erweitert oder zusätzliche Formate wie Whitepaper, Fachartikel, Studien oder Advertorials entwickelt werden. Gleichzeitig können Social-Media-Aktivitäten auf Plattformen wie Youtube, Instagram, Facebook oder Tiktok ausgebaut werden, entweder über eigene Kanäle oder in Zusammenarbeit mit Influencern und relevanten Multiplikator:innen.

Genau hier zeigt sich erneut, warum GEO in erster Linie Koordinationsarbeit ist. Der Erfolg fußt nämlich auf dem Zusammenspiel der verschiedenen Kanäle und Disziplinen. Bestehende Aktivitäten in Content, SEO, PR, Social Media und Communications müssen deshalb stärker aufeinander abgestimmt werden. Gleichzeitig kann das Monitoring zeigen, wo zusätzliche Kanäle oder Formate notwendig sind, um bestehende Sichtbarkeitslücken zu schließen.

Mit der ersten Umsetzung endet der Prozess jedoch nicht. Jede Anpassung wird wiederum zum Ausgangspunkt für den nächsten Analysezyklus. Die erneute Messung zeigt, was wirkt, wie sich Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Business-Impact verändern und wo optimiert werden kann.

Damit dieser Zyklus steuerbar wird, braucht es Kennzahlen, die nicht nur die reine Präsenz erfassen, sondern auch Wahrnehmung und geschäftliche Wirkung. Drei Ebenen sind dafür besonders relevant:

Ebene 1: Sichtbarkeit messen

Hier kommen Kennzahlen wieVisibility Score, Share of Voice oder die Position innerhalb einer Antwort zum Einsatz. Zwar unterscheiden sich Definitionen und Berechnungsmodelle aktuell noch zwischen den verschiedenen GEO-Tools, dennoch helfen diese Kennzahlen dabei, die Präsenz einer Marke in generativen Systemen systematisch zu bewerten.

Diese Kennzahlen helfen Marketingentscheider:innen zu verstehen, wie stark die Präsenz in KI-Systemen ausfällt, wo die Marke im Wettbewerbsvergleich steht und ob relevante Inhalte aufgegriffen werden. Offen bleibt jedoch, welches Bild dabei entsteht.

Ebene 2: Wahrnehmung verstehen

Sichtbarkeit allein ist nicht automatisch mit erfolgreicher Markenführung gleichzusetzen. Eine Marke kann häufig genannt und trotzdem mit den falschen Eigenschaften verbunden werden. Umgekehrt kann sie seltener erscheinen, dabei aber sehr konsistent mit den gewünschten Botschaften, Stärken oder Kompetenzen assoziiert werden.

Hier gewinnen Analysen von Perception und Sentiment an Bedeutung. Sie helfen zu verstehen, welche Themen, Eigenschaften und Nutzenversprechen KI-Systeme einer Marke zuschreiben und ob die Darstellung eher positiv, neutral oder negativ ausfällt. Grundlage ist dabei das zuvor definierte Prompt Universe. Die Ergebnisse bilden daher eine Momentaufnahme auf Basis des ausgewählten Prompt-Sets. Erst durch regelmäßige Messungen wird sichtbar, wie sich die Darstellung einer Marke über die Zeit verändert.

Während Suchmaschinen in erster Linie Auffindbarkeit organisiert haben, beeinflussen generative Systeme zunehmend auch die Wahrnehmung von Marken. Unternehmen müssen daher neben ihrer Sichtbarkeit auch messen, wie sie verstanden werden.

Ebene 3: Business-Impact bewerten

Letztlich stellt sich Verantwortlichen in Unternehmen vor allem eine Frage: Welchen Beitrag leistet GEO tatsächlich zum Geschäftserfolg?

Hohe digitale Präsenz und eine positive Wahrnehmung entfalten ihren geschäftlichen Wert vor allem dann, wenn sie auch zu relevanten Business-Ergebnissen beitragen. Deshalb ist es notwendig, Kennzahlen wieAI Referral Traffic, Leads oder Conversions bewerten zu können. Sie helfen dabei, Zusammenhänge zwischen GEO-Aktivitäten und tatsächlichem Nutzerverhalten nachvollziehbar zu machen.

Unternehmen sollten daher bereits heute daran arbeiten, Zugriffe aus KI-Systemen zu identifizieren und von klassischen Suchmaschinenbesuchen zu unterscheiden. Zwar lassen sich nicht alle Auswirkungen von GEO eindeutig erfassen, dennoch entsteht dadurch die Möglichkeit, einen wachsenden Teil des geschäftlichen Beitrags von GEO systematisch zu beobachten und zu bewerten.

Wo Daten enden und Annahmen beginnen

Trotz aller Fortschritte lässt sich nicht jede Entwicklung in KI-Systemen eindeutig erklären. Gut messbar ist inzwischen, ob eine Marke häufiger erscheint, wie sie wahrgenommen wird oder ob Zugriffe aus KI-Systemen steigen. Deutlich schwieriger wird es, will man verstehen, welche konkrete Maßnahme diese Veränderungen ausgelöst hat.

Die Realität ist meist komplexer als eine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung. Dennoch können Unternehmen im wiederholten Abgleich erkennen, welche Themen, Inhalte oder Kanäle besonders relevant sind. GEO schafft damit eine bessere Grundlage, um Entscheidungen zu treffen und Optimierungsmaßnahmen datenbasiert zu priorisieren.

Die eigentliche Herausforderung besteht daher selten darin, einzelne Kennzahlen zu erheben. Deutlich anspruchsvoller ist es, die Ergebnisse richtig einzuordnen, daraus geeignete Maßnahmen abzuleiten und die beteiligten Disziplinen auf gemeinsame strategische Ziele auszurichten.

Fazit

Die Diskussion über GEO verschiebt sich: weg von der reinen Frage, ob Marken in KI-Antworten auftauchen, hin zur Frage, wie diese Präsenz entsteht. Sichtbarkeit und Wahrnehmung lassen sich zunehmend messen. Der kausale Beitrag einzelner Maßnahmen bleibt jedoch nur begrenzt nachweisbar. Dennoch ermöglichen die verfügbaren Daten Unternehmen, Entwicklungen besser zu verstehen, fundiertere Entscheidungen zu treffen und Optimierungen gezielter umzusetzen. Wer diesen Lernprozess systematisch etabliert und die beteiligten Disziplinen konsequent orchestriert, entwickelt GEO von einer punktuellen Sichtbarkeitsanalyse zu einem strategischen Steuerungsinstrument für Content, Kommunikation und Business.

Bild Marco Berghoff Über den Autor/die Autorin:

Marco Berghoff ist Managing Partner bei Publicis Media und verantwortet Paid Search, GEO sowie Total/AI Search für führende Marken. Performics by Publicis Media ist die Performance-Marketing-Agentur innerhalb des Publicis-Media-Netzwerks und verbindet datengetriebene Medienstrategien mit technologischer Expertise. Publicis Media gehört zur Publicis Groupe, die Kunden über ihr Power-of-One-Modell direkten Zugang zu allen Leistungen und Services der Gruppe bietet.

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