Für die meisten Werbetreibenden ist KI heute ein Analysewerkzeug. Die operative Umsetzung bleibt häufig noch gänzlich bei den menschlichen Teams. Doch das ändert sich zunehmend. Agentische Systeme übersetzen Insights in Aktivierungen und verschieben so die Rolle von KI: von AI-Assist zu AI-Execute. Welche Voraussetzungen müssen Marketer:innen dafür schaffen?
Copy-Varianten und visuelle Anpassungen für Creatives entstehen in Minuten, In-Flight-Kampagnen optimieren sich auf Basis von Echtzeitsignalen eigenständig und automatisierte Workflows verzahnen und vereinfachen die manuellen Schritte im Kampagnenprozess. Das ist keine Zukunftsvision, sondern wird dank Agentic AI immer mehr zum Alltag vieler Marketer:innen.
Damit das gelingen kann, können Werbetreibende ihren modernen KI-Stack perspektivisch entlang von drei sich ergänzenden Ebenen entwickeln:
- Multimodale generative KI zur Skalierung der Creative-Erstellung,
- Reinforcement-Learning-Modelle - also auf Machine Learning basierende Systeme, die auf Basis von Feedback kontinuierlich dazulernen - für eine selbstoptimierende Kampagnensteuerung,
- Agentische Systeme zur Unterstützung strategischer Entscheidungen und zur Automatisierung der operativen Umsetzung nach dem Briefing.
Wer diese Ebenen isoliert einsetzt, automatisiert nur die Teilschritte. Wer sie integriert statt stückweise nebeneinander betreibt, beseitigt den oft vorhandenen Bruch zwischen diesen einzelnen Schritten. Wer zudem sicherstellt, dass sich dieser integrierte AI Tech Stack an neue Entwicklungen anpasst und auf einer soliden Datenbasis sowie den richtigen Schnittstellen aufbaut, schafft die Voraussetzung dafür, dass KI nicht mehr nur Analysewerkzeug, sondern auch operativer Bestandteil des Kampagnenprozesses ist.
Veränderungen im Targeting
Ein solcher integrierter Stack verändert auch, wie Werbetreibende Kampagnen planen und steuern. Statische Zielgruppendefinitionen greifen zunehmend zu kurz, weil Interessen, Emotionen und Kaufabsichten situativ sind. Eine Person, die sich für Fitnesstudios interessiert, befindet sich in einer völlig anderen Situation als eine Person, die gerade das Proteinpulver verschiedener Marken vergleicht. Ob jemand recherchiert, abwägt oder kurz vor einer Kaufentscheidung steht, erkennen Marketer:innen nicht am demografischen Profil, sondern am Kontext. Kontextuelle Signale wie Thema und Tonalität gewinnen deshalb an Bedeutung. Zielgruppen entstehen so zunehmend auch während einer Kampagne.
Contextual AI identifiziert im Moment der Kaufentscheidung, welche Inhalte und Umfelder Nutzer:innen mit hoher Marken- oder Kaufaffinität besonders ansprechen. Agentische Systeme lernen aus diesen Mustern und optimieren fortlaufend die Kampagne. Das ist vor allem für Werbetreibende relevant, die zwar grundsätzlich wissen, wen sie erreichen wollen, aber noch nicht klar beantworten können, wann und wo diese Zielgruppen besonders empfänglich sind.
Proaktiv auf Echtzeitsignale reagieren
Viele KI-Systeme arbeiten noch reaktiv: Frage rein, Insight raus. Werbetreibende wissen dann auf Anfrage beispielsweise, welche Themen innerhalb einer Zielgruppe gerade im Trend liegen. Eine integrierte Agentic AI-Plattform dagegen beobachtet kontinuierlich die Inhalte und Umfelder, mit denen Zielgruppen interagieren, und meldet Marketer:innen proaktiv relevante Veränderungen.
Das ist etwa der Fall, wenn bestimmte Themen innerhalb einer Zielgruppe an Aufmerksamkeit gewinnen, wenn sich die Tonalität bestimmter Umfelder verändert oder wenn saisonale Peaks bestimmte Content-Umfelder besonders attraktiv machen. Werbetreibende können dann auf diese Echtzeitsignale reagieren, nicht auf möglicherweise veraltete Insights.
Gleichzeitig können integrierte agentische Systeme dabei unterstützen, spezifische Kontexte mit hoher Resonanzwahrscheinlichkeit zu identifizieren und diese Erkenntnisse direkt in die Kampagnensteuerung einfließen zu lassen. So rücken Planung und Aktivierung enger zusammen.
Kurzfristig ergänzen, mittelfristig verändern
KI-gestützte Lösungen aggregieren Daten, vergleichen Optionen und leiten Handlungsempfehlungen ab. Agentic AI setzt diese Handlungsempfehlungen in die Tat um und unterstützt Werbetreibende so bei der operativen Umsetzung der Kampagne. Und die Werbetreibenden? Dort, wo Unternehmenswerte, Budgetentscheidungen, Brand Safety oder die grundlegende kreative Ausrichtung eines Unternehmens betroffen sind, werden sie auch langfristig die Kontrolle behalten. Kurzfristig ergänzt agentische KI bestehende Workflows. Mittelfristig verändert sie die Rollenprofile in Agenturen und Inhouse-Teams.
Die Teams sollten dabei nachvollziehen können, wie und warum ein agentisches System bestimmte Handlungsempfehlungen ausspricht oder auf deren Basis handelt. Ohne diese Transparenz nutzt auch das leistungsfähigste System wenig. Dazu kommt, dass Marketer:innen von dieser Transparenzmöglichkeit auch Gebrauch machen müssen.
Starkes Open Web als Voraussetzung
Eine solide Datenbasis ist die Grundlage aller KI-gestützten Lösungen und damit auch das wichtigste Fundament für Agentic AI-Plattformen. Systemen, die auf generischem Wissen aus Standard-Datenpools trainiert wurden, fehlt dieses Fundament. Sie liefern generische Ergebnisse. Hochwertige redaktionelle Inhalte dagegen können dazu beitragen, eine belastbare Datengrundlage für KI-gestützte Entscheidungen zu schaffen. Die Präzision des Inputs bestimmt die Qualität des Outputs.
Während KI-Anbieter zunehmend auf großskalige und teilweise synthetische Trainingsdaten setzen, steigt der Wert redaktioneller Inhalte als Signalquelle für das Marketing kontinuierlich an. Contextual Agentic AI ist auf diese hochwertigen Umfelder angewiesen. Werbetreibende sollten ein starkes Open Web mit qualitativ hochwertigen Inhalten nicht als Selbstverständlichkeit betrachten, sondern als unabdingbare Voraussetzung für ihre Kampagnen.
Agentic AI wird sich über die kommenden Monate an klaren Ergebnissen beweisen müssen: kürzere Time-to-Activation, höhere Attention, mehr Conversions. Wer dafür jetzt die Grundlagen legt, aktiviert mithilfe von agentischen Systemen schon bald schneller und wirkungsvoller.
Tech Finder Unternehmen im Artikel
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