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ADTECH

Criteo baut Werbung in ChatGPT aus

25. Juni 2026 (apr)
Bild: Josh Olalde – Unsplash

Werbung in KI-Assistenten verlässt bei Criteo langsam die reine Testphase. Der Adtech-Anbieter meldet pünktlich zum Kreativfestival Cannes Lions für seine Integration mit OpenAI inzwischen mehr als 2.000 Marken, die Werbung in ChatGPT über Criteo buchen. Im Mai hatte Criteo noch von mehr als 1.000 Marken gesprochen. Damit wächst der Pilot innerhalb weniger Wochen deutlich an.

ADZINE hatte im März über den Start des Werbetests berichtet. Zunächst ging es darum, kommerzielle Inhalte in ChatGPT Free und ChatGPT Go einzubinden. Criteo fungiert dabei als Technologiepartner zwischen Werbetreibenden und OpenAI. Inzwischen ist das Inventar laut Criteo nach den USA, Australien, Kanada und Neuseeland auch in Großbritannien, Japan und Südkorea verfügbar. Zudem lässt sich ChatGPT-Inventar über die Self-Service-Plattform buchen. Kontinentaleuropa muss allerdings weiterhin warten. Für Märkte wie Deutschland, Frankreich, Italien oder Spanien nennt das Unternehmen im Juni-Update noch keinen Starttermin.

Mehr Märkte, mehr Werbekunden

Criteo nennt Bekleidung, Möbel, Unterhaltungselektronik, Automotive und Beauty als führende Kategorien für Anzeigen in ChatGPT. Für Werbetreibende wird damit ein Umfeld getestet, in dem Nutzer:innen Produkte nicht klassisch suchen, sondern Fragen stellen, Optionen vergleichen und Empfehlungen erwarten. An dieser Stelle will Criteo seine Commerce-Daten einbringen.

Neu ist außerdem die Erweiterung um sogenannte Prompt Smart Ads. Dabei werden Katalogdaten, Commerce-Signale und Informationen aus der jeweiligen Anfrage genutzt, um Anzeigen und Produktbeschreibungen stärker an den Gesprächskontext anzupassen. Criteo spricht in frühen Tests von etwa viermal höheren Ausgaben nach Aktivierung dieser Funktion. Die Zahl beschreibt allerdings zunächst vor allem eine stärkere Budgetauslieferung innerhalb des neuen Umfelds, keine unabhängige Wirkungsbewertung.

Hohe Absicht, offene Fragen

Criteo verweist erneut auf starke Signale aus KI-vermitteltem Traffic. Laut dem Juni-Update liegen die Klickraten für ChatGPT-Ads-Traffic zwei- bis dreimal höher als bei vergleichbaren Formaten in anderen Umfeldern. Conversion Rates sollen andere Referral-Kanäle übertreffen. Außerdem stammen nach Angaben des Unternehmens mehr als 80 Prozent des werbegetriebenen ChatGPT-Traffics von Neukunden.

Diese Werte stammen aus Anbieterperspektive und müssen entsprechend eingeordnet werden. Sie deuten darauf hin, dass konversationelle KI für Commerce-Werbung als Discovery-Umfeld interessant wird. Dennoch bleibt offen, wie Nutzer:innen Werbung in KI-Antworten langfristig wahrnehmen, wie klar Anzeigen gekennzeichnet werden und wie stark solche Formate tatsächlich zusätzliche Nachfrage schaffen.

Retail Media wandert in Gespräche

Dass Criteo den Ansatz weiter denkt, zeigt ein aktueller Beitrag des Unternehmens zur Supermarktkette Albertsons. Dort werden Sponsored Products in eine KI-gestützte konversationelle Suche des US-Retailers integriert. Nutzer können in natürlicher Sprache nach Produkten, Einkaufslisten oder Rezeptideen fragen, gesponserte und organische Produktempfehlungen erscheinen dann innerhalb desselben Antwortflusses.

Für Criteo ist das ein Hinweis darauf, wohin Retail Media wandern könnte: weg von reinen Suchleisten, Kategorieseiten und digitalen Regalen, hinein in assistierte Shopping-Dialoge. Für Marken wird Sichtbarkeit damit früher im Entscheidungsprozess, weiter oben im Funnel relevant. Für Retailer und Plattformen entsteht eine neue Werbefläche, die nah an Bedarf, Empfehlung und Kaufabsicht liegt.

Criteo wurde 2005 in Paris gegründet und ist vor allem mit Performance Advertising, Retargeting und später auch Commerce Media groß geworden. Heute positioniert sich das Unternehmen als Plattform für Retail Media, Commerce-Daten und kanalübergreifende Aktivierung. Die OpenAI-Integration und der Albertsons-Case zeigen, wie Criteo diese Rolle auf konversationelle KI-Umgebungen ausweiten will.

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