Viele digitale Kampagnen werden nach Sichtkontakten abgerechnet, auch wenn Nutzer:innen nicht mit dem Werbemittel interagieren. Dies gilt besonders für High-Impact-Anzeigen, die überwiegend Aufmerksamkeit für Branding-Zwecke erzeugen sollen. Das neue Adtech-Unternehmen Ad.nio aus Nordrhein-Westfalen setzt zum Start auf ein anderes Modell. Advertiser und Agenturen sollen nur für vorab definierte Engagements zahlen.
Das Unternehmen wurde im August 2026 in Leverkusen von Tim Grünewald, Otto Schmidt und Tim Tillmann gegründet. Das Trio bringt Erfahrung aus Adtech und Vermarktung (Schmidt) sowie aus Agenturen und Retail-nahen Kommunikationsumfeldern (Grünewald und Tillmann) mit. Ad.nio positioniert sich als Anbieter für interaktive High-Impact-Formate im Open Web, abgerechnet wird nach Cost per Engagement. Laut Unternehmen zählt dabei nur das erste Engagement pro Nutzer:in. Weitere Interaktionen sowie reine Sichtkontakte werden nicht berechnet.
Ad.nio definiert Engagement enger als andere aufmerksamkeitsbasierte Modelle. Gezählt werden sollen Klicks und tatsächliche Interaktionen mit dem Werbemittel, jedoch keine Mouseovers und keine bloße Sichtbarkeit. Die Produktion der Werbemittel ist im Modell enthalten. Die Gründer sprechen davon, das Mediarisiko selbst zu tragen, da Advertiser eben nur bei Interaktion zahlen.
Angebotskommunikation im Open Web
Ein Schwerpunkt liegt auf Retailern. Ad.nio sieht seine Formate als digitale Alternative zur Angebotskommunikation über gedruckte Prospekte. Händler sollen Angebote als interaktive, scrollbare Produktkataloge im Open Web ausspielen können. Gerade für den Handel ist die Frage interessant, wie Angebotskommunikation nach dem Reichweitenverlust gedruckter Handzettel digital, regional steuerbar und messbar organisiert wird.
Technisches Rückgrat ist eine eigene “Inventory Engine”. Sie verknüpft verschiedene Datensignale und steuert KI-gestützt, in welchen Umfeldern eine Kampagne eine höhere Interaktionswahrscheinlichkeit hat. Welche Signale genau einfließen und wie die Prognosen validiert werden, geht nicht im Detail hervor.
Die Ausspielung soll ausschließlich in ausgewählten markensicheren Premium-Umfeldern erfolgen. In Deutschland erreicht das Unternehmen laut eigener Aussage rund 45 Millionen Unique User. Jede Kampagne wird zudem über unabhängige Verification-Anbieter mitgemessen. Ad.nio verspricht 100 Prozent Viewability – nach welchem Messstandard dieser Wert ausgewiesen wird, bleibt offen.
Für Werbetreibende liegt der Reiz des Modells in der geringeren Vorleistung. Sichtkontakte ohne Interaktion werden nicht berechnet. Allerdingsist Engagement wiederum nicht automatisch mit Werbewirkung gleichzusetzen.
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