Das Adtech-Unternehmen Adform und der Datenspezialist Adsquare implementieren gemeinsam das Agentic Real-Time Framework (ARTF) des IAB Tech Lab. Die Unternehmen wollen damit die Einbindung externer KI-Agenten und Datenquellen in programmatische Einkaufsprozesse vereinfachen und zugleich Datenschutzanforderungen Rechnung tragen.
Das Agentic Real-Time Framework ist Bestandteil des Agentic Advertising Management Protocols (AAMP), einer Brancheninitiative zur Standardisierung von agentischer Werbung. Es soll technische Grundlagen für den Einsatz KI-gestützter Agenten in Werbeprozessen schaffen. ARTF fungiert dabei als standardisierte Ausführungsebene für die Anreicherung und Verarbeitung von Bid Requests innerhalb von Demand-Side-Plattformen (DSP).
Nach Angaben der Unternehmen handelt es sich um eine der ersten Umsetzungen des Frameworks in einer DSP-Umgebung. Externe Anbieter sollen dadurch eigene Agenten einsetzen und Signale innerhalb der Adform-Plattform nutzbar machen können, ohne dass Daten die Plattform verlassen müssen. Individuelle Integrationen zwischen einzelnen Datenanbietern und DSPs sollen dadurch reduziert werden.
Für Werbetreibende bedeutet die erweiterte Integration insbesondere einen direkteren Zugriff auf die Datenangebote von Adsquare. Dazu zählen unter anderem geografische Informationen und Offline-Daten, die in Echtzeit für Mediaentscheidungen genutzt werden können. Die Partner sehen darin eine Voraussetzung für stärker automatisierte und agentengestützte Einkaufsprozesse.
Die Agentic-Strategie von Adform
Die Ankündigung reiht sich in die jüngsten Bemühungen von Adform ein, die eigene Plattform für externe KI-Systeme zu öffnen. Erst im Mai hatte das Unternehmen bekanntgegeben, die DSP über das Model Context Protocol (MCP) für KI-Agenten zugänglich zu machen. Während MCP die Kommunikation zwischen Agenten und Plattformen standardisieren soll, adressiert ARTF die operative Verarbeitung externer Signale innerhalb programmatischer Systeme. Beide Initiativen verfolgen damit das Ziel, die technische Interoperabilität im entstehenden Markt für Agentic Advertising zu erhöhen.
Jochen Schlosser, Chief Technology Officer bei Adform, erklärt dazu: “Das wahre Potenzial von KI im Media Buying hängt von der Qualität der zugrunde liegenden Daten ab. Um eine echte End-to-End-Intelligence auf einer agentischen DSP zu ermöglichen, müssen Werbetreibende in der Lage sein, Signale aus mehreren unabhängigen Quellen unter Einhaltung strenger Datenschutzvorgaben zu nutzen.” Die Standardisierung der Integrationsebene mit ARTF sei “ein Meilenstein für die agentische Zukunft der programmatischen Werbung”.
Auch Adsquare betrachtet die Standardisierung als entscheidenden Schritt für die Skalierung datengetriebener Werbeprozesse. Fritz Richter, Co-Founder und CTO bei Adsquare, ergänzt: “Durch den jahrelangen, produktiven Betrieb von Pre-Bid-Servern haben wir gelernt, dass die Skalierung von Real-World-Daten in einer DSP nicht jedes Mal eine maßgeschneiderte Integration erfordern darf. ARTF standardisiert diese Schnittstelle und macht sie zu etwas, auf das sich das gesamte Ökosystem verlassen kann. Es ist eine datenschutzsichere, standardisierte Execution-Ebene für externe Signale. Mit Adform wechseln wir von isolierten Aufträgen zu einem offenen Vertrag, der die Grundlage für einen agentischen, multisignalfähigen Marktplatz ist.”
Mit der gemeinsamen Implementierung positionieren sich beide Unternehmen frühzeitig im Umfeld agentischer Werbetechnologien. Ob sich ARTF als Branchenstandard etabliert, dürfte allerdings maßgeblich davon abhängen, wie breit das Framework von DSPs, Datenanbietern und weiteren Marktteilnehmern übernommen wird.
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