481 Milliarden Euro: Digitale Geschäftsmodelle als Wirtschaftsmotor
25. September 2026 (apr)Wie groß ist die digitale Wirtschaft in Deutschland? Herkömmliche Branchenstatistiken können viele digitale Geschäftsmodelle nur eingeschränkt erfassen. Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) hat deshalb gemeinsam mit dem Forschungsunternehmen Istari einen neuen Ansatz zur Vermessung entwickelt. Demnach erwirtschaftet die digitale Wirtschaft hierzulande rund 481 Milliarden Euro und steht damit für knapp zwölf Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung.
Digitale Wertschöpfung entsteht in zahlreichen Wirtschaftsbereichen. Neben Softwareunternehmen und Online-Plattformen gehören dazu auch digitale Vermarkter, Adtech-Anbieter und spezialisierte Digitalagenturen. Eine neue Studie des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) untersucht deshalb, welche Unternehmen tatsächlich zur digitalen Wirtschaft zählen und welchen wirtschaftlichen Beitrag sie leisten.
Das Ergebnis: Rund 229.000 Unternehmen gehören nach der verwendeten Definition zur digitalen Wirtschaft. Ihre Bruttowertschöpfung beziffert die Studie für 2025 auf 481 Milliarden Euro. Bezieht man zusätzlich digital transformierte Branchen ein, steigt die zugeordnete Wirtschaftsleistung auf mehr als eine Billion Euro. Damit umfasst dieser erweiterte Bereich etwa ein Viertel der deutschen Bruttowertschöpfung.
Von Adtech bis zum Online-Handel
Für die Untersuchung unterscheidet der BVDW drei Bereiche. Die digitale Kernwirtschaft umfasst Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen selbst digital sind. Dazu zählen unter anderem Softwareanbieter, digitale Plattformen, Adtech-Unternehmen, Datenanbieter und Digitalagenturen. Auf diesen Bereich entfallen rund 63.000 Unternehmen und eine geschätzte Bruttowertschöpfung von 192 Milliarden Euro.
Die zweite Kategorie bilden digital getriebene Geschäftsmodelle. Hierzu gehören beispielsweise reine Online-Händler, digitale Medienunternehmen und weitere Anbieter, deren wirtschaftliche Tätigkeit wesentlich auf digitalen Technologien beruht. Die Studie zählt rund 166.000 Unternehmen zu dieser Gruppe. Zusammen bilden die ersten beiden Kategorien die digitale Wirtschaft, deren Unternehmen zu etwa 95 Prozent kleine und mittlere Unternehmen sind.
Hinzu kommen die digital transformierten Branchen. Ihr eigentliches Geschäft kann weiterhin physisch oder analog sein, während digitale Technologien die Prozesse, Produkte oder Geschäftsmodelle wesentlich verändern. Beispiele dafür sind klassische Handelsunternehmen mit zusätzlichem Online-Vertrieb sowie digitalisierte Industrie- und Dienstleistungsunternehmen.
KI analysiert 1,4 Millionen Unternehmen
Die Untersuchung basiert auf einer KI-gestützten Analyse von rund 1,4 Millionen marktaktiven Unternehmen in Deutschland. Dafür wertete das Mannheimer Forschungsunternehmen Istari öffentlich verfügbare Web- und Unternehmensdaten aus. Anhand der beschriebenen Geschäftstätigkeit ordnete das System die Unternehmen einer der definierten Kategorien zu. Zusätzlich ermittelte es einen Digitalisierungsgrad auf einer Skala von null bis 100.
Der Ansatz unterscheidet sich von der üblichen statistischen Einordnung nach Wirtschaftszweigen. Diese erfasst beispielsweise nicht unmittelbar, wie stark digitale Technologien das Geschäftsmodell eines ursprünglich anders klassifizierten Unternehmens prägen. Mit der neuen Methode versucht der BVDW, solche Veränderungen auf Unternehmensebene sichtbar zu machen.
Die Berechnung der Wirtschaftsleistung erfolgt anschließend anhand amtlicher Daten zur Bruttowertschöpfung. Da die entsprechenden Werte nicht für sämtliche untersuchten Unternehmen individuell vorliegen, verwendet die Studie die Beschäftigtengröße als Näherungswert, um die wirtschaftliche Bedeutung der einzelnen Unternehmen zu gewichten.
Eine Billion Euro digitale Wertschöpfung?
Die Ergebnisse hängen wesentlich davon ab, wie weit der Begriff der digitalen Wirtschaft gefasst wird. Die 481 Milliarden Euro beziehen sich auf Unternehmen der digitalen Kernwirtschaft und auf digital getriebene Geschäftsmodelle. Die deutlich größere Summe von rund einer Billion Euro schließt dagegen auch Unternehmen aus traditionelleren Branchen ein, deren Geschäft durch digitale Technologien wesentlich geprägt ist.
Diese Summe beschreibt die gesamte zugerechnete Bruttowertschöpfung der erfassten Unternehmen. Sie bedeutet folglich nicht, dass digitale Technologien allein eine Billion Euro erwirtschaften. Zudem handelt es sich um eine modellbasierte Schätzung, deren Ergebnisse von der gewählten Definition und den Annahmen zur wirtschaftlichen Gewichtung abhängen.
Für den BVDW liefert die Untersuchung eine neue Grundlage, um die wirtschaftliche Bedeutung seiner Branche gegenüber Politik und Öffentlichkeit darzustellen. Der Verband verfolgt damit natürlich auch das Interesse, die digitale Wirtschaft bei wirtschaftspolitischen Entscheidungen stärker zu berücksichtigen.
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