Die Sinus-Milieus sollen künftig auch ohne Nutzer-IDs für kontextuelle Werbekampagnen eingesetzt werden können. Dafür verbinden das Sinus-Institut, der Hamburger Adtech-Anbieter True Relevance und die Erason-Plattform AIlon ihre Technologien. Werbetreibende sollen damit bekannte Zielgruppenmodelle aus der strategischen Planung direkt für den programmatischen Mediaeinkauf nutzen können.
Die Sinus-Milieus beschreiben gesellschaftliche Gruppen anhand ihrer Werte, Lebensauffassungen und sozialen Lage. Bereits Anfang 2025 hatte das Sinus-Institut gemeinsam mit Erason, das der Lüneburger Leuphana Universität entstammt, die Milieus in die KI-Plattform AIlon integriert. Unternehmen können darüber Zielgruppen analysieren und daraus Parameter für die digitale Mediaaktivierung ableiten.
Die neue Kooperation erweitert diesen Ansatz um die kontextuelle Aktivierung. AIlon übernimmt die Zielgruppenanalyse und -anreicherung, während True Relevance die entsprechenden Werbeumfelder identifiziert. Die Technologie des Unternehmens analysiert Inhalte anhand von neun psychografischen Mustern, die auf menschlichen Motiven und unterschiedlichen Entscheidungsebenen basieren. Sie verbinden die drei Grundmotive nach McClelland – Status, Leistung, Anschluss – mit den drei Entscheidungsebenen nach Triandis – emotional, rational, habituell –, um die psychologische Bedeutung von Content zu erkennen. Das daraus resultierende Targeting ist bereits auf programmatischen Plattformen wie Adform, Pubmatic und Index Exchange verfügbar und wird nun also mit den Definitionen der Sinus-Milieus verknüpft.
Milieus als Segmente buchbar
Werbetreibende können die Milieus laut den drei Parteien ab sofort als fertige Targeting-Segmente über teilnehmende Demand-Side-Plattformen (DSP) buchen. Darüber hinaus lassen sie sich mit Themen wie Elektromobilität, Altersvorsorge oder saisonalen Anlässen kombinieren. Auch individuelle Verknüpfungen mit Markenaffinitäten und weiteren Interessen sind vorgesehen. Die Aussteuerung erfolgt über die psychografische Passung der Werbeumfelder und soll ohne Cookies, Device-IDs oder personenbezogene Nutzerprofile auskommen. Eine individuelle Zuordnung der erreichten Personen zu den jeweiligen Sinus-Milieus findet dabei nicht statt.
Der Rollout startet im Open Web und für Youtube ist eine Ausweitung über Whitelisting und die Auswahl einzelner Videos angekündigt. Auch Connected TV (CTV) und Digital-out-of-Home (DOOH) sollen folgen.
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