Netflix erweitert die programmatische Infrastruktur für Werbetreibende, indem es sein Werbeinventar schrittweise für Datensätze externer Demand-Side-Plattformen (DSP) öffnet. So können Advertiser nach dem programmatischen Einkauf über The Trade Desk ab November auch eigene Zielgruppen und externe Datensegmente für Netflix-Kampagnen einsetzen. Die Aktivierung erfolgt über die DSP Kokai.
Damit können Werbetreibende Zielgruppenstrategien, die sie bereits über The Trade Desk für andere digitale Kanäle einsetzen, auf Netflix übertragen. Zur Verfügung steht unter anderem der Datenmarktplatz der DSP mit mehr als vier Millionen Segmenten von über 300 Anbietern. Eigene Kundendaten lassen sich ebenfalls für Audience Building nutzen.
Vom Inventarzugang zum Dateneinsatz
Der programmatische Zugang zu Netflix ist für The Trade Desk nicht neu. Bereits seit 2025 lässt sich Inventar des Streamingdienstes über die DSP einkaufen. Im Juli wurde Netflix zudem Teil von „Sellers and Publishers 500+“, einem von The Trade Desk kuratierten Inventarmarktplatz innerhalb von Kokai. Zuvor war Netflix über die DSP nur über Programmatic Guaranteed oder individuelle Private-Marketplace-Deals verfügbar. Seit der Aufnahme in den Marktplatz lässt sich das Inventar auch über dauerhaft verfügbare Marketplace-Deals einkaufen.
Jetzt liegt der Fokus auf dem Targeting. Netflix ist einen ähnlichen Schritt schon im März mit den DSPs von Yahoo und Amazon gegangen. Auch dort können Werbetreibende seitdem die Zielgruppen der jeweiligen Einkaufsplattformen für Netflix-Kampagnen einsetzen. Mit The Trade Desk kommt nun ein weiterer großer Nachfragekanal hinzu, über den First- und Third-Party-Daten für die Ansprache genutzt werden können.
Mehr Messung soll Werbegeschäft anschieben
Auch die Erfolgsmessung soll stärker in die DSPs wandern. Für The Trade Desk kündigt Netflix Reichweiten-, Frequenz- und Attributionsmessung direkt innerhalb der Plattform an. Einen Starttermin nennt das Unternehmen bislang nicht. In der Yahoo DSP steht bereits eine Single-Publisher-Attribution für Netflix-Kampagnen zur Verfügung.
Netflix möchte damit sein Werbegeschäft weiter skalieren. Co-CEO Greg Peters erklärte laut dem Ad Exchanger im jüngsten Earnings Call, dass die Werbeerlöse 2026 bislang um mehr als 80 Prozent gestiegen seien. Das Unternehmen liegt damit allerdings hinter seinen ursprünglichen Erwartungen. Netflix hat seine Prognose für den Werbeumsatz 2026 inzwischen von rund drei Milliarden auf etwa 2,7 Milliarden US-Dollar gesenkt und begründet dies unter anderem mit Verzögerungen beim Rollout neuer Werbeprodukte.
Peters verwies dabei auch auf zusätzliche programmatische Nachfragequellen, neue Funktionen und Measurement sowie einen einfacheren Einkauf. Diese Maßnahmen sollen mehr Nachfrage erzeugen und die Auslastung des Werbeinventars erhöhen.
Werbemodell kommt in weitere Länder
Netflix plant darüber hinaus den geografischen Ausbau seines Werbegeschäfts in Europa. Im März 2027 soll das werbefinanzierte Abo auf weitere Märkte ausgeweitet werden, darunter Österreich, Belgien, Dänemark, die Niederlande, Norwegen, Polen, Schweden und die Schweiz. Damit wächst auch die Zahl der Märkte, in denen die programmatischen Integrationen mit DSPs genutzt werden können.
Tech Finder Unternehmen im Artikel
EVENT-TIPP ADZINE Live - ADZINE CONNECT VIDEO 2026 am 12. November 2026, 09:30 Uhr
ADZINE CONNECT VIDEO ist die Fachkonferenz für digitale Video und (C)TV- Werbung im deutschsprachigen Markt. Hier treffen sich Marketing-Entscheider:innen, Medien, Technologiespezialisten und Branchenexpert:innen seit 2016 zum Business-Networking und den fachlichen Austausch. Jetzt anmelden!