Google zahlt 10 Millionen für Daten aus Airline-Insolvenz – zum KI-Training
19. August 2026 (apr)Spirit Airlines fliegt nicht mehr, doch der digitale Nachlass der insolventen Fluggesellschaft ist Google zehn Millionen Dollar wert. Der Tech-Konzern hat eine Auktion um einen umfangreichen Bestand interner Unternehmensdaten gewonnen. Google will das Material nach eigenen Angaben für die Weiterentwicklung seiner Produkte und KI-Modelle verwenden. Der Verkauf ist allerdings noch nicht abgeschlossen, wie Reuters berichtet. Ein US-Insolvenzgericht muss ihm zuerst zustimmen.
Was Google erwerben will, zeigt, welchen Wert interne Arbeitsabläufe für die Entwicklung von KI inzwischen haben. Zum Paket gehören laut Gerichtsunterlagen rund 100 Millionen E-Mails aus 80.000 Accounts, 500 Millionen Microsoft-Teams-Nachrichten, mehr als 17 Millionen One-Drive-Dateien und gut 20 Millionen Share-Point-Dateien. Hinzu kommen 516 Software-Repositories mit rund 30 Millionen Codezeilen sowie Daten aus Marketing, Finanzen, Revenue Management, Fraud, Produktivität und dem operativen Flugbetrieb.
Kundenprofile und Loyalty-Daten sind ausdrücklich vom Verkauf ausgenommen. Die übertragenen Bestände sollen zudem von personenbezogenen Informationen bereinigt werden. Der zweitplatzierte Bieter Mercor.io, ebenfalls ein Unternehmen aus dem KI-Umfeld, hatte laut Reuters 7,5 Millionen US-Dollar geboten.
Beschäftigtendaten sorgen für Widerstand
Ganz still und heimlich läuft der Verkauf allerdings nicht ab. Das zuständige Insolvenzgericht hat die ursprünglich für den 19. August angesetzte Anhörung auf den 9. September verschoben. Grund ist ein Einspruch der Gewerkschaft Association of Flight Attendants-CWA, die Beschäftigte von Spirit vertritt. Sie fordert zusätzliche Schutzmaßnahmen für Mitarbeiterdaten. Zwar sollen die Bestände “de-identifiziert” werden, Verknüpfungen zwischen verschiedenen Datensätzen sollen jedoch erhalten bleiben. Die Gewerkschaft befürchtet deshalb, dass sich Informationen über einzelne Personen oder kleine Gruppen rekonstruieren lassen könnten, sagt Reuters.
Interne Arbeitsabläufe werden zum KI-Rohstoff
Für KI-Entwickler sind solche Daten aus einem anderen Grund interessant als klassische Trainingsdaten aus dem Web. E-Mails, Chats, Support-Tickets, Code und interne Dokumente bilden ab, wie Menschen tatsächlich zusammenarbeiten, Entscheidungen treffen, Fehler beheben oder Unternehmenssoftware nutzen. Gerade für die Entwicklung von KI-Agenten sind solche Prozessdaten wertvoll.
Spirit Airlines ist dabei kein Einzelfall. Das US-Techmedium The Information berichtet, dass OpenAI, Anthropic und andere KI-Anbieter zunehmend nach eben solchen internen Daten gescheiterter Unternehmen suchen. Was nach einer Insolvenz früher kaum noch wirtschaftlichen Wert hatte, kann als Trainingsmaterial für KI-Modelle plötzlich wieder Käufer finden.
Welche Dimension der Hunger nach Trainingsmaterial inzwischen erreicht, zeigt eine Recherche des US-Mediums 404 Media. Die Redaktion versah ein seltenes Buch mit einem Tracker und verfolgte es bis zu einem Amazon-Gebäude in Las Vegas. Dort werden nach Angaben von Beschäftigten große Mengen gedruckter, seltener Bücher ihrer Bindung entledigt, eingescannt und letztlich zerstört, um die Texte für KI-Training nutzbar zu machen.