News-Publisher im Open Web haben es dieser Tage nicht leicht. Ihre Vermarktungsmodelle stehen seit Jahren unter Druck und der KI-Hype macht es nicht besser. Eine Auswertung der britischen Press Gazette auf Basis von Similarweb-Daten gestattet nun einen Blick in die Lage in den USA. Dort konnten von den 50 reichweitenstärksten News-Websites im Juli lediglich sechs mehr Besuche verbuchen als im Vorjahresmonat. Unter den Top 20 wächst sogar nur eine Plattform. Der Vorjahresvergleich macht deutlich, dass der Juli keinesfalls ein Ausreißer ist. Die Traffic-Einbrüche häufen sich. Schnüren die Plattformen dem Open Web die Luft ab?
An der Spitze der Rangliste steht weiterhin die New York Times mit 406,3 Millionen Visits im Juli. Allerdings entspricht das gegenüber dem Vorjahr einem Rückgang um 12 Prozent. Fox News folgt mit 222,1 Millionen Visits und einem Minus von 11 Prozent, CNN kommt mit 220,5 Millionen auf 32 Prozent weniger Besuche. Auch große Angebote wie USA Today (-22 Prozent), CNBC (-20 Prozent), Washington Post (-12 Prozent) und NPR (-21 Prozent) liegen deutlich unter dem Vorjahresniveau.
Substack als erfreuliche Ausnahme unter den Top 20
Mit 95,9 Millionen Visits erreicht Substack Platz acht und wächst gegenüber Juli 2025 um 27 Prozent. Die Plattform unterscheidet sich allerdings von klassischen Nachrichtenangeboten: Auf ihr veröffentlichen einzelne Autorinnen und Autoren sowie Medien ihre Newsletter und Blogs. Sie bündelt also selbst wiederum zahlreiche eigenständige Publikationen.
Über die gesamten Top 50 hinweg finden sich nur fünf weitere Angebote mit Wachstum. Al Jazeera verzeichnet mit 108 Prozent den größten Zuwachs auf 24 Millionen Visits. Press Gazette führt dies unter anderem auf die Nachrichtenlage im Nahen Osten zurück. Es folgen die Times of India mit plus 39 Prozent, The Hill mit 16 Prozent, The Atlantic mit 11 Prozent und The Daily Beast mit einem Prozent.
Besonders stark verliert Newsweek mit einem Minus von 77 Prozent. Business Insider kommt auf 27,1 Millionen Visits und liegt 49 Prozent unter dem Vorjahr. Die Daily Mail verliert 47 Prozent, Buzzfeed 36 Prozent und Axios 39 Prozent.
Ein Ranking mit Nostalgie und wenig Überraschungen
Auffällig ist auch die Zusammensetzung der Rangliste auf den Spitzenplätzen. Mit Yahoo Finance auf Platz vier, MSN auf Platz fünf und Google News auf Platz neun befinden sich mehrere Startseiten- und Aggregatoren unter den zehn meistbesuchten Domains. Inwiefern sie als News-Publisher durchgehen können, bleibt zweifelhaft.
Dahinter stehen viele etablierte Publisher, die bereits seit den frühen Jahren des Webs aktiv sind. So liegt die Huffpost auf 28, Buzzfeed auf 30 und der Business Insider auf 31. Neue Publisher-Marken finden sich in der Liste neben Substack kaum bis gar nicht.
Publisher suchen Erlöse abseits der Website
Kurzfristig sieht das Bild etwas freundlicher aus. Gegenüber Juni steigerten 40 der 50 Angebote ihren Traffic. Die Jahreswerte zeigen jedoch, wie schwer es vielen Publishern fällt, frühere Zugriffszahlen zu halten.
Die Press Gazette lässt den Business-Insider-CEO Christian Baesler zu Wort kommen, der erklärt, dass Traffic von Google, Facebook und anderen Plattformen für Medienunternehmen schwieriger zu monetarisieren sei. Der Business Insider wolle deshalb künftig auch Reichweiten außerhalb der eigenen Website stärker zu Geld machen. Damit steht weder die Publikation noch der US-Markt alleine da.
Die Zahlen liefern letztlich weiteren Stoff für die Debatte über die wirtschaftliche Zukunft des offenen Internets. Sinkender Website-Traffic setzt Publishern die Daumenschrauben an, direkte Nutzerbeziehungen und Erlösmodelle abseits der klassischen Werbevermarktung auszubauen.