Walmart baut sein Werbegeschäft weiter in Richtung Connected TV (CTV) aus. Der US-Händler will Vibe.co übernehmen, eine Self-Service-Plattform für CTV-Werbung. Das Unternehmen richtet sich vor allem an kleine und mittelgroße Werbetreibende, die Streaming-TV-Kampagnen ohne große Mediateams planen, aktivieren und messen wollen. Walmart nennt in der offiziellen Mitteilung keinen Kaufpreis. Das Wall Street Journal beziffert die Transaktion jedoch auf rund 1,4 Milliarden US-Dollar.
Die Übernahme ist ein weiteres Signal für die Verbindung von Retail Media und Connected TV. Walmart ergänzt sein Commerce-Media-Geschäft Walmart Connect um einen Self-Service-Zugang zu Streaming-Werbung. Laut offizieller Mitteilung soll Vibe.co mit Walmarts Commerce Audiences, Closed-Loop-Measurement und dem wachsenden Medienökosystem des Händlers zusammengeführt werden. Zu diesem Ökosystem zählt auch Vizio, der Smart-TV-Hersteller, den Walmart 2024 übernommen hat.
CTV wird an Commerce-Daten angebunden
Walmart beschreibt Vibe.co als Plattform für Self-Service-Aktivierung und Performance-Optimierung von CTV-Kampagnen, mit direkten Supply-Integrationen und eigener Werbetechnologie. Streaming-TV soll für Werbetreibende damit einfacher buchbar und messbarer werden. Laut Walmart sollen besonders kleinere und mittelgroße Unternehmen profitieren, darunter auch Händler auf dem Walmart-Marktplatz.
Das US-Branchenmagazin Adexchanger ordnet den Deal als Versuch ein, mehr SMB-Budgets in Streaming-TV zu holen. Diese Werbetreibenden müssen Kampagnenbudgets häufig stärker mit messbaren Ergebnissen begründen. Walmart bringt dafür eine Datengrundlage mit, die klassische CTV-Anbieter nur begrenzt abbilden können: Kauf-, Kunden- und Handelsdaten aus dem eigenen Retail-Ökosystem.
Der Wert von CTV entsteht in diesem Modell aus der Verbindung von Reichweite auf dem großen Bildschirm, Zielgruppenbildung und Commerce-Messung. Adexchanger beschreibt die Kombination aus Vibe.co, Vizio und Walmarts Retail-Datenbasis als Möglichkeit, Streaming-Kampagnen enger mit Shopper-Daten zu verknüpfen. Für Retail Media wird CTV dadurch zu einem Kanal, der nicht nur Aufmerksamkeit erzeugt, sondern näher an Kauf- und Messdaten angebunden werden kann.
Wettbewerb mit Amazon
Das europäische Tech-Magazin The Next Web sieht den Deal auch als Schritt im Wettbewerb mit Amazon Ads. Amazon hat aus seinen Handelsdaten ein großes Werbegeschäft aufgebaut und verbindet Retail Media ebenfalls zunehmend mit Video- und Streaming-Inventar. Walmart verfügt mit seinen stationären und digitalen Handelsdaten über eine eigene Ausgangsbasis. In der offiziellen Mitteilung verweist der Konzern auf einen Jahresumsatz von 713 Milliarden US-Dollar im Fiskaljahr 2026 und rund 280 Millionen wöchentliche Kunden und Mitglieder weltweit.
Für Walmart geht es also um den Aufbau einer Werbeinfrastruktur, in der Planung, Targeting, Aktivierung und Messung näher an Commerce-Daten rücken. Vibe.co liefert dafür einen Self-Service-Zugang zu Streaming-Werbung. Vizio bringt den Bezug zum TV-Ökosystem. Walmart Connect verbindet diese Bausteine mit Retail-Media-Daten und Commerce-Messung.
Umsetzung bleibt offen
Abgeschlossen ist die Übernahme allerdings noch nicht. Laut Walmart steht die Transaktion unter üblichen Vollzugsbedingungen, darunter die kartellrechtliche Wartefrist nach dem Hart-Scott-Rodino Act. Der Abschluss wird bis zum Ende des Fiskaljahres 2027 erwartet. Walmart geht davon aus, dass der Deal keine Auswirkungen auf die bisherige Umsatz- und Ergebnisprognose für das Fiskaljahr 2027 hat.
Offen bleibt, wie eng Vibe.co nach dem Closing in Walmart Connect integriert wird und wie bestehende Partnerbeziehungen weitergeführt werden. Walmart betont, dass Vibe.co weiter mit Broadcastern, Publishern, SSPs, Measurement-Anbietern und anderen Technologiepartnern zusammenarbeiten soll. Für den Markt zeigt der Deal dennoch klar, woran große Handelsunternehmen arbeiten. Wer Kaufdaten, Zielgruppen, Screens und Erfolgsmessung verbinden kann, gewinnt im Wettbewerb um Video- und Retail-Media-Budgets an Gewicht.
Hintergrund zu Vibe.co und Walmart Connect
Vibe.co wurde von Arthur Querou und Franck Tetzlaff gegründet und positioniert sich als Self-Service-Plattform für Performance-orientierte Streaming-TV-Werbung. Laut Walmart nutzen mehr als 10.000 Werbetreibende die Plattform. Nach Abschluss der Übernahme sollen Querou, Tetzlaff und das Vibe.co-Team zu Walmart Connect wechseln.
Walmart Connect ist das Commerce-Media-Geschäft des US-Händlers. Der Bereich wurde in den vergangenen Jahren ausgebaut, unter anderem durch Partnerschaften mit Magnite, Yahoo DSP und Google DV360 sowie durch die Übernahme von Vizio. Mit Vibe.co ergänzt Walmart diesen Stack um einen stärker auf Self-Service und Performance-CTV ausgerichteten Baustein.
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