Mobile Ad Fraud beeinflusst die Qualität der Daten, auf deren Basis Kampagnen laufen. Gefälschte Installs und manipulierte Nutzersignale können Kennzahlen verzerren und damit spätere Marketingentscheidungen beeinflussen. Der aktuelle Appsflyer-Report zeigt dieses Muster auch für Deutschland. Hierzulande verlagert sich der Betrug laut den Ergebnissen vor allem in Affiliate-Kanäle.
Die Gesamtwerte sind in Deutschland laut dem „State of Fraud for Marketers 2026“ zuletzt wieder gesunken. Nach einem deutlichen Ausschlag im zweiten Quartal 2025 erreichte die Fraud-Rate zwischenzeitlich 15,7 Prozent auf Android und 17,9 Prozent auf iOS. Bis zum ersten Quartal 2026 sank sie laut Appsflyer auf 10,5 Prozent auf Android und 8,7 Prozent auf iOS. Damit ist das Thema aber nicht erledigt. Die Betrugsmuster verlagern sich und mit ihnen die Risiken für Messung und Optimierung.
Fraud wird zum Datenproblem
Auffällig ist in Deutschland vor allem die Entwicklung in den Affiliate-Kanälen. Während Organic Fraud mit 10,5 Prozent nahezu stabil blieb, stieg Affiliate Fraud von 33,7 auf 40,2 Prozent. Damit teilt der deutsche Markt allerdings die exakt gleichen strukturellen Dynamiken mit anderen hoch entwickelten europäischen Werbe-Ökosystemen. Das Martech-Unternehmen sieht Deutschland in einer Gruppe reifer Werbemärkte, in denen besser kontrollierte Bereiche stabiler werden, während Fraud in weniger transparente Partner- und Vermittlerstrukturen ausweicht.
Affiliate-Setups laufen häufig über mehrere Zwischenstufen. Je mehr Partner, Netzwerke und Vermittler zwischen Advertiser und tatsächlicher Traffic-Quelle stehen, desto schwieriger wird die Kontrolle der Qualität. In solchen Strukturen können gefälschte Installationen oder manipulierte Signale länger unentdeckt bleiben.
Organischer Traffic verzerrt Benchmarks
Global beschreibt Appsflyer einen weiteren Befund. Organischer Traffic macht inzwischen 52 Prozent aller betrügerischen Installationen aus und ist damit der größte einzelne Fraud-Kanal. In der Messung von Appsflyer umfasst Organic alle Installs, die keiner bezahlten Quelle zugeordnet werden konnten. Dazu zählen unter anderem Web, Cross-Channel, Offline und nicht zuordenbare Kampagnenkontakte.
Der Schaden entsteht dort über die Vergleichsgröße. Organischer Traffic dient vielen Performance-Teams als interne Benchmark für Paid-Kampagnen. Wird diese Basis künstlich aufgebläht, verschieben sich Zielwerte und Optimierungsentscheidungen. So kann Fraud auch Kampagnen beeinflussen, bei denen zunächst kein Budget direkt an eine betrügerische Quelle fließt.
Gefälschte Nachweise im iOS-Fraud
Besonders deutlich fällt in Deutschland laut Report zudem der iOS-Befund aus. Während der Anteil von Store Validation Fraud global zuletzt zurückging, stieg er hierzulande von 66 auf 81 Prozent des erkannten iOS-Frauds. Dabei werden technische Installationsnachweise gefälscht oder manipuliert, um Installationen als legitim erscheinen zu lassen.
Die Ergebnisse stammen aus Anbieterperspektive, basieren aber auf einer großen Datengrundlage. Appsflyer wertete für den Report anonymisierte und aggregierte Daten von 246.000 Apps mit mindestens 1.000 Installationen im Analysezeitraum aus. Insgesamt umfasst die Analyse 106,4 Milliarden Installs und 55,3 Milliarden bezahlte Installs zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem ersten Quartal 2026.
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