Die AGF Next Gen Videostudie 2026 beleuchtet das Bewegtbild-Nutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Sie zeigt, dass über 85 Prozent der 1- bis 17-Jährigen täglich Bewegtbild konsumieren, wobei sich die Muster stark wandeln. Individualisierte Nutzung über Smartphones trifft dabei auf das weiterhin wichtige gemeinsame Fernseherlebnis in der Familie.
Die aktuelle Erhebung der AGF Videoforschung, durchgeführt von Kantar, bestätigt, dass Bewegtbildangebote – von linearem Fernsehen über Streaming bis hin zu Social Media – tief im Alltag von Kindern und Jugendlichen verankert sind. Mit 85,3 Prozent täglicher Nutzung erreicht Bewegtbild nahezu alle Altersgruppen, beginnend bereits im Vorschulalter. Die Studie, die erstmals Kinder ab einem Jahr einbezieht und auf 5.250 quantitativen Online-Befragungen sowie 24 qualitativen Interviews basiert, liefert repräsentative Einblicke in die Medienwelt der jungen Generation. Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der AGF Geschäftsführung, betont, dass Bewegtbild heute ein selbstverständlicher Teil der Lebenswelt ist, vergleichbar mit Schule oder Sport. Zugleich differenziert sich die Nutzung stark aus, und Eltern wirken als prägende Bezugsgröße für das Medienverhalten ihrer Kinder.
Individualisierung durch Smartphone und Streaming
Die Studie zeigt eine klare Verschiebung hin zu Streaming und Social Media für die selbstbestimmte Nutzung. Bereits im Grundschulalter entwickeln Kinder eine "Geräte-Kanal-Logik": Kurze Inhalte und soziale Medien werden bevorzugt auf Smartphones oder Tablets konsumiert, während längere Formate wie Filme und Serien auf dem Fernsehgerät geschaut werden. Das Smartphone entwickelt sich insbesondere ab dem Wechsel auf die weiterführende Schule zum persönlichen Leitgerät: Bei den 11- bis 13-Jährigen verfügen 84,3 Prozent über ein eigenes Smartphone, bei den 14- bis 17-Jährigen sind es sogar 91,2 Prozent. Mit zunehmendem Alter gewinnen Creator, Influencer und Gaming-Persönlichkeiten an Bedeutung und Bewegtbild dient Jugendlichen zunehmend der Orientierung, Inspiration und Identitätsbildung. Ab dem Schulalter wird Social Media unverzichtbar; Comedy- und Meme-Inhalte sind altersübergreifend beliebt, während genrespezifische Vorlieben wie Beauty und Fashion bei Mädchen (14-17 Jahre) oder Gaming und E-Sports bei Jungen (14-17 Jahre) dominieren. Interessanterweise ist die rein konsumierende Nutzung wesentlich verbreiteter als das aktive Posten eigener Inhalte. Ein generelles Social-Media-Verbot wird von 70,3 Prozent der Eltern befürwortet, die Studie verdeutlicht jedoch die tiefgreifende Integration dieser Plattformen in den Alltag älterer Kinder.
Das TV-Gerät als soziales Zentrum
Trotz der zunehmenden Individualisierung bleibt das gemeinsame Erleben von Bewegtbild ein essenzieller Bestandteil des Familienalltags. Das Fernsehgerät fungiert hierbei als wichtiges "Beziehungsmedium" und Treffpunkt für kollektive Erlebnisse. Besonders Film- und Serienabende, aber auch große Sportereignisse, werden bewusst als gemeinsame Momente gestaltet und mit Nähe und geteilten Erinnerungen verbunden. Der ausgeprägte "Lagerfeuer-Charakter" des linearen Fernsehprogramms zeigt sich darin, dass Eltern bei 83,5 Prozent der 3- bis 6-Jährigen immer oder oft dabei sind, wenn ihre Kinder fernsehen – ein Wert, der selbst bei den 14- bis 17-Jährigen noch bei 50,1 Prozent liegt. Während jüngere Kinder vertraute Figuren wie "Paw Patrol" oder "Peppa Pig" bevorzugen und auf Youtube oft TV-Inhalte konsumieren, nutzen Familien das TV-Gerät gezielt für bewusst gemeinsame Zeit, im Gegensatz zur individuellen Nutzung von Streaming und Social Media auf mobilen Geräten.
Die AGF Next Gen Videostudie 2026 unterstreicht die dynamische Rolle von Kindern und Jugendlichen als Vorreiter im Medienkonsum. Sie bietet der AGF eine wichtige empirische Grundlage zur Validierung und Weiterentwicklung ihrer Messinstrumente, um dem Markt auch zukünftig verlässliche Daten zur Bewegtbildnutzung liefern zu können.
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