Die WM: Der bisher größte Live-Test für Programmatic Advertising
Steffen Hopf, 11. Juni 2026Als eines der größten Sportereignisse der Welt wird die FIFA-Weltmeisterschaft gleichzeitig einer der bislang größten Tests für Live-Streaming und Programmatic Advertising sein. Das letzte Turnier hat das Ausmaß der Chance deutlich gemacht: Laut AGF Videoforschung verfolgten durchschnittlich 5,2 Millionen Zuschauende in Deutschland die WM-Spiele 2022 auf ARD und ZDF – das Finale zwischen Argentinien und Frankreich sahen allein auf Das Erste 13,9 Millionen Menschen. Weltweit interagierten rund fünf Milliarden Menschen auf verschiedenen Plattformen mit WM-Inhalten. Der diesjährige Wettbewerb fällt in eine Phase, in der Streaming weiterhin verändert, wie Zuschauerinnen und Zuschauer Live-Sport konsumieren – und Premium-Inventar in programmatische Kanäle voraussichtlich in einem noch nie dagewesenen Ausmaß einbringt.
Für Einkäufer liegt der Reiz auf der Hand: die Reichweite und emotionale Wirkung des Fernsehens kombiniert mit der vermeintlichen Präzision und Messbarkeit der digitalen Werbung. Live-Event-Streaming ist jedoch kein gewöhnlicher Videokanal. Es funktioniert anders, skaliert anders und erfordert ein anderes Denken.
Streaming-TV hat enorme Fortschritte gemacht, doch die Einfachheit des klassischen TV-Einkaufs lässt sich noch nicht vollständig replizieren. Fragmentierte Plattformen, inkonsistente Metadaten und unterschiedliche Ad-Pod-Strukturen erschweren Einkäufern den konsistenten Zugang zu Inventar in großem Maßstab. Branchenstandards wie OpenRTB 2.6 können helfen, diese Probleme durch reichhaltigere Signale zu Content, Ad-Möglichkeiten und Pod-Strukturen zu verringern – und Einkäufern mehr Transparenz über das Live-Seherlebnis geben, bevor sie bieten.
Live-Events fügen eine weitere Komplexitätsebene hinzu. Anders als On-Demand-Inhalte kommen die Zuschauer gleichzeitig, was zu plötzlichen Anstiegen bei Inventar, Wettbewerb und Preisen führt. Kampagnen müssen in Echtzeit reagieren können – denn Chancen, die während eines Live-Spiels entstehen, lassen sich im Nachhinein nicht replizieren.
Vier Wege, um mehr aus Live-Event-Streaming herauszuholen
Wenn das Turnier beginnt, haben die meisten Einkäufer bereits Kampagnen laufen. Während Live-Sport-Streaming in manchen Märkten wie den USA weiter fortgeschritten ist als in anderen, liefern Erfahrungen aus diesen Umfeldern wertvolle Lektionen. Die Chance besteht jetzt darin, sicherzustellen, dass Kampagnen so strukturiert sind, dass sie performen, wenn Zuschauerzahlen, Inventar und Nachfrage gleichzeitig ansteigen.
1) Garantierten Zugang priorisieren, wo möglich
Das wertvollste Live-Sport-Inventar ist stark umkämpft. Wo verfügbar, können Programmatic-Guaranteed-Deals helfen, Zugang zu Premium-Inventar vor wichtigen Spielen zu sichern und die Anfälligkeit für Auktionsvolatilität zu reduzieren. Sie bieten zudem mehr Planungssicherheit in Zeiten hoher Zuschauerzahlen.
Natürlich wird nicht jede Kampagne Zugang zu garantiertem Inventar haben. In diesen Fällen sollten Einkäufer bereit sein, ihre Strategie mit nicht-garantierten Einkaufsansätzen zu ergänzen.
2) Kampagnenstrukturen dediziert und einfach halten
Live-Events verhalten sich anders als Standard-Video-Kampagnen. Dedizierte Line Items für große Sportereignisse zu erstellen, kann Konflikte mit übergeordneten Kampagneneinstellungen, Pacing-Kontrollen oder Gebotseinschränkungen vermeiden.
Ebenso wichtig ist es, dem Drang zu widerstehen, das Targeting überzutechnisieren. Live-Sport-Inventar ist bereits hochgradig kuratiert und in der Menge begrenzt. Zu viele Audience-Filter können in den entscheidenden Momenten unbeabsichtigt die Reichweite reduzieren.
3) Barrieren für die Auslieferung entfernen
Viele Einkäufer optimieren Kampagnen monatelang auf Effizienz – nur um festzustellen, dass genau diese Kontrollen die Performance bei Live-Events einschränken.
Strenge CPM-Caps können die Wettbewerbsfähigkeit in Phasen hoher Nachfrage reduzieren. Konservative Pacing-Einstellungen können Kampagnen daran hindern, ausreichend auszuliefern, wenn die Zuschauerschaft anschwillt. In Live-Umgebungen ist Flexibilität oft wertvoller als Präzision.
4) Bereit sein, in Echtzeit zu optimieren
Vielleicht der größte Unterschied zwischen Live-Sport und anderen Formen digitaler Werbung ist, dass sich das Zuschauerverhalten schnell ändern kann.
Einkäufer sollten bereit sein, Budgets, Gebote und Prioritäten anzupassen, während das Turnier läuft. Frühzeitig während der Vor- und Nachberichterstattung aktiv zu werden, kann Kampagnenalgorithmen helfen, Signale zu sammeln, bevor die Nachfragespitzen einsetzen.
Die Vorbereitung der Werbemittel bleibt ebenso wichtig. Neue Creatives sollten getestet und freigegeben sein, bevor sie benötigt werden – um technische Probleme während Live-Spielen zu vermeiden, wenn die Chancen am wertvollsten sind.
Warum Sell-Side Decisioning zum Wettbewerbsvorteil werden könnte
Da Live-Sport-Inventar über Streaming-Plattformen zunehmend fragmentiert wird, stehen Einkäufer vor einer wachsenden Herausforderung: Wie lässt sich Premium-Inventar effizient erschließen und gleichzeitig die Kontrolle über die Kampagnenperformance aufrechterhalten?
Sell-Side Decisioning stößt hier auf wachsendes Interesse in der Branche. Während ein Großteil der Innovation und des Testens derzeit in reiferen Streaming-Märkten stattfindet, deuten erste Ergebnisse darauf hin, dass die Anwendung von Intelligenz näher an der Angebotsquelle effizientere Auktionen schaffen könnte – noch bevor Impressions den offenen Markt erreichen.
Durch die Nutzung von Signalen wie Content-Kontext, Audience Insights und Einkäuferpräferenzen könnten Supply-Side-Plattformen Einkäufern helfen, fragmentiertes Inventar effektiver zu navigieren. Mit der zunehmenden globalen Skalierung von Live-Streaming – insbesondere rund um große Sportereignisse – könnte dieser Ansatz potenziell Kampagnen-Pacing, Frequency Management und die gesamte Supply-Chain-Effizienz verbessern und gleichzeitig die operative Komplexität reduzieren. Die Voraussetzung dafür sind unter anderem entsprechende Datenqualität und Transparenz sowie die Interoperabilität zwischen den beteiligten Plattformen.
Was uns die WM über die Zukunft des Streamings sagt
Die Weltmeisterschaft zeigt, wie sich der Premium-Medienkonsum verändert. Streaming-TV prägt bereits maßgeblich, wie Zuschauerinnen und Zuschauer Medien nutzen – doch Live-Sport bleibt eine der wichtigsten Wachstumschancen. Mit der Verlagerung weiterer Premium-Rechte zu Streaming-Plattformen wird die Reichweite und kommerzielle Bedeutung von Live-Inventar weiter wachsen.
Für Einkäufer sind die Lektionen klar: Premium-Inventar sichern, wo möglich; Kampagnenstrukturen vereinfachen; Auslieferungsbarrieren entfernen; und bereit sein, in Echtzeit zu optimieren. Zunehmend wird Erfolg auch davon abhängen, zu verstehen, wie Angebot kuratiert wird und wie Entscheidungen getroffen werden, bevor eine Impression jemals den Bid Stream erreicht.
Die Marken, die bei dieser WM herausstechen, werden jene sein, die am besten darauf vorbereitet sind, Live-Momente zu nutzen, wenn Aufmerksamkeit, Engagement und Chancen zusammentreffen.
Tech Finder Unternehmen im Artikel
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