Aus vielen Jahren im Business Development und dem Aufbau von Ventures, Partnerschaften und neuen Initiativen habe ich eines immer wieder erlebt: Gute Partnerschaften können Business vorantreiben, Innovation ermöglichen und Synergien schaffen, die alleine oft nicht entstehen würden. Partnerschaft muss dabei nicht gleich einen großen Vertrag, ein Joint Venture oder ein Investment bedeuten. Manchmal beginnt sie mit einem Gespräch zwischen zwei Menschen beziehungsweise Unternehmen, die bisher nicht auf die Idee gekommen wären, ihre jeweiligen Herausforderungen und Möglichkeiten zusammenzubringen.
Die Advertising- und Digitalbranche befindet sich aktuell in einer herausfordernden Phase. Budgets stehen unter Druck, Prioritäten verschieben sich, Ressourcen sind nicht immer ausreichend vorhanden, neue Technologien und insbesondere der AI-Umbruch verändern Strukturen und Geschäftsmodelle. Entscheidungen dauern momentan länger. Und natürlich ist mir bewusst, dass Zeit, Budgets, und Aufmerksamkeit auf allen Seiten begrenzt sind.
Gleichzeitig begegne ich in meiner Arbeit immer wieder spannenden neuen Geschäftsideen, Startups und unternehmerischen Initiativen in Deutschland sowie auf internationaler Ebene. Viele dieser Vorhaben tragen dazu bei, das Open Web weiterzuentwickeln und neue Impulse für das Ökosystem zu schaffen. Dazu gehören Gründungen ebenso wie neue Ansätze aus Konzernen, dem Mittelstand oder etablierten Organisationen. Dahinter stehen Menschen, die viel Zeit, Energie und teilweise auch persönliches Risiko investieren, um ihre Ideen und Visionen in die Tat umzusetzen.
Etwa ein Startup, das Unternehmen hilft, Social-Media-Kommentare besser zu managen. Oder eine KI-basierte Lösung, die Medienunternehmen mit relevantem Content, besserer User-Interaktion oder Sichtbarkeit in der KI-Suche unterstützt. Oder eine Initiative, die Medienunternehmen – also auch Wettbewerber –, Agenturen, Werbungtreibende und Technologieunternehmen zusammenbringt, um gemeinsam Lösungen für ein stärkeres Open Web und weniger Fragmentierung zu entwickeln.
Wenn neue Ideen langsamer in den Markt finden
Dabei nehme ich wahr, dass die Traktion für viele dieser neuen Ansätze deutlich langsamer geworden ist. Nicht unbedingt, weil die Ideen schlechter geworden sind, sondern weil im Markt häufig weniger Zeit und Mittel für den Austausch mit neuen Lösungen und Anbietern zur Verfügung stehen.
Natürlich kann und muss man nicht jede neue Lösung sofort testen, einbinden oder kaufen. Manchmal überschneiden sich Geschäftsmodelle. Ein „Nein“ und auch eine Idee, die heute noch nicht funktioniert, gehören dazu. Offenes Feedback ist wichtig und hilft den Anbietern bei der Ausrichtung.
Auch ein Nein kann weiterhelfen
Genau hier liegt für mich ein wichtiger Punkt: Dialog hat auch dann einen Wert, wenn daraus nicht unmittelbar ein Deal entsteht.
Auf der einen Seite hilft Feedback Startups und Initiatoren, ihre Lösungen weiterzuentwickeln, Annahmen zu hinterfragen und besser zu verstehen, was der Markt tatsächlich braucht. Und auf der anderen Seite hilft der Austausch Unternehmen dabei, neue Entwicklungen frühzeitig wahrzunehmen, Erfahrungen zu sammeln und Impulse für die eigene strategische Ausrichtung mitzunehmen.
Was aus einem Gespräch entstehen kann
Ein Gespräch zwischen einem Advertiser und einem Startup kann beispielsweise dazu führen, dass aus einer vermeintlichen Produktidee ein ganz anderer Use Case entsteht. Eine Agentur kann einem Technologieanbieter zeigen, warum eine Lösung in der Praxis noch nicht funktioniert, und gleichzeitig erkennen, dass genau diese Lösung für einen einzelnen ihrer Kunden interessant sein könnte. Aus einem ersten Austausch kann ein Pilot entstehen, aus einem Intro eine Kooperation oder schlicht eine Erkenntnis, die beide Seiten weiterbringt.
Ich kenne das selbst aus dem Aufbau eines jungen Unternehmens: Erst durch ein Gespräch mit einem potenziellen Kunden entstand ein Use Case für einen ganz anderen Mediakanal und daraus entstanden dann die ersten Kunden für die Advertising-Plattform. Das hatten wir zu dem Zeitpunkt so noch gar nicht auf dem Schirm.
Was deshalb nicht passieren sollte: dass der Dialog einschläft.
Mein kleiner Weckruf: Bleibt im Austausch.
Nehmt euch, soweit es möglich ist, die Zeit für neue Ideen, Startups und Initiativen. Auch wenn es zunächst nur bei einem Intro-Meeting bleibt. Gebt ehrliches Feedback. Teilt Erfahrungen. Öffnet vielleicht auch einmal eine Tür, selbst wenn daraus nicht unmittelbar Business entsteht.
Vielleicht kennt ihr einen Kunden, für den die Idee relevanter ist. Vielleicht gibt es eine Kollegin, die genau an diesem Thema arbeitet. Vielleicht lässt sich ein kleiner Pilot aufsetzen, ein gemeinsamer Workshop organisieren oder eine Lösung zunächst in einem begrenzten Use Case testen. Und manchmal ist auch ein klares „Dafür sehe ich aktuell keinen Markt.“ sehr, sehr wertvoll.
Das hilft den Initiatoren. Es bringt mehr Bewegung in den Markt. Und es hilft auch einem selbst, am Puls der Zeit zu bleiben. Denn Innovation entsteht selten im Alleingang. Der Austausch zwischen Kunden, Dienstleistern, Technologieanbietern und anderen Teilnehmern eines Ökosystems kann neue Perspektiven eröffnen, Co-Creation ermöglichen, strategische Ausrichtungen hinterfragen und neue Lösungsansätze hervorbringen.
Interessant wird es an eben diesen Schnittstellen: Wenn eine Agentur einen neuen Ansatz nicht nur bewertet, sondern mit einem konkreten Kundenfall zusammenbringt. Wenn ein Advertiser seine tatsächliche Herausforderung mit einem Technologieanbieter teilt. Wenn ein Medienunternehmen einem jungen Venture Zugang zu Reichweite oder einem ersten Testfeld ermöglicht. Oder wenn zwei Anbieter feststellen, dass ihre Lösungen gemeinsam relevanter sind als jeweils für sich.
Bei Partnerschaften geht es nicht nur darum, Deals abzuschließen. Es geht darum, etwas in Bewegung zu bringen. Gerade in Zeiten des Wandels brauchen wir deshalb nicht weniger Dialog, sondern mehr davon.
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