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ADTECH

Taboola baut Werbenetzwerk für KI-Interfaces auf

19. Juni 2026 (apr)
Bild: Damian Ochrymowicz – Unsplash

Taboola öffnet die Werbeinfrastruktur seiner KI-Antwortmaschine “Deeper Dive” für externe Anbieter. Die Lösung war bisher vor allem als Werkzeug für Publisher gedacht. Nutzerinnen und Nutzer konnten auf Publisher-Seiten Fragen zu redaktionellen Inhalten stellen, weiterführende Artikel erhalten und innerhalb dieses Angebots auch Werbung sehen. Nun löst Taboola die Monetarisierung aus diesem Publisher-Kontext. Betreiber von KI-Assistenten, Chatbots und anderen dialogorientierten Anwendungen sollen die Werbetechnologie künftig nutzen können, um gesponserte Empfehlungen in ihren eigenen Antwort- und Chat-Umgebungen auszuspielen.

Im vergangenen Jahr wurde “Deeper Dive” als Versuch vorgestellt, Publishern eigene Gen-AI-Suchmaschinen an die Hand zu geben und damit Nutzungszeit sowie Vermarktung im eigenen Angebot zu halten. Nach Informationen von Digiday entsteht daraus ein Werbenetzwerk für LLMs, Chatbots, virtuelle Assistenten, Finanztools und andere dialogorientierte KI-Services.

Von Publisher-KI zu KI-Werbenetzwerk

Deeper Dive kombiniert große Sprachmodelle, Retrieval-Systeme und Taboolas Intent Graph. Die Aussteuerung soll an die konkrete Anfrage anknüpfen und erinnert an klassisches Search Advertising. Wer in einem Chatbot beispielsweise nach dem Kauf eines Eigenheims fragt, könnte eine gesponserte Empfehlung aus dem Bereich Immobilienfinanzierung erhalten. Taboola beschreibt KI-Antworten als High-Intent-Umfeld, ähnlich wie Suchanfragen. Digiday zufolge arbeitet Deeper Dive derzeit noch verstärkt mit Taboolas First-Party-Daten aus Publisher-Integrationen. Künftig soll die Aussteuerung in Richtung kontextueller und anfragebezogener Signale wandern.

Für die Generierung von Nachfrage nutzt Taboola seine Performance-Plattform Realize. Digiday nennt rund 20.000 Performance-Advertiser als Basis. Das Geschäftsmodell soll an Taboolas bestehende Performance-Vermarktung anknüpfen. Werbetreibende zahlen demnach auf CPC-Basis, die Erlöse werden mit den jeweiligen Partnern geteilt. Taboola-Chef Adam Singolda bezifferte den typischen Anteil für Taboola gegenüber Digiday auf rund 35 Prozent der Werbeausgaben. Etwa 65 Prozent gehen an Publisher oder Distributionspartner, wobei die Konditionen je nach Deal variieren können. Taboola verweist auf mehrere zehn Millionen KI-gestützte Antworten pro Monat für mehr als sieben Millionen Nutzer:innen.

Für Taboola ist die Öffnung ein Schritt über das klassische Publisher-Geschäft hinaus. Das Unternehmen verfügt über Integrationen bei Tausenden Publishern und leitet daraus eigene Interessen- und Intent-Signale ab. Diese Datenbasis soll nun auch in KI-Interfaces nutzbar werden. Damit positioniert sich Taboola als Werbe- und Monetarisierungspartner für Anbieter außerhalb der großen Plattformökosysteme.

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