Der US-Konzern Fox will den Streaming-Player Roku übernehmen und dringt damit weiter in den Connected-TV-Markt ein. Die Unternehmen haben sich auf einen Cash-and-Stock-Deal bei einer Bewertung von rund 22 Milliarden US-Dollar geeinigt. Der Abschluss wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet, sofern Aktionäre und Aufsichtsbehörden zustimmen. Für den Werbemarkt ist der Deal interessant, weil Fox damit sowohl zusätzliche Streaming-Reichweite als auch ein CTV-Betriebssystem, den TV-Homescreen, First-Party-Daten und eine etablierte Werbeplattform bekäme.
Roku erreicht nach Unternehmensangaben mehr als 100 Millionen Streaming-Haushalte weltweit und mehr als die Hälfte der US-Breitbandhaushalte. Fox bringt mit Tubi bereits einen großen werbefinanzierten Streaming-Dienst ein. Hinzu kommen Live-Inhalte aus Sport, News und Entertainment sowie der neue Streaming-Dienst Fox One. Inhalte, Oberfläche, Daten und Vermarktung lägen künftig in einem einzigen Unternehmen.
Zugang zum TV-Homescreen
Der Wert von Roku übersteigt für Fox also die durchaus beeindruckende Reichweite. Denn Roku sitzt mit seinem Betriebssystem auf einer Ebene, auf der die TV-Nutzung ihren Anfang nimmt. Nutzer:innen schalten das Gerät ein, sehen den Homescreen, wählen Apps aus und finden Inhalte. Das US-Branchenmedium Marketing Dive ordnet den Deal entsprechend als Zugriff auf das führende CTV-Betriebssystem in den USA und auf umfangreiche First-Party-Daten ein. Außerdem pikant ist, dass Fox und Roku demnach in den vergangenen zwölf Monaten zusammen rund neun Milliarden US-Dollar Werbeumsatz erzielt haben.
Für Werbungtreibende wird die Kombination interessant, weil Inventar, Daten und Zugang zusammenkommen. Fox verfügt über Inhalte und Tubi-Inventar, Roku über Nutzungsdaten, Homescreen-Flächen, The Roku Channel und programmatische CTV-Vermarktung. Das US-Magazin Adweek beschreibt den Deal deshalb als Verbindung von Fox’ Content-Portfolio mit Roku-Skala und First-Party-Daten aus Streaming-Haushalten.
Wem gehört dieser Zugang?
Mit der Übernahme kommt aber auch eine alte Plattformfrage im CTV-Markt wieder auf. Was passiert, wenn ein Content-Anbieter zugleich den Zugangspunkt zum Streaming kontrolliert? Das US-Nachrichtenportal Axios berichtet, dass in Übersee bereits Sorgen vor einem Distribution Bias laut werden. Gemeint ist die mögliche Bevorzugung eigener Inhalte auf einer Oberfläche, über die auch konkurrierende Streaming-Anbieter ihr Publikum erreichen wollen.
Fox und Roku betonen in ihrer Mitteilung, Roku werde weiterhin als offene und partnerfreundliche Plattform betrieben. Das ist aus Roku-Sicht auch naheliegend, denn die Plattform verdient an externen Streaming-Diensten, Abos und Werbeerlösen mit. Dennoch zeigt allein die Diskussion in den Medien, warum Betriebssysteme und Homescreens im CTV-Markt so wichtig geworden sind. Sie entscheiden mit darüber, welche Apps sichtbar sind, welche Inhalte empfohlen werden und wo Werbekontakte entstehen. Mit Roku würde Fox neben den Inhalten und Werbeinventaren also auch einen solchen zentralen Zugangspunkt zum Connected-TV-Markt erhalten.
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