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ADTECH

Appsflyer bringt Mobile-Attribution ins Web

29. Mai 2026 (apr)
Bild: Amith Nair – Unsplash

Customer Journeys verlaufen heute sprunghaft zwischen App, Mobile Web, Desktop und immer wieder innerhalb sowie außerhalb der dortigen Walled Gardens. Dies führt dazu, dass die Performance-Messung häufig in getrennten Systemen stattfindet. Der Martech-Spezialist Appsflyer will Web- und Mobile-Kampagnen nun über eine gemeinsame Messbasis zusammenführen. In diesem Sinne kündigte der Anbieter eine Lösung für Web Performance Measurement an.

Damit überträgt Appsflyer Teile seiner Mobile-Attribution auf den Web-Bereich. Web-Kampagnen sollen unabhängige Messpunkte, einheitliche Attribution und Optimierungssignale für Werbenetzwerke erhalten. Dazu zählen Web-Attribution, die Rückspielung von Conversion-Signalen, Creative-Auswertungen für Web und Mobile sowie eine gemeinsame Betrachtung von Kosten und Umsatz.

Der praktische Unterschied ist schnell erklärt. Das Mobile-Team optimiert auf Installationen oder In-App-Events, das Web-Team auf Website-Conversions. Wechselt ein Nutzer zwischen App, Mobile Web und Desktop, entsteht schnell ein verzerrtes Bild der Performance. Appsflyer will diese Signale stärker zusammenbringen, sodass Budgets und Optimierung weniger an einzelnen Kanalreports hängen.

Die gemeinsame Messbasis entsteht dabei innerhalb der eigenen Infrastruktur und der angebundenen Partner. Sie ersetzt keine marktweite Standardisierung, kann Advertisern aber eine konsistentere Grundlage im Appsflyer-Kosmos geben, um Web- und Mobile-Aktivitäten gemeinsam zu bewerten.

Anschluss an die Omnichannel-Strategie

Die Ankündigung knüpft an eine Entwicklung an, die Chief Business Officer Gal Ekstein bereits Ende 2025 im ADZINE-Interview beschrieben hatte. Ekstein verwies auf die Fragmentierung der Customer Journey über Web, Apps, CTV und Retail Media hinweg. Jede Plattform arbeite mit eigenen Identifikatoren und Datenschutzvorgaben. Daraus entstünden Messlücken, Doppelzählungen und isolierte Optimierung.

Das neue Measurement lässt sich als weiterer Baustein dieser Strategie lesen. Appsflyer weitet Attributionsfunktionen, Identity-Flows und datenschutzkonforme Verarbeitung, die ursprünglich stark auf Mobile ausgerichtet waren, auf weitere Plattformen aus.

Walled Gardens bleiben Messproblem

Ein wichtiger Teil der Lösung betrifft das Reporting über große Werbenetzwerke hinweg. Das Unternehmen spricht von erweiterter Attribution für Walled Gardens und einer konsistenten Messweise über die wichtigsten Plattformen. Dort liegt einer der wesentlichen Konflikte im Performance-Marketing. Denn Plattformen liefern eigene Reports, optimieren innerhalb ihrer Umgebungen und bewerten Kampagnenerfolg häufig aus ihrer Perspektive.

Eine unabhängige Messgrundlage soll helfen, diese Sichtweisen zusammenzuführen. Entscheidend bleibt jedoch die Qualität der Signale. So hatte Ekstein hatte bereits betont, dass mehr Daten nicht automatisch bessere Erkenntnisse liefern. Wichtig seien Datenhygiene, Standardisierung, Betrugserkennung und Signalqualität.

Attribution soll zum Steuerungsinstrument werden

Measurement wandelt sich zunehmend vom Reporting-Instrument in Richtung eines Werkzeugs für die Kampagnensteuerung. Conversion-Signale sollen in Echtzeit an Werbenetzwerke zurückgespielt werden und direkt in die Optimierung einfließen. Attribution wird dadurch zu einer operativen Grundlage für Buying-Technologie.

Barak Witkowski, Chief Product Officer bei Appsflyer, beschreibt die Lücke zwischen Web und Mobile entsprechend als Performance-Problem. Wenn beide Bereiche auf getrennten Messsystemen basierten, würden einzelne Kanäle isoliert optimiert. Ganz gelöst ist das Thema damit allerdings nicht. Omnichannel-Messung bleibt abhängig von sauberen Signalen, ausreichender Datenbasis, Datenschutzvorgaben und belastbaren Matching-Ansätzen. Der Launch zeigt aber, wohin sich der Markt bewegt. Performance-Messung versucht sich stärker an der tatsächlichen Customer Journey über Grenzen einzelner Plattformen hinweg zu orientieren.

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