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MEDIA

Der große Irrtum in der Mediaplanung

Tim Rottländer, 3. November 2026
Bild: Todd Trapani – Unsplash | bearbeitet mit KI (ChatGPT) Leitmedien als Leuchttürme der Orientierung?

Wer heute über Mediaplanung spricht, spricht oft zuerst über Reichweite, Automatisierung und Performance. Zu selten aber über die eigentliche Frage: Wie soll eine Marke überhaupt wirken? Gerade in einer Öffentlichkeit, die von Feed-Logik, Zuspitzung und immer mehr auch von Falschinformation geprägt ist, wird der Kontext zum Gamechanger. Genau deshalb ist es Zeit, einen alten Denkfehler der Werbewelt zu korrigieren: News-Umfelder sind kein grundsätzliches Risiko in Sachen Brand Safety.

Faktenbasierte Berichterstattung und Orientierung sind kein Makel

Über Jahre hat sich im Markt die Gewohnheit etabliert, die Gattung “News” mit Vorsicht zu betrachten oder direkt auf die Brand-Safety-Blacklist zu setzen. Dahinter steckt die verkürzte Annahme, dass dort, wo über Konflikte, Politik oder gesellschaftliche Spannungen berichtet wird, negative Markenwirkung entstehen könne. Diese Sichtweise ist im Grundsatz falsch.

Denn sie verwechselt Bad News mit objektiver Berichterstattung und Aufklärung. Journalistische Medienmarken genießen Vertrauen, gerade weil sie Realität einordnen, Orientierung geben und Fakten von Meinung trennen. Menschen nutzen Qualitätsmedien nicht trotz der Krisen dieser Welt, sondern wegen ihrer verlässlichen Einordnung.

Wer News-Umfelder also als Risiko betrachtet, begeht einen Denkfehler und verkennt ihren eigentlichen Wert: Gerade Deutschlands unabhängige Leitmedien sind Leuchttürme der Orientierung und wichtige Vertrauensumfelder.

News is different

News ist anders. Ja, anders als der endlose Strom austauschbarer, hysterischer und algorithmusbedingt einseitiger Social-Inhalte. Anders als Umfelder, in denen Kontext sekundär und Reibung primär ist. Anders als eine digitale Aufmerksamkeitsökonomie, die aus jeder Nuance einen Trigger und aus jeder Überschrift einen Reflex machen will.

News-Umfelder leisten etwas, das viele andere Plattformen gerade verlieren: Sie filtern das Wichtige vom Unwichtigen, sind sozusagen Sommeliers der Relevanz. Sie bündeln Aufmerksamkeit nicht über Lautstärke, sondern über Bedeutung. Sie schaffen einen Rahmen, in dem Informationen verarbeitet und für die persönliche Entwicklung genutzt werden. Für Marken ist das ein fundamentaler Unterschied. Werbewirkung entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern dort, wo Menschen aufnahmebereit sind und Informationen zu einer eigenen Meinung zusammenfügen.

Der neue Safespace für Relevanz und Wirkung

Wir sprechen von einem Umfeld, in dem Wahrheit und Fakten noch unverzichtbare Werte sind. In einer digitalen Landschaft des Doomscrollings und Kontextverlusts werden journalistische Premium-Umfelder zur Gegenwelt: zu Orten der Orientierung, Einordnung und ernsthaften Rezeption. Einfach gesagt: News ist der neue Safespace für Relevanz und Wirkung.

Werbewirkung ist keine Behauptung, sondern belegbar

Diese Einschätzung ist nicht bloß ein schönes Narrativ für Publisher und Vermarkter. Sie lässt sich belegen. Die “Reputation Impact Studie” aus 2024 von Schramm, Meitz & Partners im Auftrag der IQ Digital, IQ Media und Republic sowie die daran anknüpfende RISE-Studie aus 2026, die kürzlich von der Horizont ausgezeichnet wurde, zeigen sehr klar, dass die Reputation qualitativ hochwertiger News-Umfelder wie Handelsblatt, Spiegel, Süddeutsche Zeitung, FAZ und die Zeit zur Werbewirkung beiträgt. Bereits die “Reputation Impact Studie” belegte eine 20 Prozent höhere Werbewirkung („Attitude toward the Ad“) in den oben genannten Qualitätsumfeldern im Vergleich zum Wettbewerb. Die neuen RISE-Erkenntnisse zeigen darüber hinaus, dass sich Wirkung über den Verlauf einer Kampagne sogar weiter aufbaut, statt zu verpuffen. Die positive Einstellung zur Werbeanzeige steigert sich nach vier Kontakten um bis zu 17 Prozent.

Wirkung steigert sich also mit jedem Kontakt, wenn Rezeption, Reputation, Vertrauen und Kontext zusammenspielen. Und genau das leisten hochwertige News-Umfelder.

Der Markt muss jetzt umdenken

Qualitätsmedien bieten den Gegenentwurf zu immer schnelleren, fragmentierteren und auf Kurzreaktionen getrimmten Umfeldern. Nicht als nostalgische Antwort auf die Plattformökonomie, sondern als moderne, belastbare Wirkungsumfelder. Die Gattung “News” muss raus aus dem defensiven Rechtfertigungsmodus und hinein in ein selbstbewusstes Wirkungsnarrativ. Sie muss als aktiver Wertschöpfungsraum verstanden werden.

Wir als Branche sollten uns freimachen von reinen Klicks und Performance-KPIs, wir brauchen ein KPI-Framework, das nachhaltige Wirkung miteinbezieht. Wir sollten nicht immer weiter nach Automation und Convenience gieren, sondern wieder Freude und Energie in kundenindividuelle Ideen investieren. Wir sollten unseren Job machen. Ein Job, in dem wir Verantwortung und Wirkung miteinander verknüpfen.

Vielleicht ist genau jetzt der Moment, in dem der Markt begreifen muss: In einer toxischen und zunehmend postfaktischen Medienwelt ist “News” nicht das Problem. “News” ist ein Gegengift und Teil der Lösung für ein besseres, nachhaltigeres Marketing.

Tech Finder Unternehmen im Artikel

Bild Tim Rottländer Über den Autor/die Autorin:

Tim Rottländer ist CCO bei iq digital. Der Vermarkter steht für daten- und wirkungsbasierte Angebote und Konzepte im Umfeld der führenden deutschen Medienmarken. Rottländer startete seine Karriere nach einem Volontariat bei der Kölner Agentur Zink und Kraemer sowie einer Hospitanz in der Kommunikationsabteilung des DFB als Texter bei den Wunderknaben. Nach seiner Station als Content Director bei Ogilvy & Mather führte ihn der Weg 2017 zur iq digital, wo er seitdem den Ausbau des Konzept-Bereichs sowie die Markenpositionierung des Vermarkters vorantreibt.

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