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AFFILIATE MARKETING

AI Contribution: Wie KI die Content-Attribution verändert

Markus Kellermann, 1. Oktober 2026
Bild: Alan Aprilio – Unsplash

Google testet erstmals direkte Vergütungen für Publisher, deren Inhalte KI‑Antworten in Gemini, AI Overviews oder AI Mode beeinflussen. Parallel entsteht mit Open Attribution ein offener Standard, der genau diesen Einfluss technisch messbar machen soll. Google beschäftigt sich damit vor allem mit der Frage, wie Content vergütet werden kann. Open Attribution mit der Frage, wie sich sein Beitrag überhaupt belastbar nachweisen lässt. Für Affiliate Marketing und Content Commerce sind beide Entwicklungen deshalb eng miteinander verbunden.

Der Klick reicht als Währung nicht mehr aus

Affiliate Marketing war technisch lange vergleichsweise einfach. Ein Publisher erzeugt Aufmerksamkeit, der Nutzer klickt auf einen Affiliate-Link und bei einer Conversion erhält der Publisher eine Provision. Der Klick bleibt in vielen Systemen das zentrale Bindeglied.

Generative KI verändert diese Logik. Bei Google AI Overviews, AI Mode, Gemini, ChatGPT oder Perplexity kann ein Nutzer große Teile seiner Recherche innerhalb der Plattform abschließen. Die KI aggregiert Quellen und erzeugt daraus eine Antwort. Für Publisher entsteht dadurch ein blinder Fleck: Ihr Content kann die Kaufentscheidung beeinflussen, ohne dass ein messbarer Besuch stattfindet. Klassische Attribution sieht diesen Beitrag nicht.

Google führt mit Contribution eine neue Wertstufe ein

Genau hier wird Googles neuer AI-Contribution-Pilot interessant. Google experimentiert mit einem Modell, bei dem Publisher vergütet werden können, wenn ihre Inhalte einen substanziellen Beitrag zu einer KI-Antwort leisten. Ein Klick ist dafür nicht zwingend notwendig.

Damit entsteht eine neue Ebene zwischen Content-Nutzung und Conversion: Contribution. Ein Content-Asset kann von einem Modell verarbeitet und zur Antwortgenerierung genutzt werden, ohne als sichtbare Quelle aufzutauchen. Für Publisher ist das relevant, weil diese Nutzung in klassischen Analytics-Systemen unsichtbar bleibt.

Der entscheidende Punkt: Das Google-Modell ist proprietär. Google erkennt die Nutzung, bewertet den Beitrag und entscheidet über die Vergütung. Für Publisher entsteht damit zwar erstmals ein möglicher Erlös jenseits des Klicks. Wie Nutzung, Einfluss und Wert konkret bestimmt werden, bleibt jedoch weitgehend intransparent.

Open Attribution setzt an derselben Schwachstelle an, aber anders

An dieser Stelle kommt Open Attribution ins Spiel. Die Initiative ist kein weiteres Vergütungsprogramm eines Plattformanbieters, sondern ein offener technischer Ansatz zur Messung von Content-Einfluss in KI-gestützten Journeys.

Der Unterschied zu Google ist grundlegend. Während Google innerhalb seines eigenen Ökosystems entscheidet, wann ein Content-Beitrag vergütungswürdig ist, will Open Attribution einen Standard schaffen, der über verschiedene KI-Systeme, Publisher, Händler und Plattformen hinweg funktionieren kann. Voraussetzung für eine wirklich plattformübergreifende Attribution ist allerdings, dass auch die jeweiligen KI-Anbieter entsprechende Signale bereitstellen und den Standard unterstützen. Ohne diese Mitwirkung lässt sich der Einfluss von Content entlang der gesamten KI-Journey nur teilweise nachvollziehen.

Open Attribution definiert dabei nicht, wie viel ein Publisher bekommen soll. Die Initiative versucht zunächst, technisch nachvollziehbar zu machen, welcher Content in welchem Schritt einer KI-Journey eine Rolle gespielt hat.

Retrieval, Grounding und Citation sind nicht dasselbe

Dafür unterscheidet der Content-Telemetry-Ansatz verschiedene Signale. Retrieval bedeutet, dass ein KI-System einen Inhalt abruft oder berücksichtigt. Grounding geht weiter: Ein Inhalt wird in den Kontext des Modells eingebunden und kann damit die Antwort prägen. Eine Citation bedeutet wiederum, dass eine Quelle explizit genannt oder verlinkt wird.

Diese Signale sind nicht identisch. Ein Vergleichsportal kann beispielsweise feststellen, dass Kaffeemaschine A besonders für kleine Küchen geeignet ist. Ein KI-Agent übernimmt diese Erkenntnis, nennt als sichtbare Quelle aber einen Händler. Für klassische Attribution existiert das Vergleichsportal in dieser Journey möglicherweise gar nicht. Inhaltlich war es trotzdem relevant.

Vom letzten Klick zur Contribution-Attribution

Open Attribution versucht deshalb, mehrere Stufen der KI‑Content-Nutzung abzubilden. Dazu gehören Abruf, Grounding, Citation, Präsentation und Interaktion. Relevant sind auch sogenannte Context Tokens. Sie sollen ermöglichen, eine spätere Nutzerinteraktion oder Transaktion mit einer vorherigen KI-Session zu verbinden.

Für Affiliate Marketing wäre das zunächst ein wichtiger Schritt, weil damit genauer erfasst werden könnte, wie Publisher Content innerhalb einer KI-Journey genutzt wurde. Sichtbar würde also nicht nur ein direkter Referral, sondern auch, ob Inhalte zuvor abgerufen, verarbeitet, zitiert oder präsentiert wurden. Die durchgängige Verbindung dieser Signale bis zu einer späteren Conversion ist dagegen noch kein etablierter Standard. Perspektivisch könnte daraus jedoch eine Form von Contribution-Attribution entstehen, bei der nicht nur der letzte Klick, sondern auch frühere Content-Beiträge berücksichtigt werden.

Neue Vergütungsmodelle werden denkbar

Wenn der technische Nachweis gelingt, entstehen neue Möglichkeiten für die Publisher-Vergütung. Denkbar wäre eine Vergütung pro qualifiziertem Grounding. Bezahlt würde also nicht jeder Abruf, sondern nur die tatsächliche Nutzung eines Inhalts im Antwortkontext. Auch Citation-basierte oder hybride Modelle wären möglich.

Ein Publisher könnte beispielsweise eine geringe Vergütung für Contribution erhalten und zusätzlich eine klassische CPO-Provision, wenn aus der späteren Journey eine Transaktion entsteht. Auch Revenue-Sharing-Modelle sind denkbar, wenn ein KI-Agent den Kauf direkt abschließt.

Damit entstehen neue Fragen: Wie stark muss ein Content-Asset eine Antwort beeinflussen? Wie werden mehrere Quellen gewichtet? Wie verhindert man Manipulation? Und wer legt den Wert eines Groundings fest?

Affiliate-Netzwerke könnten eine neue Rolle bekommen

Für Affiliate-Netzwerke, Tracking-Anbieter und Agenturen eröffnet diese Entwicklung ein neues Feld. Ihre Aufgabe könnte künftig nicht mehr nur darin bestehen, Klicks und Conversions miteinander zu verbinden. Sie könnten zu neutralen Vermittlern zwischen Publishern, KI‑Plattformen und Advertisern werden.

Dafür müssten Tracking-Systeme erweitert werden. Neben Klick- und Transaction IDs wären künftig möglicherweise Session-IDs, Content-IDs, Agent-Events und Contribution-Signale relevant. Auch die Vergütungslogik müsste flexibler werden. Ein reines Last-Click-Modell passt kaum zu einer Agentic Commerce Journey.

Google und Open Attribution adressieren damit unterschiedliche Ebenen desselben Problems. Google experimentiert mit einem Geschäftsmodell, bei dem der Einfluss von Content auf KI-Antworten vergütet werden kann. Open Attribution entwickelt dagegen die technische Infrastruktur, um solche Content-Beiträge überhaupt transparenter und standardisiert erfassen zu können. Das eine betrifft also die Monetarisierung, das andere die Messbarkeit.

Messbarkeit als Grundlage neuer Vergütungsmodelle

Google AI Contribution sorgt für Aufmerksamkeit. Noch wichtiger als die Höhe möglicher Zahlungen ist aber die Entwicklung dahinter. Neu ist weniger der Versuch, wirtschaftlichen Einfluss jenseits des klassischen Klicks abzubilden. Das leisten Attributionsmodelle wie MTA oder MMM seit Jahren auf unterschiedliche Weise. Neu ist vielmehr, die konkrete Nutzung von Content innerhalb generativer KI-Systeme sichtbar zu machen.

Für Affiliate Marketing könnte darin die größte Chance liegen. Die Branche verfügt über ausgefeilte Transaktionsmodelle, hatte aber immer Schwierigkeiten, frühen Content-Einfluss angemessen abzubilden. Wenn Retrieval, Grounding, Citations und Conversions künftig technisch miteinander verbunden werden können, verändert sich nicht nur das Tracking. Es verändert sich die Definition von Performance.

Dann zählt nicht mehr allein, wer den letzten Klick geliefert hat. Sondern wer die Entscheidung möglich gemacht hat.

Bild Markus Kellermann Über den Autor/die Autorin:

Markus Kellermann ist Chief Marketing Officer (CMO) der Digital-Agenturgruppe MAI Group und gilt als einer der profiliertesten Pioniere des deutschen Digital- und Affiliate-Marketings. Bereits seit 1999 prägt er die Branche aktiv. Vor seiner Rolle als CMO gründete er die Augsburger Digital-Marketing-Agentur xpose360 (heute MAI xpose360). Als regelmäßiger Fachautor, Keynote-Speaker und Podcaster teilt er sein Wissen zu den Themen künstliche Intelligenz im E-Commerce, Tracking-Zukunft und Performance-Marketing.

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