Apple hat erstmals ausführlicher erklärt, was hinter den neuen Sperren in Safari steckt. Der Konzern will damit sogenannte Identity Resolution aufs Korn nehmen, mit der Anbieter Nutzer:innen auch ohne Third-Party-Cookies über Websites und Geräte hinweg wiedererkennen. Safari und Webkit blockieren entsprechende Netzwerkzugriffe auf Domain-Ebene inzwischen geräteübergreifend. Damit bestätigt Apple auch offiziell, dass die Maßnahmen nicht nur auf mobile Geräte beschränkt sind.
Bereits Anfang Oktober erschienen die ersten Berichte über die Webkit-Sperren. Zu der Zeit waren unter anderem The Trade Desk sowie mehrere Identity-Anbieter betroffen. Unklar blieb allerdings, nach welchen Kriterien Apple Domains blockiert und wie weit der Mechanismus reicht. Der nun veröffentlichte Webkit-Beitrag liefert zumindest für die grundsätzliche Ausrichtung eine Antwort.
Apple sieht Identity Resolution als Post-Cookie-Tracking
Apple beschreibt Identity Resolution als eine Methode, bei der Drittanbieter beispielsweise E-Mail-Adressen verarbeiten, die Nutzer:innen beim Login oder bei einer Newsletter-Anmeldung eingeben. Daraus entsteht eine dauerhafte ID, die später für Wiedererkennung, Profilbildung oder Targeting über mehrere Websites hinweg genutzt werden kann. Auch Telefonnummern nennt Webkit als mögliches dauerhaftes Identifikationsmerkmal.
Aus Sicht von Apple ersetzt diese Infrastruktur damit einen Teil der Tracking-Funktion, die früher Third-Party-Cookies übernommen haben. Das Unternehmen ordnet Identity Resolution in der Folge ausdrücklich als Cross-Site- und potenziell auch als Cross-Device-Tracking ein. Der Webkit-Beitrag unterscheidet dabei nicht zwischen einzelnen technischen Ansätzen oder Anbietern.
Auch getrennte First-Party-Graphen schützen Identity-Anbieter aus Apples Sicht nicht automatisch vor der Einstufung als Tracking-Infrastruktur. Ein zentraler Dienstleister könne weiterhin Daten verschiedener Parteien und Geräte zusammenführen und Matching-Funktionen übernehmen, die ein einzelner Publisher oder Werbetreibender selbst nicht besitzt. First-Party-Personalisierung durch die Website selbst will Webkit dagegen ausdrücklich nicht unterbinden.
Sperre erfolgt auf Domain-Ebene
Safari und Webkit blockieren den Netzwerkzugriff zu entsprechender Identity-Resolution-Infrastruktur direkt auf Domain-Ebene. Apple begründet diesen Ansatz damit, dass Anbieter die Schutzmaßnahme dadurch nicht einfach über eine veränderte Struktur ihrer Requests umgehen können. Webkit bestätigt diese Blockade nun ausdrücklich für iOS, iPadOS, macOS und visionOS 27. Damit ist auch die Gerätefrage geklärt, die Anfang Oktober noch offen war – die Sperren betreffen neben iPhones und iPads also auch Macs.
Welche Unternehmen Apple konkret als Identity-Resolution-Infrastruktur einstuft, verrät der Beitrag auf dem hauseigenen Blog allerdings nicht. Auch eine vollständige Domainliste veröffentlicht Webkit nicht. Angaben dazu, wie groß die Liste ist, nach welchen Kriterien Domains aufgenommen oder entfernt werden und ob die Sperrliste ohne Betriebssystem-Update aktualisiert werden kann, fehlen ebenfalls.
Nicht nur Identity-Anbieter betroffen
Die Blockaden haben aber nicht nur Auswirkungen auf die Anbieter von Identity-Lösungen, wie Anthony Katsur, CEO des IAB Tech Lab, klarstellt. Er warnt in einem Beitrag auf Linkedin vor möglichen Folgen für Publisher. Einschränkungen bei adressierbarer Nachfrage, Messung und Attribution könnten es aus seiner Sicht schwieriger machen, Zielgruppen zu monetarisieren und den Beitrag von Werbung gegenüber Werbetreibenden nachzuweisen. Besonders kleinere Publisher könnten bei der Umstellung auf alternative Messmethoden stärker unter Druck geraten.
Dass Tracking-Schutz Nebenwirkungen auf das werbefinanzierte Web haben kann, räumt Webkit übrigens selbst ein. In seiner Tracking Prevention Policy stehen unter anderem die Finanzierung von Websites durch personalisierte Werbung, die Messung von Werbewirkung sowie Audience Measurement als Bereiche, die unbeabsichtigt beeinträchtigt werden können. Bei Zielkonflikten will Webkit nach eigener Aussage dennoch den Nutzen für die Nutzer:innen höher gewichten als bestehende Praktiken im Web.
Viele Fragen zur Sperrliste bleiben offen
Mit seinem Blogbeitrag beantwortet Apple also zwar die Frage, welche Art von Infrastruktur Webkit blockieren will, doch bleibt die praktische Umsetzung für den Werbemarkt nur teilweise transparent. Im September waren unter anderem Domains von Unified ID 2.0, ID5, Liveramp, Permutive und Audigent aufgetaucht. Besonders viel Wirbel verursachte die Sperre von adsrvr.org, einer Domain von The Trade Desk für Ad Requests und Ad-Auslieferung. Dieser Fall wurde nach einem Webkit-Update inzwischen behoben und gilt als gelöst.
Der Tenor bleibt dennoch derselbe. Apple beschreibt Identity Resolution nun offen als Tracking-Technologie, gegen die Webkit aktiv vorgehen will. Für Anbieter von Identity-Lösungen, Publisher und Werbetreibende wird damit klarer, dass die bisherigen Sperren kein bloßer technischer Nebeneffekt waren. Offen bleibt weiterhin, wo Apple die Grenze zwischen zulässiger First-Party-Nutzung und blockierter Identity-Infrastruktur im Einzelfall zieht.
EVENT-TIPP ADZINE Live - ADZINE CONNECT VIDEO 2026 am 12. November 2026, 09:30 Uhr
ADZINE CONNECT VIDEO ist die Fachkonferenz für digitale Video und (C)TV- Werbung im deutschsprachigen Markt. Hier treffen sich Marketing-Entscheider:innen, Medien, Technologiespezialisten und Branchenexpert:innen seit 2016 zum Business-Networking und den fachlichen Austausch. Jetzt anmelden!