Der Berliner Measurement-Spezialist Pyure übernimmt das ebenfalls in der Hauptstadt ansässige Klima&so. Damit erweitert Pyure seine Emissionsmessung im Marketing um organische Social-Media-Aktivitäten, Creator Content und Streams. Das Berechnungsmodell des Neuzugangs wird in die eigene Sustainability-Suite integriert. Zum Kaufpreis machen die Unternehmen keine Angaben.
Pyure konnte bislang bereits Emissionen aus Paid-Social-Kampagnen erfassen. Klima&so ergänzt nun jene organischen Bereiche, die bisher nicht abgedeckt waren. Die Marke Klima&so wurde ebenfalls übernommen und soll vorerst bestehen bleiben. Für Pyure ist dies die erste Übernahme.
Social-Media-Modell ergänzt breite Media-Messung
Klima&so wurde 2022 in Berlin von Jean-Paul Laue und Patrick Schnitzler gegründet und ohne externes Kapital aufgebaut. Das Unternehmen hat ein Modell entwickelt, das die CO2-Emissionen von Social-Media-Accounts, Kampagnen und Content berechnet. Nach Unternehmensangaben arbeitet das Modell mit 242 Variablen und wurde mit externer wissenschaftlicher Expertise entwickelt. Der Deutsche Nachhaltigkeitspreis führt Klima&so als Sieger des Jahres 2025 in der Kategorie „Werbung und PR“. Ausgezeichnet wurde insbesondere das Modell zur Berechnung von Social-Media-Emissionen.
Laue und Schnitzler bleiben Pyure als Advisors verbunden und sollen Integration und Weiterentwicklung begleiten. Entlassungen sind nach Angaben der Unternehmen nicht geplant.
Nachhaltigkeit als Media-Effizienzthema
Pyure wurde 2024 in Berlin gegründet und entwickelt Lösungen zur Messung und Reduktion von CO2-Emissionen im Marketing. Die Plattform deckt inzwischen unter anderem TV, CTV, Online, DOOH, OOH und Print ab. Pyure verbindet Emissionsanalysen mit Optimierungsempfehlungen und bietet sowohl betreute Analysen als auch eine Self-Service-Plattform an.
Technologisch setzt das Unternehmen auf aktivitätsbasierte Berechnungen. Dabei werden nicht nur Mediakosten betrachtet, sondern konkrete technische Parameter wie Format, Datengewicht, Endgerät, Verbindung oder Ausspielung einbezogen. Die Emissionswerte sollen mit klassischen Media-Kennzahlen verbunden und Optimierungspotenziale im laufenden Kampagnenbetrieb sichtbar gemacht werden. Details erläuterte Pyure-COO Corinna Heßler jüngst im ADZINE-Interview. Auch CEO Francois Roloff hatte gegenüber ADZINE bereits betont, Nachhaltigkeit stärker als Media-Effizienz-Thema zu verstehen und Emissionskennzahlen mit Reichweite, Klicks oder Attention zu verknüpfen.
Der nationale Deal ist besonders im internationalen Vergleich interessant. So stellt zum Beispiel das New Yorker Scope3, ursprünglich klar über CO2-Messung im Advertising positioniert, inzwischen Agentic ins Zentrum seiner Produktpalette und trennte sich im Juni vom 2024 übernommenen Verification-Anbieter Adloox. Andere US-Spezialisten wie Cedara halten dagegen an Emissionsmessung als Kerngeschäft fest. Derweil hat die Trump-Regierung in den USA zahlreiche Klima- und ESG-Vorgaben zurückgedreht. Nachhaltigkeit scheint in Übersee aus dem Fokus zu geraten.
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