Die norwegische Datenschutzbehörde Datatilsynet hat ein Bußgeld gegen Microsofts Adtech-Einheit Xandr verhängt. Dabei geht es um die schon länger zurückliegende Verarbeitung personenbezogener Daten, die von der Dating-App Grindr zugeliefert wurden. Xandr muss 92 Millionen norwegische Kronen, umgerechnet über 8,6 Millionen Euro, wegen Verstößen gegen die DSGVO zahlen. Die Geldbuße ist die bislang höchste der Behörde.
Der Fall geht auf Beschwerden des norwegischen Verbraucherrats und der österreichischen Datenschutzorganisation Noyb aus dem Jahr 2020 zurück. Grindr hatte Daten an mehrere Adtech-Anbieter übermittelt, darunter Xandr. Nach Einschätzung der Behörde wurden dabei auch sensible Informationen verarbeitet, die Rückschlüsse auf die sexuelle Orientierung der Nutzenden zuließen. Die Dating-App richtet sich ausdrücklich an schwule, bisexuelle, trans und queere Menschen. Die entsprechenden Daten gelangten zwischen Juli 2018 und April 2020 im Rahmen von programmatischen Auktionen an zahlreiche Unternehmen.
Xandr konnte Verantwortung nicht an Grindr abgeben
Die Begründung sollte die gesamte Adtech-Branche aufhorchen lassen. Laut Reuters hatte sich Xandr darauf berufen, davon ausgegangen zu sein, dass Grindr die nötigen Einwilligungen eingeholt habe. Eine eigene Überprüfung erfolgte demnach nicht. Für Datatilsynet war das kein Argument – die Datenschutzbehörde sieht Xandr gemeinsam mit Grindr in der Verantwortung für die Rechtmäßigkeit der Datenverarbeitung.
Damit richtet sich die Entscheidung ausdrücklich auch gegen einen technischen Vermittler innerhalb der programmatischen Lieferkette. Die Verantwortung für die zulässige Verarbeitung lässt sich nach Auffassung der Behörde nicht allein auf den Datenlieferanten verlagern. Grindr selbst kam allerdings auch nicht ungeschoren davon. Der App-Betreiber war wegen desselben Vorgangs 2021 bereits mit einer Geldstrafe von 65 Millionen norwegischen Kronen belegt worden.
Verstöße liegen vor Microsoft-Übernahme
Xandr gehört inzwischen zu Microsoft, doch die beanstandeten Vorgänge liegen mehrere Jahre vor der Übernahme des einstigen Adtech-Pioniers. Die Höhe der aktuellen Geldstrafe wurde deshalb auch anhand des damaligen Xandr-Umsatzes und nicht des Microsoft-Umsatzes berechnet.
Xandr ging aus dem 2007 gegründeten Appnexus hervor. 2018 übernahm die US‑Telko AT&T den Adtech-Anbieter und führte ihn 2019 unter dem Namen Xandr weiter. Microsoft kaufte das Unternehmen schließlich 2022 und stellte die Marke Xandr ein Jahr später ein. Aus den Plattformen wurden Microsoft Monetize auf der Sell-Side, Microsoft Invest auf der Demand-Side und Microsoft Curate für kuratierte Daten- und Inventarpakete.
Inzwischen hat Microsoft Teile dieses Geschäfts wieder zurückgebaut. Die aus der früheren Appnexus- beziehungsweise Xandr-DSP hervorgegangene DSP Microsoft Invest wurde Ende Februar 2026 eingestellt. Microsoft konzentriert seine Adtech-Bemühungen seither unter anderem auf die SSP Microsoft Monetize und Microsoft Curate sowie auf die Vermarktung der eigenen Plattformen und Daten.
Microsoft erklärte gegenüber Reuters, die Entscheidung zu prüfen. Xandr kann innerhalb von drei Wochen Rechtsmittel einlegen.
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