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ADTECH

3Q kauft Glomex von Prosiebensat.1

21. Oktober 2026 (apr)
Bild: Annie Spratt – Unsplash

Nach rund zehn Jahren unter dem Dach von Prosiebensat.1 bekommt der Video-Marktplatz Glomex einen neuen Eigentümer. Die Münchner 3Q GmbH übernimmt das Unternehmen vollständig. Das Closing ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen, finanzielle Details nennen die Beteiligten nicht. Glomex soll als eigenständige Marke und hundertprozentige Tochter von 3Q weitergeführt werden.

Prosiebensat.1 hatte Glomex 2016 als Marktplatz für professionellen Videocontent gestartet. Die ursprüngliche Idee hat sich bis heute kaum verändert: Content-Anbieter stellen professionell produzierte Videos bereit, Publisher integrieren diese in ihre Websites oder Apps und monetarisieren die Nutzung über Werbung. Schon zum Start deckte Glomex auch technische Schritte wie Speicherung, Transcoding, Auslieferung und Analyse ab.

Vom Video-Marktplatz zur Distributionsplattform

Im Frühjahr 2017 waren rund 180 Publisher und knapp 35 Content-Anbieter registriert, wenige Monate später zählte Glomex bereits rund 250 Publisher-Websites und mehr als 60 Lizenzgeber. Parallel begann die Expansion über den DACH-Markt hinaus, unter anderem nach Großbritannien und in die Niederlande. Die Glomex Exchange umfasst heute mehr als eine Million Clips.

Inzwischen hat sich das Angebot auch technologisch verbreitert. 2020 kam ein Contextual Player hinzu, der Artikeln automatisiert passende Videos zuordnet, dann folgte Dynamic Content für datenbasiert erzeugte Videos und erst kürzlich ein neuer modularer Player. Außerdem intensivierte das Unternehmen die Zusammenarbeit mit Joyn.

3Q bringt die Infrastruktur ein

3Q ist bislang stärker auf der Seite der technischen Infrastruktur angesiedelt. Das Unternehmen wurde 2009 in München gegründet und bietet Video-Hosting, Livestreaming und Video-on-Demand für Unternehmen, Medienhäuser und Publisher. Nach eigenen Angaben arbeitet der Anbieter europaweit mit mehr als 1.000 B2B-Kunden zusammen. Im Publisher-Geschäft basiert das Modell vor allem auf Softwarelizenzen.

Mit Glomex kommen Content-Syndizierung, Distribution und werbefinanzierte Monetarisierung auf Revenue-Share-Basis hinzu. Im nächsten Schritt soll die Glomex-Plattform auf die Video-Infrastruktur von 3Q umziehen. Für Publisher bringt die Transaktion damit Infrastruktur, Content-Zugang und Vermarktung innerhalb einer Unternehmensgruppe zusammen.

Damit gehen auch personelle Veränderungen an der Spitze einher. Lars Friedrichs bleibt zwar Geschäftsführer von Glomex, doch Michael Sandbichler verlässt die Geschäftsführung und übernimmt bei Prosiebensat.1 die Position des VP Distribution Global Video Platforms.

Verkauf nach MFE-Übernahme

Prosiebensat.1 zieht sich trotz des Verkaufs nicht vollständig aus Glomex zurück. Der Konzern soll weiterhin Videoinhalte bereitstellen und als Vermarktungspartner eingebunden bleiben. Dabei lässt sich der größere Umbau des Konzerns kaum verhehlen.

Seit September 2025 ist Media For Europe (MFE), das von der Berlusconi-Familie kontrolliert wird, Mehrheitsaktionär von Prosiebensat.1. Noch im Dezember desselben Jahres beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat im Zuge der stärkeren Konzentration auf das Entertainment-Geschäft den Verkauf mehrerer Beteiligungen und starteten die Veräußerungsprozesse. Dazu gehörten neben Glomex unter anderem Floyt, Camper Days, Esome und Kairion. Auch für Glomex endet also mit der Übernahme die Zeit als Prosiebensat.1-Tochter.

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