Das kanadische Adtech-Unternehmen Index Exchange führt eine neue Infrastruktur-Schicht ein, die Programmatic-Entscheidungen näher an den Ort der Auktion und damit an die Impression verlagern soll. Konkret stellt das Unternehmen mit einer eigenen Cloud eine technische Umgebung bereit, in der Partner ihre Daten, Modelle und Algorithmen ausführen können. Dadurch entfallen Umwege über externe Systeme, was Latenzen senken und etwaigen Signalverlust verhindern soll.
Der Ansatz unterscheidet sich von anderen Setups, da Bid Requests häufig in externe Public-Cloud-Infrastrukturen ausgelagert werden. Jeder zusätzliche Verarbeitungsschritt erhöht jedoch Latenz, kann Signalqualität reduzieren und verursacht Kosten. ”DSPs steuern diese Kosten, indem sie eingehenden Traffic drosseln und nur einen Teil der verfügbaren Impressionen bewerten. Datenanbieter senden Anreicherungssignale downstream und hoffen, dass genügend Kontext die Reise übersteht. Agenturen wenden Modelle nachgelagert an und arbeiten mit dem, was übrig bleibt – nicht mit dem, was ursprünglich vorhanden war”, schreibt Robert Lawrence, Senior Director Product Marketing von Index Exchange, im Unternehmensblog. Index Cloud setze stattdessen am Punkt an, an dem die Transaktion stattfindet.
Vorreiter stammt aus Europa
Eine besondere Rolle spielt dabei der Programmatic-Spezialist Bedrock. Das Unternehmen stellt die erste Demand-Side-Plattform (DSP) bereit, die ihren Bidder direkt in der Infrastruktur von Index Exchange betreibt. Die Entscheidungen des externen Systems werden damit also in die Exchange verschoben.
Für Bedrock hat dies unmittelbare Auswirkungen auf Reichweite und Skalierung, heißt es in der offiziellen Ankündigung weiter. Da der Bidder nicht mehr durch klassische QPS-Limits (Anfragen pro Sekunde) oder das sogenannte Traffic-Shaping (Eingriffe zur Optimierung des Datenflusses) eingeschränkt ist, kann er auf einen größeren Anteil des verfügbaren Inventars zugreifen. Darüber hinaus verändert sich die Kostenstruktur: Infrastrukturaufwand und Marktzugang werden entkoppelt, da zusätzliche Rechenleistung nicht mehr zwingend notwendig ist, um mehr Supply zu adressieren.
“Skalierung sollte nicht nur den größten DSPs vorbehalten sein. Indem wir unseren Bidder näher an die Impression bringen, können wir an einem größeren Anteil verfügbarer Opportunities teilnehmen, ohne durch QPS-Limits eingeschränkt zu sein – und über Decisioning und Performance konkurrieren, statt über Infrastruktur”, erklärt Shane Shevlin, Co-Founder und CEO von Bedrock Platform.
Die technischen Komponenten
Technisch funktioniert die eigene Cloud wie eine abgeschlossene Umgebung innerhalb der Infrastruktur von Index Exchange, in der Partner ihre Programme sicher ausführen können. Diese laufen getrennt voneinander, sodass kein Zugriff untereinander möglich ist. Index überprüft, wer Zugang erhält und welche Programme eingesetzt werden. DSPs bekommen am Ende nur die fertigen Entscheidungen übermittelt, nicht aber Einblick in die dahinterliegenden Modelle oder Daten.
Neben Bedrock nutzen weitere Partner die Infrastruktur bereits für unterschiedliche Anwendungsfälle, darunter AI-gestütztes Decisioning, Deal-Aktivierung, Audience-Enrichment oder kontextuelle Klassifizierung. Die Entwicklung folgt einem breiteren Markttrend. So soll beispielsweise auch das vom IAB Tech Lab initiierte “Agentic Real-Time Framework” standardisierte und interoperable Wege schaffen, um solche Container-Ansäzte in Exchanges zu integrieren. Index ist selbst an der Entwicklung des Frameworks beteiligt und hat seine Cloud daraufhin ausgerichtet.
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