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Die Verantwortung der Digitalwerbung: Ein Blick auf Nachhaltigkeit und CO2-Emissionen

Christian Zimmer, 5. June 2024
Bild: Sarah Dorweiler – Unsplash

Die Umweltauswirkungen digitaler Werbemaßnahmen sind ein Thema, das bisher wenig Aufmerksamkeit erhalten hat, jedoch immer relevanter wird. Laut aktuellen Studien ist die digitale Werbewirtschaft für vier Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich, was in etwa auch dem Anteil des internationalen Flugverkehrs entspricht – und die Emissionen nehmen eher zu als ab. Diese „beeindruckende“ Zahl verdeutlicht die Notwendigkeit, die Nachhaltigkeit von Werbekampagnen im Internet zu überdenken.

Die Herausforderung liegt jedoch nicht nur in der generellen Messbarkeit dieser Emissionen, sondern auch in der darauf aufbauenden Optimierung der Auslieferungsmechanismen digitaler Werbung. Die Nachfrage nach verantwortungsbewussten Medien steigt und gleichzeitig müssen Unternehmen auch andere Herausforderungen meistern, wie das Abschalten von Third-Party-Cookies. Gleichzeitig treiben technologische und gesellschaftliche Veränderungen die Medienlandschaft in neue Richtungen. Unternehmen müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und nachhaltige Praktiken als integralen Bestandteil ihrer Marketingstrategien etablieren.

Die versteckten CO2-Emissionen digitaler Werbung

Digitale Werbekampagnen zeichnen sich durch komplexe Prozesse aus, die erhebliche CO2-Emissionen verursachen. Von der Erstellung der Werbeanzeige über die Auslieferung bis hin zur Nutzung von Endgeräten und das Ansehen der Werbemittel – jeder Schritt verbraucht Energie. Besonders der Bietprozess für die Platzierung der Werbemittel schlägt stark zu Buche.

Hier interagieren DSPs (Demand-Side-Plattformen), SSPs (Supply-Side-Plattformen) und DMPs (Data-Management-Plattformen), um Werbeplätze zu verhandeln und Anzeigen in Echtzeit-Auktionen auszuliefern. Für eine einzige Ad Impression können mehrere Tausend Auktionen ausgelöst werden, was immense Rechenressourcen erfordert und zu einem hohen Energieverbrauch führt. Diese versteckten Emissionen verdeutlichen die Dringlichkeit, die Nachhaltigkeit digitaler Werbung zu verbessern.

Wege zur Reduktion der CO2-Emissionen

Was können wir tun? Einfach weniger Werbung schalten oder andere Formate verwenden? Nein, CO2-Optimierung erfordert mehr als nur eine Anpassung des Mediaplans. Unternehmen müssen die tatsächliche Leistung ihrer Werbemaßnahmen im Blick behalten – sei es der Return on Investment (ROI), der Abverkauf oder die Steigerung der Markenbekanntheit. Gleichzeitig sollten nachhaltige Praktiken integriert werden. Effiziente Werbung funktioniert mit den richtigen Botschaften in kontextuell passenden Umfeldern. Es gibt viele Stellschrauben, die optimal ineinandergreifen müssen: die Effizienz der Kampagnen, die Reduktion der Datenmengen und die Optimierung der digitalen Lieferkette, also den Weg der Auslieferung der Werbeanzeigen an die Endnutzer.

Effizientere Werbekampagnen

Durch gezielte Tests und Optimierungen können ineffiziente Werbemittel vermieden und Ressourcen geschont werden. Tools, die mithilfe von KI Eye-Tracking-Heatmaps erstellen, messen die Aufmerksamkeit der Nutzer und maximieren die Werbewirkung. Diese datenbasierten Erkenntnisse ermöglichen es Unternehmen, ihre Werbemittel gezielt zu optimieren und neue, effektive Werbestrategien zu entwickeln. So können Kampagnen nicht nur effektiver, sondern auch umweltfreundlicher gestaltet werden.

Es muss nicht immer das aufwendigste Werbemittel sein, solange die richtigen Botschaften optimal vermittelt werden. Die Werbung sollte zu Einstellungsänderungen bei den Empfängern führen. Aufmerksamkeit ist hierbei ein zentraler KPI, der durch die kreativen Elemente der Werbung und deren optimale Platzierung beeinflusst wird. Ein Großteil des Erfolgs hängt dabei von der kreativen Gestaltung der Werbemittel ab.

Datenmengen reduzieren

Die Reduktion der verarbeiteten Datenmengen ist ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Kleinere Dateigrößen und kürzere Videos führen zu einem geringeren Energieverbrauch. Gleichzeitig profitieren die Nutzer von schnelleren Ladezeiten und einem besseren Nutzererlebnis. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern erhöht auch die Werbewirksamkeit. Durch den Einsatz von Komprimierungstechnologien und optimierten Datenformaten kann der Energiebedarf weiter gesenkt werden, was zu einer nachhaltigeren Nutzung digitaler Ressourcen führt.

Optimierung der digitalen Lieferketten

Die Effizienzsteigerung der digitalen Lieferketten ist entscheidend für die Reduktion von Emissionen. Durch die Optimierung technologischer Ressourcen und Prozesse kann der Energieverbrauch signifikant gesenkt werden.

Besonders wichtig ist die Wahl von Lösungen, die eine direkte und effiziente Auslieferung der Werbung ermöglichen. Durch weniger Interaktionen zwischen DSPs und SSPs, lässt sich bereits ein großer Teil der Energie einsparen. Darüber hinaus trägt der Einsatz erneuerbarer Energien in Rechenzentren erheblich zur Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks bei.

Corporate Responsibility im digitalen Zeitalter

Unternehmen müssen ihrer Verantwortung gerecht werden und nachhaltige Praktiken in ihre Marketingstrategien integrieren. Gesetzliche Anforderungen und das steigende Umweltbewusstsein der Verbraucher treiben diese Entwicklung voran. Ab 2024 sind Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern verpflichtet, ihren CO2-Ausstoß zu dokumentieren und konkrete Maßnahmen zur Emissionsreduktion umzusetzen. Dies erfordert nicht nur die Messung der Emissionen, sondern auch die Einführung nachhaltiger Strategien und Prozesse.

Fazit

Nachhaltigkeit im digitalen Marketing ist keine Option, sondern ein Muss. Die Reduktion des CO2-Fußabdrucks digitaler Werbung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz und den Einsatz moderner Technologien. Durch die Optimierung der Werbekampagnen, die Reduzierung von Datenmengen und die Effizienzsteigerung der digitalen Lieferketten können Unternehmen nicht nur umweltfreundlicher agieren, sondern auch ihre Marketingeffizienz verbessern. Verantwortungsbewusstes Handeln und nachhaltige Strategien sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen und zukunftsfähigen Werbepraxis.

Tech Finder Unternehmen im Artikel

Bild Christian Zimmer Über den Autor/die Autorin:

Christian Zimmer ist Managing Director von Teads Deutschland. Seine berufliche Laufbahn umfasst Führungspositionen bei der Omnicom-Gruppe sowie bei Dentsu und GroupM. Innerhalb der Score Media Group, einer Allianz regionaler Tageszeitungsverlage, kümmerte sich Zimmer um die Vermarktung. Zuletzt war der gebürtige Münchner DACH-Chef der Marketing- und Mediaberatung Ebiquity.

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