Empfehlungen von KI-Assistenten kommen für viele Menschen infrage und ChatGPT führt bereits messbar Nutzer:innen auf Produktseiten. In Sachen automatischer Nachbestellungen und KI-generierter Werbung sind die Deutschen jedoch zurückhaltender. Zwei aktuelle Untersuchungen zeigen, wie unterschiedlich Verbraucher:innen KI entlang des Kaufprozesses bewerten.
Für Werbetreibende wird KI im Shopping zunehmend zu einem Thema. Das Adtech-Unternehmen Criteo hat für seinen “CPG Pulse 2026” Commerce-Daten von Hunderten Marken und Händlern ausgewertet und mit einer Befragung von mehr als 6.300 Konsumentinnen und Konsumenten in sechs Märkten kombiniert.
In den Daten der untersuchten CPG-Kunden (Consumer Packaged Goods) zeigte sich eine Auffälligkeit hinsichtlich der Landingpages. So führte ChatGPT häufig direkt auf Produktseiten. Sein Anteil an diesen Einstiegen lag von Januar bis Juli im Schnitt 60 Prozent über dem Anteil klassischer Suchmaschinen. Im Juli verzeichneten 86 Prozent dieser Kunden immerhin mindestens eine über ChatGPT vermittelte Transaktion.
Daraus lässt sich noch keine Marktentwicklung ablesen, denn untersucht wurde der eigene Kundenbestand. Dennoch zeigen die Daten, dass KI-Assistenten mittlerweile als messbare Trafficquelle für Produktseiten auftauchen.
Bei automatischen Bestellungen sind Deutsche zurückhaltender
Die Hinleitung ist das eine, doch wie viel Verantwortung Verbraucher:innen der KI überlassen wollen, ist eine andere Sache. In Deutschland würden 39 Prozent der Befragten einem KI-Assistenten nicht einmal erlauben, Produkte des täglichen Bedarfs automatisch nachzubestellen. Damit liegen die Deutschen im oberen Feld, denn im Schnitt der sechs Märkte beträgt dieser Anteil 32 Prozent. Nur in Japan fällt die Ablehnung höher aus.
Empfehlungen aus der Maschine sind hingegen anscheinend akzeptabel. Darauf weist eine zweite aktuelle Untersuchung aus dem Adtech-Umfeld hin. So hat Censuswide im Auftrag von Verve 2.000 Erwachsene in Deutschland zu ihrer Einstellung hinsichtlich KI im Shopping befragt. Rund zwei Drittel können sich vorstellen, aufgrund der Empfehlung eines KI-Chatbots einzukaufen. Besonders häufig nennen sie Reisen, Lebensmittel und Mode als Anwendungsgebiete.
Die Ergebnisse bestätigen ein Muster aus früheren Befragungen. KI darf bei Recherche und Auswahl helfen. Die vollständige Kaufentscheidung darf sie jedoch (noch) nicht übernehmen.
KI-generierte Werbung polarisiert
Verve hat außerdem untersucht, wie Personen auf Werbung reagieren, wenn bekannt ist, dass Text, Bild oder Video mit KI erstellt wurde. An der Stelle sind sich die Menschen uneinig. Denn rund 35 Prozent geben an, dadurch Vertrauen in die Marke zu verlieren. Fast genauso viele attestieren aber keine Veränderung ihrer Wahrnehmung und knapp ein Fünftel bewertet die Anzeige nach eigener Aussage sogar positiver.
Von einem generellen Vertrauensverlust durch KI-Werbung kann also keine Rede sein. Auffällig ist vielmehr, wie unterschiedlich die Reaktionen ausfallen, auch nach Altersgruppe. Bei den 18- bis 24-Jährigen geben 45 Prozent an, dass ihr Vertrauen sinken würde, während 30 Prozent die KI-Anzeige nach eigener Aussage positiver aufnehmen würden. Ältere Befragte zeigen sich deutlich häufiger unbeeindruckt. Auch hier bleibt die Methode wichtig: Verve misst eine hypothetische Reaktion, keine tatsächliche Veränderung von Markenwirkung oder Kaufverhalten in einem Experiment.
Welche Lehren können Advertiser daraus ziehen? KI-Assistenten tauchen inzwischen als konkreter Zugang zu Produktseiten auf und Empfehlungen treffen auf vergleichsweise viel Offenheit. Beim automatisierten Kauf und bei KI-generierter Markenkommunikation zeigen sich hierzulande stärkere Vorbehalte. Wer über “KI-Akzeptanz” spricht, sollte deshalb genauer hinschauen, welche Aufgabe die Technologie im Kaufprozess übernimmt.