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CORONA

Umsatzeinbußen und Budgetkürzungen — Corona trifft das Marketing

Jens T. Möller, Analyst, 26. March 2020
Bild: Martin Sanchez; CC0 - unsplash.com

Aktuell zeigt sich überall in Deutschland das gleiche Bild: geschlossene Geschäfte, leere Innenstädte und abgesagte Veranstaltungen aller Art. Die Corona-Krise trifft dabei den Einzelhandel und die Veranstaltungsbranche besonders hart. Aber auch die Marketingbranche erlebt derzeit die Auswirkungen der Pandemie. Hier herrscht große Unsicherheit und viele Branchenmitglieder fürchten um ihre Existenz. Dies zeigt eine aktuelle Umfrage des Deutschen Marketing Verbandes, die als Stimmungsbild der Branche gesehen werden kann.

Befragt wurden hierzu 170 Vertreter von 65 Unternehmen aus dem Mitgliederkreis des Deutschen Marketing Verbandes. Die Stichprobe setzt sich überwiegend aus Agenturvertretern (60 Prozent) zusammen, beinhaltet jedoch auch Beschäftigte im Handel, in der Telekommunikationsbranche und im Finanzsektor. Im Bezug auf die Unternehmensgröße stammt der Großteil der Befragten aus Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern (51 Prozent), gefolgt von Unternehmen bis zu 50 Mitarbeitern (21 Prozent). Trotz der durchaus geringen Teilnehmerzahl können die Umfrageergebnisse ein aktuelles Stimmungsbild der Branche liefern, gerade im Bezug auf kleine und mittelständische Unternehmen.

Dabei zeigt sich, dass bereits 74 Prozent der Befragten Umsatzeinbußen für ihr Unternehmen verzeichnen. Davon sagen 20 Prozent, dass sie diese Einbußen lediglich noch bis Mitte des Jahres ausgleichen können, 17 Prozent schafft es nur bis Ostern. Dann ist für viele die finanzielle Belastungsgrenze erreicht. Knapp 23 Prozent der Befragten verzeichnen bisher keine nennenswerte Umsatzrückgänge für ihr Unternehmen.

Grafik: Deutscher Marketing Verband

Auch bei der Frage nach Budgetstreichungen im Marketing zeigt sich, dass die ersten Auswirkungen der Corona-Krise spürbar werden. So geben 38 Prozent der Befragten an, dass bereits Streichungen im Marketing vorgenommen wurden. Im Durchschnitt liegen die Budgetkürzungen bei 35,8 Prozent. Ein Drittel der Befragten erklärt darüber hinaus, derzeit mögliche Budgetkürzungen zu prüfen. 31 Prozent planen jedoch momentan keine Marketingmittel zu streichen.

Grafik: Deutscher Marketing Verband

Dabei geht der Deutsche Marketing Verband in seinen Ergebnissen davon aus, dass eine Korrelation zwischen Unternehmensgröße und Höhe der Kürzungen besteht und hier vor allem die Tendenz zu erkennen ist, dass eher kleinere Unternehmen Budgetkürzungen vornehmen. Das ist ein Rückschluss, der kaum überraschen mag. In den meisten Fällen wird das gekürzte Budget einfach eingespart, einige Unternehmen reinvestieren dieses jedoch in digitale Maßnahmen wie Live-Streams, Webinare, Podcasts oder Social Media.

Kampagnen werden zunehmend verschoben

In der aktuellen Situation werden dabei nicht nur Budgets gekürzt oder eingefroren, sondern auch Kampagnen verschoben. Unter den Umfrageteilnehmern gaben rund 72 Prozent an, dass bei Ihnen Kampagnen und größere Projekte aufgrund der Corona-Krise verschoben worden sind.

Grafik: Deutscher Marketing Verband

Es existiert also eine massive Unsicherheit in der Branche bezüglich der zukünftigen Entwicklung. Viele kleine Unternehmen im Deutschen Marketing Verband kämpfen in den nächsten Wochen um ihre Existenz. Einige können die entstehenden Einbußen noch bis Mitte des Jahres überbrücken, andere nur bis Ostern. Es wird sich zeigen, ob die wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung ausreichen, um diese Unternehmen vor der Insolvenz zu bewahren. Kurzarbeit ist dabei nur eine Option. Einige große Medienkonzerne setzen jetzt schon auf dieses Konzept.

Takeaways

  • 74 Prozent der befragten Unternehmensvertreter verzeichnen jetzt schon Umsatzeinbußen für ihr Unternehmen.
  • Davon sagen 20 Prozent, dass sie diese Einbußen lediglich noch bis Mitte des Jahres ausgleichen können, 17 Prozent sogar nur bis Ostern.
  • 38 Prozent der Befragten geben an, dass Streichungen im Marketing bereits vorgenommen wurden.
  • Aber auch Kampagnen und größere Projekte werden aufgrund der Corona-Krise verschoben.