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Start von Joyn Plus: Bezahlmodell als Ergänzung zur Werbevermarktung

26. November 2019 (apr)
Bild: Screenshot Joyn.de

Der Streamingdienst Joyn vom Joint Venture aus ProSiebenSat.1 und Discovery startet sein Premium-Angebot. Mit einem vergleichsweise niedrigen Preis von 6,99 Euro im Monat versucht sich die deutsche Videoplattform gegen die starke US-Konkurrenz zu behaupten. Dabei sollen auch lokale Eigenproduktionen helfen.

Joyn ging im Juni dieses Jahres online und bündelt das Programm der Sender von ProSiebenSat.1 und Discovery sowie 15 weiteren Partnern auf einer Plattform. Zum Live-TV-Streaming kommen Video-on-Demand-Angebote in Form von Eigenproduktionen sowie eingekauften Serien und Filmen hinzu. Insgesamt finden sich 55 lineare TV-Sender bei Joyn, neben den Programmen der Initiatoren sind auch die der Öffentlich-Rechtlichen dabei.

Joyn Plus setzt auf Eigenproduktionen aus Deutschland

Aus dem bislang kostenlosen Dienst wird nun ein Freemium-Modell. Die kostenpflichtige Version bietet über 60 Programme, dazu gehören Pay-TV-Sender wie Discovery Channel, Eurosport 2 oder ProSieben Fun in HD, sowie mehr Originals und exklusive Inhalte. Gerade erst hat Joyn zwei Serien in Zusammenarbeit mit Social-Media-Stars angekündigt: "Slavik - Auf Staats Nacken” mit Mark Filatov alias Slavik Junge vom beliebten Youtube-Kanal Ostboys (bereits online) und “The Entertainers” mit dem ebenfalls bekannten Youtuber Sebastian Meyer alias Rewinside. Damit sollen die jüngeren Zuschauer abgeholt werden. Laufende Eigenproduktionen, die bisher gratis zu sehen waren, wandern ab jetzt bis auf die jeweils erste Folge hinter die Paid-Schranke. Dazu zählen beispielsweise “Jerks” mit Christian Ulmen und Fahri Yardim, und “Check. Check” mit Klaas Heufer-Umlauf.

Der Preis für ein Abonnement ist mit 6,99 Euro monatlich niedriger als erwartet und unterbietet zwar US-Konkurrenten wie Netflix (7,99 in SD, 11,99 für HD) und Amazon Prime Video (ebenfalls 7,99, im Jahresabo 5,75), doch der Wettbewerb ist hart. Die Gebühr für Disney Plus steht noch nicht fest, ist in den USA aber mit 6,99 US-Dollar im Monat angesetzt und wird zum Start im Frühjahr hierzulande wahrscheinlich ähnlich niedrig ausfallen. Auch Apple Plus steht in den Startlöchern.

Der lokale Rivale TV Now ist mit 4,99 Euro hingegen günstiger zu haben, hat aber neben einigen Eigenproduktionen lediglich die Sender der eigenen Mediengruppe im Angebot. Der ursprüngliche Gedanke, alle Sender der deutschen Medienlandschaft auf Joyn zu vereinen, scheint derweil nicht gefruchtet zu haben. Jedenfalls lassen weder RTL noch Sky Ambitionen in Richtung einer Kooperation erkennen. Joyn muss also mit seinem Preis in Kombination mit exklusiven Inhalten punkten.

Die Nutzerakquise ist erfolgskritisch

Zum Start erwartet die Nutzer wie bei anderen Anbietern ein kostenloser Probemonat sowie die ersten drei Rechnungen vergünstigt für 3,99 Euro. Das soll möglichst viele Abonnenten generieren, die angesichts des Wettbewerbs dringend für den Erfolg benötigt werden.

Kurz vor der Dmexco im September gab es die vage Verkündung, dass Joyn seit dem Launch 10 Millionen deutsche Nutzer erreicht hat. Nach eigenen Angaben greifen 3,8 Millionen Nutzer regelmäßig auf die Plattform zu. AGOF weist für Oktober 2,25 Millionen Unique User über 16 Jahre aus.

Doch die Werbung, die im Rahmen des kostenlosen Konsums ausgeliefert wird, reicht als Standbein keinesfalls aus. Das Gratis-Streaming finanziert sich bislang durch Pre-Roll- und Mid-Roll-Ads. Joyn Plus soll hingegen (fast) werbefrei sein und – im Gegensatz zur Konkurrenz – einzelne Pre-Rolls zeigen. Die Werbeeinspieler beim Live-TV bleiben bei beiden Optionen bestehen, es wird jedoch an einer Lösung gearbeitet, um individualisierte Werbeblöcke einzuspielen.

Bisher ist die Paid-Version nur in Deutschland verfügbar, sie soll aber schon bald auf die DACH-Region ausgeweitet werden.

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