DATA & TARGETING

Neuer Mozilla Firefox verbannt Tracking-Cookies

Von Jens von Rauchhaupt, 5. Oktober 2018
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Browseranbieter Mozilla arbeitet schon seit einiger Zeit an einer neuen Firefox-Version mit eingebautem Trackingschutz. Bei der Standardeinstellung können Tracking bzw. Third Party Cookies in diesem Browser nicht mehr gesetzt werden. Noch ist die neue Version nicht verfügbar, doch wenn es soweit ist, wird die Werbebranche es noch schwerer haben, die Nutzer zielgerichtet anzusprechen.

Mit der neuen Firefox-Version verbannt Mozilla Third Party Cookies von Werk an. Der Nutzer muss erst die Erlaubnis für das Setzen der Cookies geben, indem er in seinen Browsereinstellungen Tracking-Cookies aktiviert. (siehe Screenshot unten) Unwahrscheinlich, dass die User dies ohne Incentives tun werden.

Screenshot Firefox Nightly So könnte die neue Privacy Einstellung im kommenden Firefox aussehen. Screenshot aus der Vorabversion Firefox Nightly  » Vergrösserung

Die Firefox-Macher vertreten die Ansicht, dass die Privatssphäre auch bei einem Opt-In nicht ausreichend geschützt werde. Mozilla hat aber nicht per se die Privacy-Tollwut gepackt, vielmehr basiert die Entscheidung auf eigenen Erhebungen und Daten.

Die Menschen fühlen sich nicht wohl dabei, wenn ihre Daten im Web gesammelt werden. Was wir im Internet machen, ist eine sehr persönliche Angelegenheit – und doch haben wir nur wenige Möglichkeiten, die Datenerhebung im Web zu verstehen und zu kontrollieren. Forschungsergebnisse haben bereits wiederholt gezeigt, dass die Mehrheit der Menschen die Erhebung personenbezogener Daten für eine gezielte Werbung ablehnt.

(Steven Englehardt, Privacy Engineer Mozilla auf der Entwickler-Website)

Auch wenn die Verbreitung rückläufig ist, mit einem derzeitigen Marktanteil von 20 bis 26% - je nach Statistik, die man zu Rate zieht -, gehört Firefox noch immer zu den beliebtesten Browsern in Deutschland. Der Cookie-Einbruch wird also auf jeden Fall für die Branche spürbar sein.

Erst die Adblocker, dann Apples Safari 11 Browser mit einem 24-Stunden-Limit für Third Party Cookies und nun Mozilla Firefox. Für die Werbeindustrie wird es zunehmend schwieriger, die Nutzer per Cookie zielgerichtet mit Display- bzw. Videowerbung anzusprechen. Der Branche gehen schlichtweg die Signale der Targets aus. Jan Oetjen, Vorstand United Internet, hatte uns bei einem netID-Pressetermin auf der Dmexco 2018 vorgerechnet, dass dem Werbemarkt in naher Zukunft 60% weniger Tracking- bzw. Third Party Cookies zu Verfügung stünden.

Neuer Firefox kommt voraussichtlich Ende Oktober 2018

Derzeit scheint nicht ganz klar, wann die neue Version wirklich zur Verfügung steht. Einigen Quellen zufolge will Firefox die besagte Version schon Ende Oktober bereitstellen, dann wäre es Version 63. Auf anderen Publikationen und selbst auf einer Mozilla-Website ist von Ende Januar 2019 die Rede (Version 65).

Mozilla und die Werbung

Mozillas tut sich seit Jahren mit Werbung schwer. 'Built for people not for profit' ist der eigene Slogan. Vor vier Jahren kündigte Mozilla die Vermarktung von Firefox-Tabs an, über sogenannte Enhanced Tiles. Wurde ein neuer Tab im Browser gestartet, sollten Werbekunden ein Display Ad platzieren können, allerdings ohne Cookies. Mindshare und Booking.com wurden seinerzeit als erste Werbepartner für Enhanced Tiles gewonnen und eigentlich war ein internationaler Rollout geplant. Doch dazu kam es nicht. Die Firefox-Jünger gingen wegen der Werbung auf die Barrikaden und Mozilla stellte Enhanced Tiles, zumindest in Märkten wie Deutschland, wieder ein. Im April 2018 nahm der Browserhersteller einen zweiten Anlauf. Vom Prinzip her ein ähnliches Werbeprodukt mit dem Namen 'Pockets', das Sponsored Links auf der Startseite in einer Kachel platziert - wieder ohne Cookies. Auch Pockets ist nur in der aktuellen US amerikanischen Firefox-Version verfügbar. In Deutschland ist Firefox aktuell werbefrei.