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Die drei Youtube-Werbe-Fails im September

Von Frederik Timm, 26. September 2018
Bild: Mikes Photos; C00 - pexels.com

#PlaySummit18 Mittlerweile versucht fast jeder Werbetreibende, der Videowerbung für seine Marke schaltet, auch Youtube für sich zu nutzen. Der Gedanke ist einfach: Warum nicht einfach ein paar Youtube-Kontakte einkaufen und die zusätzliche Reichweite mitnehmen, wenn vielleicht ohnehin schon ein TV-Spot vorhanden ist? Die Rechnung geht jedoch nicht immer auf. Die Plattform hat ihre eigenen Regeln, wie die Analyse von aktuellen Youtube-Werbe-Fails zeigt.

Wenn Unternehmen versuchen, auf Youtube Fuß zu fassen, sind die Strategien hierfür nicht immer mit Erfolg gekrönt. Häufig fehlt es an passenden Inhalten. Um neue Abonnenten für einen Kanal zu gewinnen, wird häufig Reichweite eingekauft. Welche Fehler hierbei gemacht werden, zeigen wir, in Zusammenarbeit mit dem PLAY-Speaker und CEO der Youtube-Analyseplattform Veescore Christoph Burseg, und ebenso welche Youtube-Kampagnen im September 2018 noch Luft nach oben hatten.

Der einfache TV-Spot

Ein kurzes Werbequiz: Wofür wird bei einem Werbeclip mit Folk-Hintergrundmusik und freundlichen Bildern beworben, wenn die einzigen eingeblendeten Wörter folgende sind: „Your hands are magic...to feel...to take...to give“?

Bild: Veescore Christoph Burseg

Mit diesem 15-Sekunden-Spot versuchen die SOS-Kinderdörfer ihren TV-Spot auf Youtube zu übertragen. Das Ergebnis nach gut 17 Tagen im September 2018 ist ernüchternd: Mehr als 2,5 Millionen eingekaufte Abrufe haben so gut wie keine Interaktionen oder neue Abonnenten hervorgebracht. Christoph Burseg zieht folgendes Urteil: „Der Spot vermischt englischen Text und deutschen Text – es ist unklar, wer erreicht werden soll. Dem Ziel 'Zum geringen Preis neue Patenschaften generieren' hilft diese Werbeform wahrscheinlich nicht.“ Auch in der organischen Suche ist er unter den relevanten Suchbegriffen für Spenden und Patenschaften nicht zu finden.

Mit einer klareren Botschaft und einem frühen Branding schon zu Beginn des Videos hätten die SOS-Kinderdörfer letztendlich die Aufmerksamkeit der Zuschauer stärker auf ihre Sache gerichtet. Auch fehlen Inhalte, um für mehr Abonnenten des Kanals zu sorgen.

Die verpasste Chance

Im Gegensatz zum Spot von SOS-Kinderdörfer macht die HUK24 Versicherung mit ihrem Werbevideo vieles richtig. Gleich zu Beginn des Videos fährt der Text „Was braucht man für eine günstige Hausratsversicherung?“ ins Bild. Hervorgehoben sind „günstig“ und „Hausratsversicherung“. In den folgenden 10 bis 15 Sekunden wird die Frage kurz und bündig sowohl schriftlich als auch via Stimme aus dem Off beantwortet. Das Branding der Versicherung befindet sich während des gesamten Videos oben rechts im Bild. Das Logo wird am Ende eingeblendet.

Eigentlich ist der Spot handwerklich gut gemacht und erfüllt seinen Zweck. Was jedoch kaum auffällt und fast komplett untergeht, ist die Einblendung eines 15€-Gutscheins für die Versicherung. Dieser Hinweis erscheint nur als Randnotiz in Form eines Youtube-Kommentars, der sich seitlich über das Video legt. Der Grund dafür scheint klar: Man spart Produktionskosten für einen Extraspot und kann den Gutschein-Kommentar bei Belieben wieder abschalten.

Dennoch verfehlt das Video nach Bursegs Meinung sein Performance-Ziel um Längen. „Zwei Millionen gekaufte Abrufe auf einen Spot, der eigentlich mit einem 15€-Gutschein wirbt – dieser Gutschein wird im Video aber nicht erwähnt. Verpasste Chance auf viel, viel, viel mehr Klicks auf die Anzeige“, heißt sein Fazit.

Guter Spot – kein Trendsetter in Google-Suche

WirkaufendeinAuto.de haben einen guten Spot bei Youtube. Während ein Paar im Stau steht, schwelgt der Fahrer des in die Jahre gekommenen Autos in Gedanken und bewundert die neuen Fahrzeuge mit ihren unzähligen Assistenten. Währenddessen versucht seine Beifahrerin ihn auf dem besten Weg aus dem Stau zu navigieren. Der Spot schließt mit den Worten: „Du hast nur einen Assistenten, Monika. Wir wissen auch nicht, wo Monika hinwill – aber wirkaufendeinauto.de.“

Der Spot macht im Prinzip alles richtig, findet auch Christoph Burseg. Allerdings stellt er sich die Frage, ob das Branding-Ziel trotz starkem Investment erreicht wurde: „Es ist immer wieder spannend anzusehen. Der Spot hat aktuell wieder 10 Millionen eingekaufte Abrufe in den letzten 7 Tagen und inzwischen schon insgesamt über 50 Millionen Abrufe – ein absolut lustiger Spot. Allerdings sieht man zumindest in Google Trends kein signifikantes Wachstum der Markensuche trotz wirklich starkem Mediabudget. Hoffentlich ist WKDA trotzdem happy.“