AFFILIATE MARKETING

c't deckt mutmaßliche Affiliate-Abzocke auf

16. Februar 2018 (ft)
Bild: Two Brains Studios - Adobe Stock

Affiliate Marketing ist im E-Commerce ein häufig genutztes Tool, um die Abverkäufe zu steigern. Im Rahmen von Affiliate-Programmen zahlen Online-Händler ihren Partnern jeden Monat Hunderttausende Euro Provision aus. Eine Recherche des Computermagazins c’t legt nun nahe, dass sich dieses System mittels manipulativer Browser-Add-ons missbrauchen lässt, um Geldströme umzuleiten.

Browser-Erweiterungen, sogenannte Add-ons, bergen ein hohes Missbrauchspotenzial, warnt warnt c’t-Redakteur Holger Bleich. Sie dürfen Code nachladen, URLs abrufen und Cookies schreiben. Die Recherchen von c't zeigen, dass diese Erweiterungen auch Affiliate-Provisionszuweisungen manipulieren können – und zwar in großem Stil.

Die Add-ons gelangen beispielsweise beim scheinbar harmlosen Download von Programmen oder Apps über einen Download-Manager auf den Computer der Nutzer. Ist erst mal eine Erweiterung auf dem PC installiert, wird jeder Einkauf in einem Online-Shop des Partnerprogramms nicht mehr dem jeweiligen Vermittler gutgeschrieben, sondern einem Dritten. Im Fadenkreuz der c't-Recherche ist die Wonderize GmbH, die mit der Plattform gutscheincodes.de im Affiliate-Netzwerk vertreten ist. „Sollten sich unsere Beobachtungen bestätigen“, so Holger Bleich, „hätte Wonderize wohl jeden Monat mehrere Hundertausend Euro an Provisionen von den Add-ons in die Kasse gespült bekommen.“

Die Leidtragenden sind in erster Linie Webseitenbetreiber und Blogger, die ihre Provision nicht ausgezahlt bekommen, obwohl der User über ihre Seite in den Online-Shop gelangt ist. Aber auch Onlinehändler könnten einen Schaden geltend machen. Für die Downloadportale bedeutet der Schadcode, der über die Add-ons auf dem Rechner der Nutzer landet, vor allem ein Image-Schaden.

Dem Verbraucher entsteht zwar kein finanzieller Nachteil, „allerdings zeigt dieses Beispiel eindrücklich, wie einfach es ist, Schadsoftware auf fremde Rechner zu bringen“, betont Bleich. Als Sofortmaßnahme empfiehlt der Experte zu prüfen, welche Add-ons im Browser aktiv sind.

In der aktuellen c't-Ausgabe 5/18 beschreibt Bleich ausführlich, welche Firmen an der Abzocke beteiligt sein sollen und mit welchen Mitteln sie vorgehen.