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DATA & TARGETING

Mit Daten-getriebenen Ideen durchstarten

Von Nico Lumma
20. August 2014

Im Online-Marketing hat sich schon vor vielen Jahren durchgesetzt, was mittlerweile auch in den Feuilletons der Republik diskutiert wird: Daten sind das neue Gold. Wir erleben derzeit die rasante Vernetzung von immer mehr Internet-fähigen Geräten und bewegen uns mit schnellen Schritten auf das zu, was gemeinhin Internet of Things genannt wird. Diese Vernetzung der unterschiedlichsten Devices wird mit Industrie 4.0 die herkömmlichen Produktionsprozesse in einem bislang unbekannten Ausmaß verändern.

Künftig wird auch außerhalb der Online-Marketing Branche immer mehr die Frage diskutiert werden, wie viele Daten künftig wie verwendet werden dürfen und wie man daraus neue Geschäftsmodelle entstehen lassen kann. Denn auch wenn Daten das neue Gold sind, sorgt nur die Umsetzung der richtigen Ideen dafür, dass man dieses Gold auch heben kann. Wenn allerdings Wirtschaftsminister Gabriel bereits von einem Datenkapitalismus spricht, dann schwingt dabei auch immer die Befürchtung mit, dass sich daten-getriebene Geschäftsmodelle quasi verselbstständigen könnten oder der Mensch nur noch eine untergeordnete Rolle spielen wird. Auf alle Fälle aber sehen wir, dass die immer stärkere Nutzung von Daten und vor allem ihre Verknüpfung in Echtzeit für Transformationen von Geschäftsmodellen und Veränderungen von Branchen führt. Die Online-Marketing Branche ist hierfür ein gutes Beispiel, denn die stete Weiterentwicklung der Technologien führt dazu, dass Zielgruppen immer besser erreicht werden und das vorhandene Inventar immer effizienter genutzt werden kann. Und es ist mittlerweile undenkbar geworden, dass ein Werbetreibender ein von Hand zusammengeklöppeltes Reporting als Excel-Sheet bekommt, so wie es in den Anfangszeiten des Online-Marketing üblich war.

Datengetriebene Geschäftsmodelle werden mittlerweile immer üblicher, da in vielen Branchen die Komplexität durch eine Vielzahl von interagierenden Marktteilnehmern zugenommen hat. So wie es im Online-Marketing kaum noch ohne DSP und SSP geht, also automatisiert Kampagnen platziert werden können, sehen wir in vielen Bereichen Umsatzpotentiale, die erst durch die Automatisierung erschlossen werden können. Dabei sind für den Endanwender naheliegend die Vielzahl der Startups, die sich um die Vernetzung des Haushaltes kümmern. Die Palette reicht vom jüngst durch Google übernommenen Nest, die einen intelligenten Thermostaten entwickelt haben, der per App gesteuert werden kann, über die Firma Tado aus München, die sich ebenfalls den smarten Thermostaten verschrieben hat, bis zu DigitalStrom aus Zürich, die vor allem effiziente Energienutzung im Blick haben. Diese Startups werten umfangreiche Messdaten aus und verknüpfen diese mit ihren vernetzte Systemen, um für den Endanwender eine neue Stufe der Bequemlichkeit, aber auch der Energie-Effizienz zu liefern. Datengetriebene Geschäftsmodelle neuerer Art werden aber vor allem auch im Unternehmensbereich immer üblicher. So kommt mittlerweile kaum ein Startup, das etwas auf sich hält, ohne selbst-konfigurierte Dashboards aus, auf denen die Unternehmenskennzahlen in Echtzeit abgebildet und analysiert werden können. Der Trend zur Realtime-Analysis macht hier auch keinen Halt und je nach definierten KPI werden die Datenquellen direkt angezapft und verfügbar gemacht, wie beispielsweise bei Dailymetrics, einem Startup aus Hamburg.

Aber nicht nur für Unternehmenslenker kann das Aufbereiten von Daten wertvoll sein, sondern auch für die Steigerung der Umsatzpotentiale beispielsweise im eCommerce. Das Startup Akanoo aus Hamburg wertet das Nutzungsverhalten von Kaufinteressierten auf eCommerce-Plattformen aus und sorgt dann in Echtzeit für Incentivierungen, um den Kaufanreiz noch zu verstärken. Natürlich haben wir alle auch schon mal Berührungspunkte mit Startups aus dem Bereich Quantified-Self gemacht, wobei es um die Daten geht, die man selber, oder viel mehr der Körper, produziert. Von Nike+ bis Runtastic reicht hier die Palette im Bereich Fitness, aber es gibt auch Unternehmen, die Apps entwickeln für die Gewichtsreduktion oder den gesunden Schlaf, bzw. das sanfte Wecken am Morgen. Die Firma Datarella zeigt auf, was man alles mit Daten so anstellen kann, vom ökologischen Fußabdruck bishin zur Zufriedenheit im Büro lässt sich vieles messen und darstellen. Wenn allerdings viele Daten vorliegen und für Nutzer aufbereitet werden sollen, dann bietet sich eine Firma wie Text-on aus Berlin an, die aus Daten leserlichen Text generieren und somit vermeiden helfen, dass in Zahlenkolonnen der Blick für das Wesentliche verloren geht.

Die neue Welle der datengetriebenen Geschäftsmodelle bringt aber auch einen Wechsel im Fokus mit sich, der der Startup-Branche ganz gut tut. Man hatte in den vergangenen 5 Jahren oft den Eindruck, dass überwiegend Firmen entstehen, deren primäre Geschäftszwecke sind, die Nutzer mit Abomodellen zu beglücken oder über einen Shoppingclub Waren aus Überproduktionen zu verkaufen. Diese Geschäftsmodelle haben natürlich ihre Berechtigung und sind im erweiterten Sinne auch stark Daten-getrieben, aber was wir jetzt erleben, ist eine Renaissance der Gründungen mit Fokus auf Technologie. Bislang gab es eine Fokussierung eher auf die Optimierung der Werbespendings und des Abverkaufs, was natürlich ein naheliegender Ansatz ist, aber eben nur eine Vorstufe der jetzigen Entwicklung hin zu datengetriebenen Startups. Einhergehend mit diesen Gründungen ist auch die gestiegene Nachfrage nach Spezialisten, so dass Big Data Engineers oder Big Data Analysts derzeit kaum auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Diese Entwicklung wird sicherlich noch intensiver werden, sobald der deutsche Mittelstand das Thema Industrie 4.0 für sich nicht nur entdeckt, sondern es auch durchdrungen hat. Industrie 4.0 wird Daten-getriebene Geschäftsmodelle in Reinkultur liefern und durch die Vernetzung über Standorte hinweg den Mittelstand nachhaltig verändern.

Interessanterweise werden viele dieser datengetriebenen Geschäftsmodelle in Deutschland entwickelt, obwohl es bislang immer hieß, dass der deutsche Datenschutz Fortschritt verhindern würde. Aber auch hier hat es ein Umdenken gegeben, auch wenn immer noch beklagt wird, dass große amerikanische Anbieter auch aufgrund von Safe Harbor immer noch im Vorteil sind. Mittlerweile führen immer mehr Startup das Argument an, dass die Nutzer den Datenschutz made in Germany als Verbraucherschutz ansehen und damit auch den Firmen mehr Vertrauen schenken. Hinzu kommt, dass Datenschutz made in Germany auch bei der Expansion in andere Märkte helfen kann, da in aller Regel die Auflagen weniger strikt sind und Startups daher weniger Herausforderungen an die Erfordernisse anderer Märkte haben. Es ist daher nicht nur wichtig, dass die europäische Datenschutzgrundverordnung zügig umgesetzt wird, sondern auch, dass sie nicht zu einer Verwässerung der bisherigen Regelungen führt. Auch wenn sich viele Unternehmen der Kreativindustrie immer wieder über das Ärgernis Datenschutzrecht aufregen, so sorgen die Regelungen mittel- und langfristig für mehr Vertrauen auf Kundenseite.

Auf den nugg.ad Data Days werden sich junge Startups präsentieren, die neue und innovative daten-getriebene Geschäftsmodelle entwickeln und so quasi zu Goldgräbern werden wollen. Der von einer Jury verliehene Award "Data Pioneer" wird den Sieger des Startup Wettbewerbs auszeichnen und damit zum Ausdruck bringen, wie stark die Entwicklung der Kreativindustrie mittlerweile vom intelligenten Umgang mit Daten beeinflusst wird.

Gewinnspiel

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Worum geht es bei dem Safe Harbor Abkommen?

a) Fische
b) Daten
c) Binnen-Häfen

Senden Sie Ihre Antwort per E-Mail an redaktion@adzine.de, Betreff: Startups@Data Days 2014. Teilnahmeschluss ist Freitag der 29.08.2014.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Regulärer Ticketverkauf auf www.data.days.com

Nico Lumma Über den Autor/die Autorin:

Nico Lumma ist freier Berater und Autor. Er leitet den nugg.ad Inkubator und war nach eigenem Bekunden seit 1995 nicht mehr offline. Laut Wirtschaftswoche gehört er zu den wichtigsten Internet-Köpfen Deutschlands. Nico Lumma bloggt auf lumma.de.