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MOBILE

Globale Entwicklung: Stationärer Handel punktet bei der App-Nutzung

Jens T. Möller, Analyst, 6. March 2020
Bild: Rob Hampson; CC0 - unsplash.com

Das Smartphone ist für die deutsche Bevölkerung schon längst zum universellen Alltagsbegleiter geworden. Neben der Kommunikation dient das Gerät mit seinen Apps auch zunehmend zum Online-Shopping, Gaming oder wird zur Abwicklung von Bankgeschäften verwendet. Das App-Analyseunternehmen App Annie versucht in seiner neuen Studie, Trends im In-App-Kosmos auszumachen. Eine Erkenntnis: Der stationäre Handel kurbelt international das Engagement über Apps an.

Die Studie “The State of Mobile 2020” App Annie untersucht das App-Nutzungsverhalten auf globaler und auch auf deutscher Ebene in den Bereichen der sozialen Netzwerke und Kommunikation-Apps, Shopping- und Gaming-Apps, sowie Streaming- und Finanz-Apps. Das Unternehmen App Annie besteht seit 2010 und analysiert App-Daten von mehr als 1000 Unternehmen. App Annie stehen dabei nicht nur die Daten der eigenen Analyseplattform zur Verfügung, sondern auch die öffentlich zugänglichen App-Store-Daten von Apple und Google. Die Myriade von Datenpunkten sind allerdings mit Vorsicht zu genießen und eher als eine Trendeinschätzung zu verstehen. So rechnet das Unternehmen zum Beispiel damit, dass die weltweiten Mobile Ad Spendings in diesem Jahr um 26 Prozent auf unglaubliche 240 Milliarden US-Dollar ansteigen werden, mehr als die Hälfte der weltweiten Werbeausgaben.

Die durchschnittliche App-Nutzungszeit soll derweil 3,7 Stunden betragen. Deutsche Nutzer liegen da mit etwas über zwei Stunden Nutzung unter dem globalen Durchschnitt. Im Zweijahresvergleich stieg die Nutzung hierzulande jedoch um rund 15 Prozent an.

Zur Untersuchung der Nutzungszeiten nutzte App Annie ausschließlich Android Geräte. Da in Deutschland Android auf einen Marktanteil von weit über 70 Prozent kommt, ist davon auszugehen, dass die Ergebnisse repräsentativ sind. China zeigt sich als das wachstumsstärkste Land was die die tägliche Nutzungsdauer von Smartphones anbelangt. 2019 betrug diese durchschnittlich knapp vier Stunden und zeigte ein Wachstum von 60 Prozent über zwei Jahre. Auch in Frankreich nimmt mit einem Wachstum von rund 25 Prozent die Nutzungsintensität von Smartphones deutlich zu. Hier lag 2019 die tägliche Nutzungsdauer bei circa 2,5 Stunden.

Chance für Shopping-Apps

Die zunehmende Nutzungszeit verbringen Konsumenten auch mit Shopping. So sind die weltweiten Shopping App Downloads im vergangenen Jahr um 20 Prozent gestiegen, in Deutschland verbrachten die Konsumenten um bis zu zehn Prozent mehr Zeit in den Einkaufs-Apps.
Besonders der stationäre Einzelhandel scheint von dieser Entwicklung zu profitieren. Im Jahresvergleich konnten hierzulande Einzelhandels-Apps das User Engagement um etwa 25 Prozent steigern. Damit ist die Wachstumsrate etwa doppelt so hoch wie für Digital-First-Apps. In Großbritannien zeigt sich: Apps großer Supermarktketten wie ASDA, Tesco und Boots finden sich unter den Top Fünf der Programme mit den größten Wachstumsraten. Der stationäre Handel scheint demnach das Wachstum im M-Commerce zu treiben.

Die am stärksten wachsenden Apps in Deutschland sind Digital-First Player wie Ebay und Amazon. Auch das Preisvergleichsportal Idealo befindet sich unter den Top Fünf.

Mobile Gaming wird wichtige Erlösquelle

Viel der täglichen Nutzungszeit fließt ebenfalls in Mobile Games. Die Analyse von App Annie zeigt: Mobile-Spieler sind häufig zahlungsbereit. Die Ausgaben innerhalb von Mobile Games steigen auch in 2019 deutlich an und übertreffen schon seit 2017 die In-Game-Ausgaben bei Konsolen- und PC-Spielen – mittlerweile um 25 Prozent. Gleichzeitig erhöhen sich auch die Werbeeinnahmen von Spiele-Publishern. Werbetreibende Unternehmen lassen zunehmend mehr Budget für Branding-Werbekampagnen in Mobile Games fließen.

Hinsichtlich der Download-Zahlen dominierte in 2019 die Spiele-App Color Bump 3D das Wachstum im deutschen Gaming-App-Markt, gefolgt von Mario Kart Tour und Coin Master. In letzterer Gaming App ließen deutsche Nutzer im vergangenen Jahr das meiste Geld. Ein nicht ganz unkritische Entwicklung, da Coin Master seit längerem in der Kritik steht, Kinder und Jugendliche spielerisch an Glücksspiel heranzuführen. Das Spiel entging jedoch der Indizierung durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien.
Für ebenfalls hohe In-App-Ausgaben sorgten die Gaming Apps Brawl Stars, AFK Arena und PUBG Mobile.

Takeaways

  • Dem aktuellen Bericht von App Annie zufolge verbringen die Menschen weltweit durchschnittlich 3,7 Stunden mit der Nutzung von Apps.
  • Deutsche Nutzer liegen mit etwas über zwei Stunden mobiler Nutzungszeit unter dem globalen Durchschnitt – zweijähriges Wachstum um 15 Prozent.
  • Im Jahresvergleich konnten hierzulande Einzelhandels-Apps das User Engagement um etwa 25 Prozent steigern.
  • Im Gaming-Bereich übertreffen die In-App-Ausgaben den klassischen Spielemarkt (Konsolen und PC) um 25 Prozent.