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ONLINE VERMARKTUNG

Spiegel.de bietet Lesern mehr Datenschutz und Werbefreiheit gegen Bezahlung

11. February 2020 (apr)

Der Spiegel bietet seinen Nutzern ab heute einen Online-Zugang an, der Werbung und Tracking auf den Seiten des Portals deaktiviert. Für das Pur-Abo muss der Leser eine Gebühr von 4,99 Euro monatlich entrichten, bekommt aber als Gegenleistung auch verstärkten Datenschutz. Als erster der großen deutschen Publisher testet der Spiegel damit, ob Nutzer tatsächlich bereit sind, für Privatsphäre und Werbefreiheit im Netz mit harter Währung anstatt mit ihren Daten zu bezahlen – ganz ohne zusätzliche Anreiz wie etwa exklusive Reportagen.

Neben dem Pur-Abo, dessen Name vom österreichischen Vorreiter, dem “Standard”, entlehnt ist, bleibt das werbefinanzierte Modell bestehen. Ein Pop-up weist die Leser beim ersten Besuch der Website auf die neue Option hin und bietet die Registrierung an, dessen Preis für Spiegel Plus-Abonnenten auf 1,99 Euro im Monat gesenkt ist. Das bislang lediglich werbereduzierte Plus-Angebot ist in dem Fall komplett werbefrei.

Mit einem Pur-Abo konsumieren die Leser die digitalen Inhalte des Spiegels “weitestgehend ohne Werbung”, nur in speziellen Formaten wie Podcasts fehlen laut eigener Aussage die technischen Möglichkeiten, die Anzeigen auszublenden. Auch Eigenwerbung für Spiegel-Produkte bleibt bestehen und mit dem Tracking für eigene Zwecke, wie für die Messung der Artikelreichweite oder Videoaufrufe, muss sich der Pur-Abonnent ebenfalls abfinden. Es gehen jedoch keine Daten an Dritte für Werbezwecke mehr heraus.

Die Motivation des Verlags und praktische Umsetzung des Pur-Modells

“Klar ist: Die alten Zeiten Performance-unabhängiger Werbung sind passé. Für sie gibt es schlicht zu wenig Nachfrage. Mit ihr ein vollwertiges Qualitätsmedium zu unterhalten, ist nahezu unmöglich”, schreibt der Verlag auf Medium. “Ohne Einnahmen aus Perfomance-orientierter Werbung oder Leser*innen-Erlöse ließen sich, wenn überhaupt, digitale Anzeigenblättchen finanzieren, aber nicht Qualitätsmedien.” Eine Bezahlpflicht oder alternativlose Zustimmung zu Tracking und Anzeigen sei nicht infrage gekommen, daher habe man sich für diese Variante entschieden, die laut eigener Aussage von den Lesern verstärkt nachgefragt wurde.

Dabei sei die Umsetzung des Angebots komplex gewesen. Geholfen habe allerdings, dass die komplette Struktur der digitalen Angebote inklusive aller Tracking- und Anzeigenintegrationen im Zuge eines Relaunch-Projekts neu aufgebaut wurden und die Funktionen des Pur-Abos somit schon berücksichtigt werden konnten. Adobe Analytics sei in diesem Zuge als Haupt-Analysedienstleister mit an Bord, um Datenschutz zu gewährleisten. “Wir haben jedes einzelne andere Reichweiten-Messtool, das wir für unsere eigenen Analysen nutzen, und jeden Dienstleister darauf geprüft, ob nebenher womöglich auch Werbezwecke bedient werden. Außerdem haben wir jede der vielfältigen Werbeformen auf unseren Seiten hinterfragt”, so der Verlag.

Die Zeit wird zeigen, ob das Modell vom Spiegel erfolgreich sein kann. Ein weiteres Standbein neben dem Plus-Abo und der Werbefinanzierung ist sicherlich wertvoll für das Portal. Die kritische Frage bleibt allerdings, ob die Nutzer allein mit Werbe- und Tracking-Freiheit zu locken sind, anstatt mit exklusiven Inhalten. “In jedem Fall werden wir beobachten, wie das neue Angebot angenommen wird, bei Gelegenheit berichten – und das Modell weiterentwickeln”, schließt der Spiegel seine Erklärung ab.

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