STUDIEN & ANALYSEN

E-Commerce: Eine von drei Bestellungen erfolgt über Mobile

Jens T. Möller, Analyst, 29. January 2020
Bidl: Antonio Guillem; Adobe Stock

Im Bereich des Online-Handels wird stetig mehr Geld in Werbung investiert. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass der E-Commerce für die deutsche Werbeindustrie mittlerweile der größte Mediakunde ist. Nach einer Schätzung von Nielsen sind die Bruttowerbeausgaben im Online-Handel in den ersten drei Quartalen 2019 um rund 1,8 Prozent auf insgesamt 2,65 Milliarden Euro gestiegen. Für den E-Commerce selbst war das vergangene Jahr ein absolutes Rekordjahr mit einem Bruttoumsatz von 72,6 Milliarden Euro. Der Bestellprozess erfolgte dabei zunehmend über mobile Geräte. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel e.V. (BEVH).

Im Rahmen der jährlich erscheinenden Verbraucherbefragung “Interaktiver Handel in Deutschland” hat der BEVH zusammen mit seinem Partner, der Beyondata GmbH, von Januar bis Dezember 2019 40.000 Privatpersonen aus Deutschland im Alter ab 14 Jahren zu ihrem Ausgabeverhalten im Online- und Versandhandel sowie zum Konsum digitaler Dienstleistungen befragt. Dabei zeigt sich, dass jeder dritte Online-Käufer mittlerweile mehrmals die Woche im Internet bestellt. Dies hat im vergangenen Jahr den Bruttoumsatz für Waren im E-Commerce auf ein Rekordhoch von 72,6 Milliarden Euro ansteigen lassen. Gegenüber der Vorjahreserhebung ergibt sich somit ein Anstieg von 11,6 Prozent. Und auch der Interaktive Handel, der neben Online-Käufen auch schriftliche und telefonische Bestellungen erfasst, wächst 2019 mit 9,9 Prozent auf 94 Milliarden Euro an.

Eine von drei Bestellungen erfolgt über Mobile

Die Ergebnisse der Verbraucherbefragung verdeutlichen weiter, dass eine von drei Bestellungen mittlerweile über Smartphones oder Tablets und somit Mobile erfolgt. Im Vergleich dazu wurde vor fünf Jahren lediglich jede fünfte Bestellung über ein mobiles Device getätigt. Somit scheint die zunehmende Veränderung des digitalen Nutzungsverhaltens auch beim Online-Einkauf angekommen zu sein. Nach Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat vor allem der Gigant Amazon eine besonders hohe mobile Nettoreichweite beim Online-Shopping.

Darüber hinaus steigt auch die Zufriedenheit der Kunden beim digitalen Einkauf weiter an und kann somit ebenfalls als Grund für die gesteigerte Bestellfrequenz zurückgeführt werden. Demnach äußerten sich 76 Prozent der Befragten mit ihrem Online-Kauf als sehr zufrieden, vor einem Jahr waren es noch 73,8 Prozent. Überhaupt nicht zufrieden zeigen sich gerade einmal 0,5 Prozent der Umfrageteilnehmer.

Gero Furchheim, der Präsident des BEVH, betrachtet diese Entwicklung sehr positiv: “Deutschlands Online-Handel ist auf der Überholspur. E-Commerce wird immer effizienter und die Händler sind für weiteres Wachstum gut gerüstet. Die Steigerung der Kundenzufriedenheit in einem erneuten Wachstumsjahr hat dies eindrucksvoll gezeigt.”

Umsatz- und Wachstums-Champions im Online-Handel

Dem BEVH-Bericht zufolge erzielte 2019 die Warengruppe Bekleidung mit einem Bruttoumsatz von weit über 14 Milliarden Euro den stärksten Bruttoumsatz im E-Commerce, dicht gefolgt von Elektronikartikeln und Telekommunikation. Die Wachstumsraten der Letztgenannten liegen hier bei circa 12 Prozent. Wachstums-Champion ist hingegen mit 17,3 Prozent der Bereich der Lebensmittel, gefolgt von Haushaltswaren und -geräten mit 15,3 Prozent.

Gemessen am Gesamtumsatz im E-Commerce spielt der Lebensmittelbereich jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Der 2019 erzielte Bruttoumsatz für online eingekaufte Lebensmittel beträgt laut bevh circa 1,6 Milliarden Euro und macht somit etwa 2,2 Prozent am Gesamtumsatz aus. Weitere wachstumsstarke Warengruppen im E-Commerce sind Haus- und Heimtextilien (+14,2 Prozent), Medikamente (+13,6 Prozent) und Computer/-zubehör (+13,5 Prozent) – Wachstumszahlen, von denen der stationäre Handel oft nur noch Träumen kann.

Christoph Wenk-Fischer, Hauptgeschäftsführer des BEVH, sieht deshalb auch die Zukunft im Digitalen: “Das Rekordjahr 2019 hat gezeigt: Das digitale Geschäft ist der Motor des Handels und Plattformen werden mehr und mehr zum Betriebssystem der gesamten Wertschöpfungskette. Einzel- und Großhandel werden digital oder verschwunden sein.”

Ausblick für das aktuelle Jahr

Nach Schätzung von dem BEVH und der Beyondata GmbH wird der E-Commerce-Umsatz mit Waren 2020 rund 80 Milliarden Euro Brutto erreichen. Das Wachstum soll sich jedoch, bedingt durch wirtschaftliche Unsicherheiten, leicht verlangsamen. Hier wird ein Zuwachs von circa zehn Prozent vorhergesagt. Der Gesamtmarkt des Interaktiven Handels mit Waren und Dienstleistungen soll 2020 einen Bruttoumsatz von mehr als 100 Milliarden Euro erreichen.

Takeaways

  • Für den E-Commerce selbst war das vergangene Jahr ein absolutes Rekordjahr mit einem Bruttoumsatz von 72,6 Milliarden Euro.
  • Jeder dritte Online-Käufer bestellt mittlerweile mehrmals die Woche im Internet.
  • Weiterhin zeigt die Verbraucherbefragung, dass eine von drei Bestellungen mittlerweile über Smartphones oder Tablets und somit Mobile erfolgt.
  • Die stärksten Bruttoumsätze im E-Commerce erzielten 2019 die Warengruppen Bekleidung sowie Elektronikartikel und Telekommunikation.
  • Wachstums-Champion ist hingegen mit 17,3 Prozent der Bereich der Lebensmittel, gefolgt von Haushaltswaren und -geräten mit 15,3 Prozent.
  • Nach Schätzung von dem BEVH und der Beyondata GmbH wird der E-Commerce-Umsatz mit Waren 2020 rund 80 Milliarden Euro Brutto erreichen.

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