MOBILE

Mobile Trends: Technologie und Emotionen

24. April 2018 (jvr)
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Augmented oder Virtual Reality? Internet of Things? Voice? Oder gleich Gehirnstrommessung? Was sind die Game Changer im Mobile Marketing? Und wo wird am Kunden vorbei geplant? Digitalexperte und Mobile Ad Summit Speaker Karl Aschinger, Client Consultant von der österreichischen Agentur IQ Mobile, im Interview.

ADZINE: Herr Aschinger, was macht IQ Mobile genau und für wen?

Karl Aschinger, Client Consultant Mobile: Wir entwickeln mobile Kommunikationslösungen für Markenunternehmen. In der Regel kommen wir dann ins Spiel, wenn es technisch aufwendiger wird. Wir erzeugen zwar auch Creatives und Content, aber das ist nicht unser Hauptfokus.

ADZINE: Kunden wie zum Beispiel?

Aschinger: Einer unserer spannendsten Kunden ist IKEA. Für die haben wir eine App für das „IKEA Family“-Programm entwickelt. Die läuft in Österreich und in der Schweiz. Das ist ein sehr erfolgreiches Projekt. IKEA Family hat ja ohnehin eine hohe Kundenbindung, da liegt es nahe, eine App zu entwickeln.

ADZINE: Da es darum geht, die Kunden in die Läden zu bekommen, wäre es naheliegend, die Conversions zu messen.

Aschinger: Das können wir zwar, brauchen es aber gar nicht. Das Family-Programm ist ja ein CRM-Programm. Es lohnt sich schon immer für den Family-Kunden, Punkte zu sammeln, und dafür muss er sich an der Kasse zu erkennen geben.

Unser Ansatz ist etwas anders. Wir haben in den Eingangsbereichen Beacons verbaut, die Kunden mit der App erkennen. Diesen Kunden schicken wir eine Begrüßungsnachricht und persönliche Angebote.

ADZINE: Fragen heute mehr Kunden Web Apps nach, im Vergleich zu nativen Apps?

Karl Aschinger

Aschinger: Nein. Aber für einige Kunden sind die Web Apps einfach passender. Unternehmen, bei denen die Kunden nur selten vorbeischauen. Unternehmen, die nicht so groß sind, um eine App gut verbreiten zu können. Das kostet ja auch Geld. Dennoch können native Apps natürlich deutlich mehr. Wenn ich drei oder vier interaktive Elemente in eine Web App einbaue, kann die schon sehr langsam werden.

ADZINE: Bauen Sie in die IKEA-App auch Augmented Reality ein?

Aschinger: Nein. Das ist schon in der großen IKEA-App enthalten. Für mich ist das ein wegweisendes Beispiel, wohin Technologie führen kann. Wenn mich meine Freundin fragt, ob wir am Samstag zu IKEA gehen, löst das bei mir regelrecht Panik aus. Inzwischen kann ich den Einkauf mit der IKEA-App ziemlich gut visuell planen und dadurch wird der Besuch im Laden einfacher und stressfreier.

ADZINE: Eher Augmented Reality oder eher Virtual Reality?

Aschinger: Beides, aber mit unterschiedlichen Einsatzbereichen. Augmented Reality ist einfacher zu realisieren und daher kostengünstiger. Im Bereich Virtual Reality tut sich derzeit die Bau- und Immobilienbranche hervor. Es hat schon einen riesigen Mehrwert, wenn man ein Haus, das erst in drei Jahren entsteht, heute schon virtuell besichtigen kann. Das ist auch für den Kunden ein komplett neues Kauferlebnis.

Aber dennoch ist es nicht disruptiv. Es fügt sich in den normalen Kaufprozess ein, sorgt aber für eine völlig neue Form der Visualisierung. Das ist der Grund, warum die Baubranche das leicht adaptieren kann. Im Grunde ändern sich die Prozesse nicht.

Wir müssen schon davon ausgehen, dass die Kunden auch in fünf Jahren noch nicht in ausreichender Zahl eigene VR-Headsets haben. Das Anwendungsszenario sieht also vor, dass die Industrie, der Handel oder das Marketing VR-Installationen realisieren und auch betreuen.

ADZINE: Was war Ihr bislang spannendstes Projekt in diesem Bereich?

Aschinger: Das waren die Herzkinder. Ein Charity-Projekt, bei dem wir für Kinder in einer Herzklinik eine Anwendung mit 360-Grad-Filmen aus dem Circus Roncalli realisiert haben. Für uns war das ein tolles Training, für die Kinder eine willkommene Abwechslung in einem eher traurigen Alltag. Das war sehr emotional.

ADZINE: Nimmt die Bedeutung von Visualisierung angesichts IoT und Voice auf Dauer ab?

Aschinger: Eine sehr spannende Frage. Voice wird definitiv die Art ändern, wie wir mit dem Computer arbeiten. Aber manche Dinge wollen wir gerne sehen. Das ist ja auch eine der Schwächen der smarten Home-Lautsprecher. Ihr Nutzwert ist begrenzt. Nein, ich glaube Visualisierung verliert nicht an Bedeutung.

ADZINE: Sie haben auch begonnen, mit Hirnstrommessung zu arbeiten. Was kann man damit machen?

Aschinger: Wir können Emotionen erkennen und visualisieren. Das hat ein sehr breites Anwendungsfeld. Wir testen Werbemittel, Websites oder Produktdesigns. Wir sind auch in der Lage zu messen, ob ein bestimmter Sprachstil einem Kunden eher gefällt.

Die Messung der Hirnströme ist wesentlich objektiver als die Ergebnisse einer Befragung. Denken Sie an einen Lügendetektor. Oft wissen die Menschen im Bewusstsein ja gar nicht, dass ihnen etwas besser gefällt als etwas anderes. Sie können es nur sehr ungenau formulieren. Da gibt die Hirnstrommessung deutlich mehr Aufschluss über die emotionalen Kundenwünsche.

ADZINE: Hat das außer Marktforschung einen Praxisbezug?

Aschinger: Bei uns noch nicht, aber Kollegen aus dem Dentsu-Netzwerk haben mit UNIQLO eine Kampagne gemacht, in der Kunden passend zu deren gemessenen Gefühlen Produkte angeboten wurden. Ein Empfehlungssystem mit Tiefenwissen, wenn man so will. Die Kollegen berichten, dass das extrem erfolgreich funktioniert hat.

ADZINE: Vielen Dank Herr Aschinger, wir freuen uns auf die gemeinsamen Diskussion im Trend-Panel auf dem Mobile Advertising Summit am 25. April in Berlin.