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Criteo baut an eigenem Commerce-Ökosystem

10. Oktober 2017 (ft)
Bild: Danist NG; CC0 - unsplash.com

Früher hauptsächlich für Retargeting bekannt, will Criteo nun neue Wege gehen. Das Technologieunternehmen plant ein offenes "Commerce Marketing Ecosystem", ein Netzwerk von Retailern, Marken und Publishern. Ziel: eine Datenallianz gegen Retail-Riesen wie Amazon und Alibaba. Dafür sollen noch im Oktober neue Beta-Phasen starten: Criteo Audience MatchBETA und Criteo Customer AcquisitionBETA.

Der Löwenanteil des Umsatzes käme auch weiterhin aus dem Retargeting, berichtet Alexander Gösswein, Managing Director für Zentraleuropa bei Criteo, auf einem Pressetermin. Nun soll jedoch auch die Suite für Commerce-Marketing-Lösungen sukzessive ausgebaut werden. Dabei sollen Retailer und Marken vor allem durch ein großes Datenset profitieren. Criteo möchte dafür die Technologie zur Verfügung stellen.

Bei der Neukundengewinnung will Criteo durch die Customer Acquisition Beta punkten. Die Performance-basierte Akquise-Lösung analysiert dafür bisherige Verhaltensdaten und erstellt ein Profil des idealen Zielnutzers. Sie identifiziert neue Kunden, die dem Zielprofil entsprechen und adressiert sie mit den Produkten, die für sie voraussichtlich am interessantesten sind. Kosten fallen nur an, wenn der Shopper erfolgreich angesprochen wird. In Großbritannien lief die Beta bereits früher an und erzielte, nach Aussage Gössweins, bereits sehr vielversprechende Ergebnisse. In Deutschland soll die Beta-Phase am 23. Oktober mit zehn ausgewählten Kunden starten.

Mit der Audience Match Beta plant Criteo die verbesserte Ansprache von sowohl Neu- als auch Bestandskunden. Die Lösung soll auch außerhalb von Walled Gardens zu größerer Inventarreichweite und besseren Matching-Raten führen. Mit bestehenden CRM- oder auch DMP-Daten sollen Marken aus bestehenden Nutzerprofilen neue Online-Profuile ableiten können. Die Matching-Rate soll nach Angaben von Criteo bis zu 60 Prozent erreichen.

Datenpool als Grundlage

Die Basis für das gesamte Commerce Marketing Ecosystem und auch die neuen Lösungen bildet ein gemeinsamer Datenpool von Retailern, Marken und Publishern, den Criteo weiter ausbauen will. Auf die Frage hin, ob es nicht zu einem Ungleichgewicht zwischen größeren und kleineren Publishern hinsichtlich der Datenmenge kommen könnte, entgegnet Alexander Gösswein: 97 Prozent der Nutzer seien ohnehin auf jeder angeschlossenen Seite gewesen. Jeder Teilnehmer würde demnach nur etwa drei Prozent Unique-User-Informationen dem Datenpool beisteuern. Hierbei sei in einigen Fällen Überzeugungs- bzw. Aufklärungsarbeit gefragt.

„Die traditionelle und digitale Welt verschmelzen und erschüttern das Geschäftsmodell des Handels. Das Einkaufsverhalten von Kunden zu verstehen, wird wegen der medialen Fragmentierung und der Multi-Device-Nutzung zunehmend anspruchsvoller. Vorausschauende Marken und Retailer, die einen kollaborativen Ansatz hinsichtlich Data Sharing verfolgen, sind für die Zukunft am besten im Bereich der Kaufentscheidungsprozesse von Nutzern aufgestellt“, kommentiert Seth Ulinski, Senior Analyst bei Technology Business Research, Inc. „Gemeinsame Datenpools ebnen Marketingtreibenden und Publishern den Weg, um relevante und ansprechende Erfahrungen für Konsumenten zu schaffen und damit Commerce-Möglichkeiten zu fördern.“