MOBILE

RNTS Media hat große Pläne mit Fyber

Von Jens von Rauchhaupt, 10. März 2016
dollarphotoclub.com Bild:envfx

Im Jahr 2014 wurde Sponsorpay in Fyber umfirmiert. Das Ziel: Die Schaffung einer übergeordneten und internationalen Monetarisierungsplattform, über die App-Publisher ihr Inventar dem programmatischen Einkauf zur Verfügung stellen. Was dabei für Fyber offenbar besonders zählt, ist „Scale“, wie Fyber-Mitbegründer und COO Janis Zech in unserem Interview sagt. RNTS Media, der Mutterkonzern von Fyber, hat dazu erst die US-amerikanische Mobile SSP Heyzap und nun die Mobile SSP und Ad Exchange Inneractive übernommen.

Inneractive aus Israel betreibt einen internationalen Marktplatz für mobile Werbung, spezialisiert auf Mobile-Display-, Native- und Videoformate. Insgesamt legte RNTS Media für die beiden Akquisitionen 91 Mio. US Dollar auf den Tisch. Im Gegenzug verfügt RNTS Media nun in der Summe über 1 Mrd. monthly active Users (MAUs), auf die Advertiser jetzt programmatisch zugreifen können.

Adzine: Herr Zech, bevor wir zu Inneractive kommen, ist Fyber eigentlich schon selbst eine Ad Exchange? Bisher war doch Fyber im Kern eine Mobile SSP und Mediation-Plattform für App-Publisher, oder?

Janis Zech: Unsere Fyber-Plattform besteht aus mehreren Produkten. Neben dem SSP- bzw. Mediation-Layer haben wir eine Exchange mit Schwerpunkt Video-Advertising entwickelt und wir werden noch in Kürze weitere Produkte launchen.

Adzine: Wozu war es dann noch nötig, Inneractive zu übernehmen, wenn Fyber diese Funktionen doch schon selbst im Angebot hatte?

Janis Zech

Zech: Inneractive ist eine extrem schnell wachsende Firma, die insbesondere mit ihrem RTB Exchange im Mobile-Display-Bereich gewachsen ist und auch nach und nach mehr Traction mit Video- und Native-Formaten bekommen hat. Es gibt eigentlich zwei Hauptgründe für die Akquisition: Unsere Fyber-Plattform hat ihren Schwerpunkt bisher auf Freemium-Apps aus den Bereichen Mobile Games, Social Networking und Communication, während die Apps, die bei Inneractive angeschlossen sind, eher zu den Segmenten Entertainment, Productivity, News und Utility zählen. Zum anderen sind wir der Meinung, dass langfristig „Scale“ zählt, also die Menge an Unique Usern und Impressions für uns wichtig wird. Inneractive mit seinen 630 Mio. monthly Actives und Fyber mit seinen 540 Mio. monthly Actives passen da sehr gut zusammen, um letztendlich den verschiedenen Einkäufern ein breites Inventarangebot zur Verfügung zu stellen.

Adzine: Ist geplant, Fyber und Inneractive zusammenzulegen?

Zech: Langfristig arbeiten wir an einer gemeinsamen Plattform, kurzfristig glauben wir aber, dass wir beide Unternehmen getrennt wachsen lassen. Wir werden aber gezielt schon jetzt auf Synergien setzen, da wo es Sinn macht. Aber ja, die Vision ist, in drei bis fünf Jahren eine integrierte Plattform zu bauen, die verschiedenste Publisher-Verticals adressiert und so den App-Publishern die bestmögliche Monetarisierung gewährleistet.

Adzine: Beschränkt sich diese zukünftige gemeinsame Exchange nur auf App-Inventar?

Zech: Fyber und Inneractive haben ihren Schwerpunkt größtenteils auf App-Inventar. Wir haben aber letztes Jahr die Falk Realtime übernommen, d. h., wir haben schon jetzt eine SSP und ein Adserving Offering, das sich an Desktop-Publisher richtet. Wir beschränken uns also nicht nur auf Apps. Zukünftig wollen wir auch Mobile-Webseiten und Desktop-Inventar in die Plattform integrieren.

Adzine: Warum kauft RNTS Media eher im Ausland ein, gibt es keine interessanten deutschen Firmen im Bereich Mobile Programmatic?

Zech: Wir suchen Unternehmen, die zu unserer Strategie passen, und Inneractive entwickelt sich derzeit sehr dynamisch. Im Übrigen sind wir in Richtung Standort der Unternehmen völlig offen, solange wir uns vorstellen können, dass wir gut mit den Gründern oder Geschäftsführern zusammenarbeiten können. Das ist eigentlich mit das Wichtigste, denn der Erfolg einer Akquisition entscheidet sich immer erst zwei bis drei Jahren nach der Übernahme.

Adzine: Fyber und Inneractive bieten programmatische Lösungen für die Angebotsseite. Wird bei RNTS Media auch darüber nachgedacht, Plattformprodukte für die Einkaufsseite zu entwickeln?

Zech: Wir glauben, dass die Interessen der Angebotsseite und die der Nachfrageseite gegenläufig sind. Entsprechend haben wir mit unseren Plattformen den Fokus ausschließlich auf die Angebotsseite gerichtet.

Adzine: Herr Zech, vielen Dank für das Gespräch.

Update vom 11. März: Fyber integriert Falk Realtime

Gestern Abend gab Fyber noch bekannt, dass sie den Falk Realtime Ad Server in die Fyber Plattform integriert haben, um den App Publishern erweiterte Funktionen bieten zu können. Gemeint sind beispielsweise SDK-unabhängiger Direktverkäufe des Inventars über ein Self-Service Oberfläche sowie Cross-Promotion-Kampagnen.

Grafik: Presse: Fyber/RNTS Media

Die konkreten Vorteile für Mobile-Entwickler und App Publisher seien laut Fyber::

● Sie können direkte Verträge und Kampagnen mit Werbenetzwerken, Werbekunden und Mediaagenturen aufsetzen und diese verwalten, ohne ein neues SDK (Software Developer Kit) integrieren zu müssen.

● Sie können User innerhalb ihres Portfolios über Cross-Promotion-Kampagnen mehrfach ansprechen, um neue Apps zu bewerben und das Interesse von relevanten Usern an den Apps zu steigern.

● Sie erhalten detaillierte Kontrollmöglichkeiten und mehr Flexibilität im Hinblick auf Kampagnenmanagement, inklusive Targeting, Pacing, Pricing und Testen von Werbemitteln.

● Sie können Wettbewerb zwischen den drei Plattform-Produkten Mediation, Exchange und Ad Serving von Fyber kreieren und dadurch die Gesamtumsätze erhöhen.