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Adblock Plus: „Wir wollen einen Mittelweg etablieren“

Von Jens von Rauchhaupt, 24. Januar 2013

Adblock Plus ist der wohl weitverbreitetste Werbeblocker überhaupt. Weltweit sind es 45 Millionen aktive Nutzer, die die Software mit dem Kürzel ABP auf ihrem Browser installiert haben und auf diesem Wege monatlich milliardenfach Werbekontakte verhindern. Nun wollen die Macher von Adblock Plus der Werbewelt mit der Acceptable-Ads-Initiative die Hand reichen. Wir sprachen dazu mit Till Faida, Geschäftsführer und Mitbegründer der eyeo GmbH, die mit Adblock Plus die Acceptable-Ads-Initiative ins Leben gerufen hat.

Adzine: Herr Faida, 45 Millionen Nutzer weltweit haben den Werbeblocker Adblock Plus installiert. Sind Sie ein Feind der Online-Werbung?

Till Faida: Nein. Unser Angebot richtet sich sowohl an Menschen, die schlechte und nervige Internetwerbung so satt haben, dass sie dagegen extra eine Software installieren, und gleichzeitig auch an Unternehmen, die mit Werbung ihre Angebote monetarisieren. Wir wollen niemanden das Geschäft vermiesen oder gar das kostenlose Internet gefährden. Wir sehen uns zwischen beiden Seiten. Man kann es natürlich keiner Seite wirklich recht machen, aber wir versuchen es zumindest.

Adzine: Kurz zur Geschichte von Adblock Plus. Stammt Adblock und Adblock Plus aus einer Feder?

Till Faida: Adblock war die erste Version, die allerdings vom ursprünglichen Entwickler nicht mehr weiterentwickelt wurde. Adblock Plus ist sozusagen die zweite Version von Adblock, die von Wladimir Palant aus Köln als eine Art Hobbyprojekt fortgeführt wurde und weiterentwickelt wird.

Till Faida

Adzine: Und wie kamen Sie ins Spiel?

Till Faida: Ich selbst komme eigentlich aus einer anderen Ecke, dem Online-Marketing. Ich war einige Zeit für eCircle im Londoner Büro im Bereich Affiliate-Marketing tätig. Mit dem Adblocker-Thema hatte ich eigentlich erst nichts zu tun. Doch 2010 habe ich dann für ein großes europäisches Werbenetzwerk eine Analyse über den Einfluss der Werbeblocker durchgeführt. Wir wollten herausfinden, wie viele Kontakte uns verloren gingen, und untersuchten daher die Anzahl der Nutzer, die einen Adblocker installiert haben.

Adzine: Und das Ergebnis?

Till Faida: Damals waren es auf Deutschland hochgerechnet 12 Prozent aller Nutzer, die aktiv einen Adblocker nutzten. Die Zahlen haben mich so überrascht, dass ich mit dem Entwickler von Adblock Plus, der schon damals am weitesten verbreitet war, Kontakt aufgenommen habe. Da ist mir die Idee gekommen, dass wir die Popularität der Software nutzen könnten, um einen Mittelweg zu etablieren, der die Einnahmequelle einer Webseite nicht komplett zerstört, aber bei dem gleichzeitig der Nutzer so respektiert wird, dass er nicht von schlechter Werbung genervt wird.

Adzine: Bevor wie über diese Acceptable-Ads-Initiative sprechen. Wie schätzen Sie die Lage heute ein. Wie viele Nutzer in Deutschland blocken die Werbung?

Till Faida: Mittlerweile liegt der Wert im Schnitt zwischen 15 und 20 Prozent. Das hängt aber auch stark vom Thema der Webseiten ab. Auf IT-affinen Seiten sind es oftmals über 50 Prozent der Nutzer, die einen Adblocker einsetzen. Insgesamt haben wir 45 Millionen aktive Nutzer weltweit, also Nutzer, die einmal die Woche mit dem Adblock Plus im Internet surfen.

Adzine: Wie funktioniert das Blocking technisch; unterbinden Sie den Ad Request an den Adserver oder erst die Auslieferung des Werbebanners durch den Adserver?

Till Faida: Die Filterung findet bereits statt bevor der Ad Request den Adserver erreicht.

Adzine: Für welche Browser gibt es Adblock Plus?

Till Faida: Die meisten Adblock-Plus-Nutzer setzen Firefox ein, viele kommen auch über Chrome. Für den Internet Explorer gibt es Adblock Plus noch nicht, wird aber bald kommen.

Adzine: Was ist jetzt die Acceptable-Ads-Initiative?

Till Faida: Wir haben eigene Kriterien für akzeptable Werbung aufgestellt. Jeder, der eine Webseite mit Werbeplätzen betreibt und meint, dass diese den Kriterien entspricht, kann sich bei uns um die Aufnahme bewerben.

Adzine: Wer entscheidet darüber, welche Werbung akzeptabel und welche Webseite in die Whitelist der Initiative aufgenommen wird?

Till Faida: Adblock Plus ist ja nach wie vor ein Community-Projekt. Da sind über 100 Leute involviert, die freiwillig und nach dem Wikipedia-Prinzip mitarbeiten. Die überprüfen dann, ob der Webseitenbetreiber die Kriterien eingehalten hat.

Adzine: Was sind das nun für Kriterien genau?

Till Faida: Die Werbung muss klar gekennzeichnet sein, sie muss vom Inhalt getrennt sein, sie darf keinen Ton haben, soll nicht aufwendig animiert sein und damit vom Inhalt ablenken usw. … Das kann man bei uns auf der Webseite http://adblockplus.org/de/acceptable-ads#criteria einsehen.

Adzine: Bei den Kriterien bleibt für die Werber aber nicht viel übrig. Wie ist denn die Resonanz aufseiten der Webseitenbetreiber?

Till Faida: Nachdem die Closed Beta mit unseren ersten Partnerseiten beendet wurde, bewerben sich nun immer mehr Webseitenbetreiber um eine Aufnahme. Jetzt arbeiten wir an Verbesserungen an unserer Webseite, um die Aufnahme für die Publisher einfacher und benutzerfreundlicher zu gestalten.

Adzine: Die Aufnahme auf die Acceptable-Ads-Whitelist ist für die Seitenbetreiber kostenlos? Wie finanzieren Sie sich denn dann?

Till Faida: Im Allgemeinen ist die Aufnahme kostenlos. Wir wollen die Webseitenbetreiber unterstützen. Kleine Seitenbetreiber und Blogs müssen nichts bezahlen. Die Initiative soll dafür sorgen, dass Adblocking nicht unkontrolliert destruktiv ist. Auf der anderen Seite müssen wir das Ganze finanziell auf solide Beine stellen. Dazu haben wir Partnerschaften mit Unternehmen geschlossen, die daran interessiert sind, dass wir nachhaltig Erfolg haben. Diese Partner unterstützen uns finanziell. Eine Non-Profit-Community würde das alles nicht in die richtigen Bahnen lenken können.

Adzine: Gut, aber was sind das denn für Unternehmen, die eyeo und die Acceptable-Ads-Initiative finanziell unterstützen?

Till Faida: Zu einzelnen eyeo-Partnerschaften wollen wir uns nicht äußern. Bei den Unternehmen, die unsere Acceptable-Ads-Initiative unterstützen, sind aber recht viele große namhafte Unternehmen dabei.

Adzine: Man liest anderenorts zum Beispiel, dass auch United Internet Media mit einigen Webseiten mit im Boot sei?

Till Faida: Wir arbeiten mit vielen namhaften Unternehmen zusammen. Wir haben keine klassischen Banner von United Internet Media freigeschaltet. Wir arbeiten direkt mit 1&1 zusammen und haben einige Ads auf den Portalen GMX, mail.com und WEB.DE in die Acceptable-Ads-Liste aufgenommen. Einige Firmen sind nicht so offen für den Dialog. Andere wollen einfach nicht genannt werden. Jede Firma oder Vermarkter kann aber auf uns zukommen. Wir geben uns gegenüber jedem Marktteilnehmer gesprächsbereit.

Adzine: Nährt das nicht den Verdacht, dass Webseiten von ausgewählten, strategischen Partnern bevorzugt werden und leichter auf die Acceptable-Ads-Whitelist kommen?

Till Faida: Nein. Man kann sich ja schon deshalb nicht einkaufen, weil die Community an der Überprüfung beteiligt ist. Man kommt ja nicht einfach so auf die Whitelist. Die Kriterien müssen eingehalten werden. Das ist ein transparenter Prozess.

Adzine: Wie reagieren die Nutzer, die Adblock Plus nutzen und trotzdem plötzlich Werbung sehen? Oder ist das eine „Filtereinstellung“, für die der Nutzer eigens ein Häkchen setzen muss?

Till Faida: Die Acceptable Ads sind standardmäßig aktiviert, d. h., User können die Funktion ganz leicht deaktivieren. Obwohl wir unsere Nutzer darüber sehr transparent aufklären, haben bisher weniger als 1 Prozent der Nutzer die Acceptable Ads deaktiviert. Dies zeigt die hohe Akzeptanz für unser Vorgehen, da sich 99 Prozent so bereiterklären, Websites mit unaufdringlicher Werbung zu unterstützen. Übrigens haben unsere Nutzer eine 30 Prozent höhere Klickrate als "normale" Internetuser. Das bestätigt, dass Werbung nicht grundsätzlich abgelehnt wird und weniger manchmal mehr ist.

Adzine: Herr Faida. Vielen Dank für das Gespräch!

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