Die Zahl der Abonnenten von Streaming-Angeboten mit Werbeunterbrechungen wächst deutlich. Besonders bei Netflix und Disney+ ist das Wachstum laut aktuellen Einschätzungen aus den USA fast ausschließlich auf diese günstigeren, werbefinanzierten Modelle zurückzuführen. Darauf verweist das Investmentbanking-Unternehmen Morgan Stanley, wie der Wirtschaftsdienst Sherwood berichtet. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Abonnenten werbefreier Tarife ab.
Hintergrund ist eine anhaltende Preisentwicklung. In den USA sind die Kosten für Streaming-Abonnements im Jahr 2025 im Schnitt um zwölf Prozent gestiegen. Damit ist es laut der Convergence Research Group bereits das vierte Jahr in Folge mit zweistelligen Preissteigerungen bei den zehn größten Streamingdiensten. Auch in Deutschland haben Anbieter wie Disney+ und RTL+ zuletzt ihre Preise erhöht.
Bestehende Abonnenten wechseln zunehmend in werbebasierte Varianten
Die Preissteigerungen führen dazu, dass viele Nutzer:innen ihre bisherigen, teureren Abonnements ohne Werbung kündigen, den Dienst aber nicht vollständig verlassen. Stattdessen wechseln sie in günstigere Tarife mit Werbung. In den USA nutzt nach Schätzungen von Morgan Stanley inzwischen rund die Hälfte der Kunden von Disney+ ein teilweise werbefinanziertes Modell. Bei Netflix liegt der Anteil demnach bei etwa 30 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 39 Prozent bei Disney+ und 20 Prozent bei Netflix.
Morgan Stanley geht davon aus, dass das gesamte Nettowachstum der Abonnentenzahlen bei beiden Diensten im Jahr 2025 auf diese Werbeabos entfiel. Wörtlich heißt es in der Analyse: “Werbefinanziertes Streaming ist in den vergangenen Jahren der wichtigste Bereich für das Abonnentenwachstum gewesen, da die Anbieter ihre Nutzerbasis ausweiten und stärker preissensible Kunden ansprechen wollten.”
Anbieter treiben SVOD-User in AVOD-Modelle
Für die Anbieter sind diese Modelle wirtschaftlich attraktiv. Trotz niedrigerer Abo-Preise erzielen sie pro Nutzer höhere Erlöse, da zusätzlich Werbeeinnahmen anfallen. Das gilt als ein zentraler Grund, warum viele Plattformen weiterhin deutliche Preiserhöhungen bei den werbefreien Tarifen durchsetzen. Der Wechsel in werbefinanzierte Angebote wird damit indirekt gefördert. Morgan Stanley geht davon aus, dass sich dieser Trend fortsetzt. Zwar hätten die Werbeeinnahmen bislang teilweise hinter den Erwartungen gelegen, unter anderem wegen eines raschen Ausbaus der verfügbaren Werbeplätze. Mit der zunehmenden Verbreitung von Abos mit Werbung dürfte sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage am Werbemarkt jedoch stabilisieren und für die Streaming-Dienste günstiger entwickeln.