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Google kauft für eine Milliarde US-Dollar weltweit Lizenzen von Verlagen ein

1. Oktober 2020 (apr)
Bild:  Paweł Czerwiński – Unsplash

Mit Google News Showcase startet der US-Konzern ein neues Nachrichtenformat, für das er erstmals in der Geschichte Lizenzgebühren an Verlage ausschüttet. Dabei handelt es sich um ein Informationsangebot zunächst für Android-User, die News-Themen in ihrem Google Feed kuratiert vom jeweiligen Publisher präsentiert bekommen. Auch Artikel hinter Bezahlschranken möchte Google so kostenlos zur Verfügung stellen.

Das Format wurde bereits im Juni angekündigt und geht nun in Deutschland sowie Brasilien an den Start. 20 hiesige Medienunternehmen sind mit an Bord, wodurch 50 Titel wie unter anderem der Spiegel, die Zeit und die FAZ zusammenkommen. Neu dabei sind auch Focus Online von Burda und der Stern von Gruner + Jahr. Global hat Google Partnerschaften mit 200 Publishern geschlossen, weitere werden sicher folgen. Bislang sind Verlage aus Argentinien, Australien, Brasilien, Großbritannien und Kanada involviert.

Publisher kuratieren Content für eigene Kacheln im News Feed

Google News Showcase soll Einblicke und Hintergründe zu verschiedenen, aktuellen Themen liefern. Dies tut es, indem die Redaktionen der Publisher selbst Inhalte für eine Kachel zusammenstellen, die im News Feed der User neben Wetter & Co. angezeigt wird. Diese sogenannten Story-Panels umfassen zunächst nur Artikel, aber Videos, Audio-Angebote oder Tageszusammenfassungen sollen nachkommen. Die Nutzer können aktiv Medienmarken folgen und die Themen gewichten. Wenn ein User einen Artikel hinter einer Paywall lesen möchte, kauft Google auch dafür die Lizenz ein. Das Format läuft in Google News in Android-Umgebungen, später auch auf iOS, in Google Discover und in der Google Suche.

Wie viel ist eine Milliarde Dollar auf globaler Ebene?

Das Bemerkenswerte an diesem neuen Produkt bleibt jedoch der Umstand, dass Google für die Darstellung der Inhalte innerhalb seines Universums tatsächlich zahlen möchte und dafür eine Milliarde US-Dollar bereitstellt. Philipp Justus, Googles Gesicht für Zentraleuropa, nennt es den “bislang weitreichendsten Schritt, um die Zukunft des Journalismus zu unterstützen”. Insbesondere in Deutschland ist die Verwertung von Verlagsinhalten ein sensibles Thema. Google streitet sich seit langem vor Gericht mit einzelnen Verlagsgruppen, da der Konzern deren Text-Ausschnitte und Bilder für seine Dienste nutzt, ohne sie zu lizenzieren. Die “Hilfsbereitschaft” Googles hat jedoch einen faden Beigeschmack. Denn eine Milliarde Dollar für Lizenzgebühren klingt im ersten Moment nach sehr viel Geld, aber die Summe ist auf drei Jahre ausgelegt und bekommt angesichts der globalen Ausrichtung eine neue Gewichtung. Schließlich spricht Google selbst von “24 Milliarden Klicks, die wir jeden Monat weltweit an Webseiten von Verlagen weiterleiten.”

Carina Laudage, Geschäftsführerin Digital von Gruner + Jahr, freut sich jedenfalls über die überraschende Zusammenarbeit mit dem Silicon Valley: “Google News Showcase bietet uns die Möglichkeit, einen weiteren vielversprechenden Kanal für unsere journalistischen Inhalte zu testen. Wir versprechen uns dadurch, die Reichweite unserer digitalen Angebote weiter zu steigern und auch unsere Bezahlangebote bekannter zu machen, um noch mehr Menschen mit unseren Marken zu erreichen.”