STUDIEN & ANALYSEN

ARD und ZDF verfestigen das Bild der erodierenden TV-Audience

14. September 2020 (jm)
Bild: Pinho Yj - Unsplash

Die Mediennutzung der deutschen Bevölkerung gewann in den vergangenen 20 Jahren eine evolutionäre Dynamik. Waren früher fast ausschließlich das lineare TV sowie das klassische Radio die vorherrschenden Medien und unterhielten generationsübergreifend, ist heute die Mediennutzung so vielfältig wie nie zuvor. Wie gestaltet sich also das aktuelle Mediennutzungsverhalten der Deutschen? Diese Frage stellten sich die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF und präsentieren nun die Ergebnisse ihrer “ARD/ZDF-Massenkommunikation Langzeitstudie 2020”.

Für die Studie wurden mittels einer Stichprobe über 3.000 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren im Zeitraum zwischen Januar bis April 2020 befragt. Durchgeführt wurde die Befragung und Analyse im Auftrag des ZDF und der ARD vom Institut GiM. Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen in Deutschland im Schnitt mehr als sieben Stunden pro Tag Medien nutzen. Knapp die Hälfte dieser Nutzung (213 Minuten) entfällt dabei auf Bewegtbildinhalte wie Fernsehen oder Streaming, was ein Plus von circa 9 Minuten im Vergleich zu 2019 bedeutet. Die Zahlen mögen erschreckend hoch erscheinen, sie decken sich jedoch mit den Ergebnissen anderer Studien. Bei der Betrachtung muss zudem beachtet werden, dass die Erhebung in die Zeit des Corona-Lockdowns gefallen ist, der die Nutzungsgewohnheiten und -Intensitäten stark beeinflusst haben kann. Audio-Nutzung kommt laut Studienergebnissen auf 179 Minuten, das Lesen von Texten auf 53 Minuten. Klassisches Fernsehen und Radio erzielen bezogen auf die Gesamtbevölkerung laut ARD und ZDF immer noch die höchsten Reichweiten und die längsten Nutzungsdauern.

Im Tagesverlauf hat Bewegtbild besonders am Abend hohe Nutzungsintensitäten. Audio und Texte werden im Laufe des Tages eher gleichmäßiger konsumiert, wobei Audio insbesonder am Morgen stark von den Befragten genutzt wird.

Verschiebung der Nutzung vom Linearen ins Netz setzt sich fort

Trotz der augenscheinlichen Vormachtstellung von klassischem TV und Radio setzt sich die Verschiebung vom Linearen ins Netz weiter fort. Tatsächlich zeigt sich gerade unter jüngeren Generationen ein Shift in der Mediennutzung, besonders im Konsum von Bewegtbildinhalten. Je jünger die Nutzer sind, desto stärker ist der Trend zur überwiegend unterhaltungsorientierten Videonutzung im Internet. Geben 77 Prozent aller Befragten an, Fernsehen mindestens einmal pro Woche noch zum Zeitpunkt der Ausstrahlung zu konsumieren, sind es bei den 14- bis 29-Jährigen nur 54 Prozent. Fernsehen in Mediatheken oder auf Youtube nutzen hingegen 61 Prozent der bis 29-Jährigen (Gesamt 40 Prozent). Besonders groß ist die Diskrepanz bei der Nutzung von Streaming-Diensten und dem Konsum von Video in sozialen Medien. Die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen sieht deutlich weniger lineares Bewegtbild als andere Bevölkerungsgruppen. Sie sind somit auch zunehmend weniger für Werbung in diesem Umfeld empfänglich.

Auch Musik aus dem Netz via Streaming-Dienst oder Youtube gewinnt immer mehr an Bedeutung. Jeder Fünfte ab 14 Jahren wird damit an einem Durchschnittstag bereits erreicht. Bei der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen hat Musik aus dem Internet das klassische Radio in puncto Reichweite und Nutzungsdauer ebenfalls überholt. Dabei spielen auch Podcasts eine immer wichtigere Rolle. Laut Studie widmen sich aktuell rund 20 Prozent mindestens einmal pro Woche diesem Format.

Takeaways

  • Die Menschen in Deutschland nutzen im Schnitt mehr als sieben Stunden pro Tag Medien.
  • Knapp die Hälfte dieser Nutzung (213 Minuten) entfällt dabei auf Bewegtbildinhalte, Audio-Nutzung kommt auf 179 Minuten, das Lesen von Texten auf 53 Minuten.
  • Je jünger die Nutzer sind, desto stärker ist der Trend zur überwiegend unterhaltungsorientierten Videonutzung im Internet.
  • Auch Musik aus dem Netz via Streaming-Dienst oder Youtube gewinnt immer mehr an Bedeutung.