STUDIEN & ANALYSEN

Wirtschaftliche Unsicherheit lässt Kauflaune abflauen

29. April 2020 (jm)
Bild: Ali Yahya; CC0 - unsplash.com

Die Menschen in Deutschland durchlaufen aktuell eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Krise. Die Corona-Pandemie führt dazu, dass die Deutschen auf Abstand gehen und sich überwiegend in ihr Zuhause zurückziehen. Aber auch die wirtschaftlichen Folgen sind für viele zunehmend zu spüren. Kurzarbeit und Sparmaßnahmen von Unternehmen lassen erahnen, dass sich der Wohlstand in Deutschland verändern wird. All dies hat einen starken Einfluss auf das Konsum- und Mediennutzungsverhalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage.

Die Marktforschungplattform Appinio hat im Zuge ihres “Corona Reports” in der mittlerweile sechsten Erhebungswelle 1.000 Deutsche zwischen 16 und 65 Jahren zu den Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf ihren Alltag und ihr Konsumverhalten befragt. Die neuen Ergebnisse demonstrieren, dass die Deutschen nicht mehr mit einem schnellen Ende der Pandemie rechnen. Die Mehrheit der Befragten gibt hierbei an, dass sie davon ausgehen, dass erst innerhalb der nächsten 6 bis 12 Monate wieder Normalität einkehren wird. Den langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen sehen 40 Prozent der Befragten mit großer Sorge entgegen. Dies wirkt sich auch auf Konsummuster aus.

Das Kaufverhalten verändert sich zunehmend

Gaben in der ersten Erhebungswelle noch 19 Prozent an, größere geplante Anschaffungen aufgrund des Coronavirus zu verschieben, sind es mittlerweile schon 30 Prozent. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten veranlassen die deutsche Bevölkerung also dazu, größere Anschaffungen vorerst auf Eis zu legen. Zu diesen aufgeschobenen Anschaffungen zählen etwa Autos, Fernseher, Smartphones und Urlaubsreisen. So haben mittlerweile knapp die Hälfte ihre geplante Urlaubsreise (teils gezwungen, teils freiwillig) verschoben.

Auch die Anschaffung von Möbeln wird in der aktuellen Situation auf einen späteren Zeitpunkt vertagt. Knapp ein Drittel der Umfrageteilnehmer geben an, aktuell auf den Kauf von Möbelstücken zu verzichten. Übertroffen wird dies nur durch die Produktkategorie Bekleidung und Schuhe. Hier sagen aktuell 32 Prozent der Befragten, dass sie deutlich weniger kaufen als in der Prä-Corona-Zeit.

Einen deutlichen Anstieg des Konsums erleben, neben Lebensmitteln, aktuell hauptsächlich Hygieneartikel wie Desinfektionsmittel, Seife oder Einweghandschuhe. Kaum überraschend liegt auch der Mundschutz voll im Trend. Nach der bundesweiten Ankündigung von Maskenpflicht in Supermärkten und im öffentlichen Nahverkehr geben nun 47 Prozent der Befragten an, hiervon deutlich mehr einzukaufen. Hamsterkäufe von Lebensmitteln hingegen scheinen mittlerweile deutlich abzunehmen. In der ersten Erhebung legten noch 60 Prozent einen Vorrat an, der mindestens zehn Tage hält. Nun sind es “nur noch” 45 Prozent.

Deutlich mehr Online-Käufe über Mobile

In Anbetracht der Situation ist es kaum verwunderlich, dass das Volumen an Online-Käufen deutlich gestiegen ist. Während bei der ersten Befragung noch 26 Prozent angaben mehr online einzukaufen, sind es mittlerweile 46 Prozent. Spannend wird es zu beobachten sein, wie sich das Online-Offline-Verhältnis in den nächsten Wochen entwickelt wird. In der sechsten Erhebungswelle sind zwar bereits die ersten zögerlichen Ladenöffnungen inkludiert, eine Auswirkung auf das Shopping-Verhalten wird sich jedoch erst später nachweisen lassen.

Mobile Devices stellen beim zunehmenden Online-Shopping eine wichtige Funktion dar. Der aktuelle Salesforce Shopping Index für das erste Quartal 2020 kann hierfür aufzeigen, dass in Deutschland immer mehr Bestellungen über Mobile getätigt werden und im Zuge der Pandemie dieser Anteil sogar noch deutlich stärker gewachsen ist. Mittlerweile wird die Hälfte aller online getätigten Bestellungen per Smartphone aufgegeben.

Die Corona-Krise macht es dem stationären Einzelhandel doppelt schwer, denn er verliert eh schon laufend an den Online-Handel. Es wird sich zeigen, ob die für den Einzelhandel gelockerten Corona-Maßnahmen die Folgen abmildern werden. Die Gewinner werden am Ende wahrscheinlich Internetgiganten wie Amazon sein.

Medienkonsum im Wandel

Die Umfrage von Appinio zeigt aber nicht nur eine deutliche Veränderung von Konsummustern, sondern auch eine veränderte Mediennutzung. Vor allem Unterhaltungsangebote und soziale Medien profitieren von der anhaltenden Kontaktbeschränkung. Das klassische TV, dem häufig ein langsamer Tod prognostiziert wurde, scheint wieder deutlich an Beliebtheit zu gewinnen. Knapp die Hälfte der Befragten gibt an, dass sie nun mehr TV schauen als noch in der Zeit vor Corona, beim Streaming sind es 44 Prozent. Über die Hälfte surft nun deutlich mehr im Internet oder nutzt Social Media (bei der ersten Erhebung waren es noch 44 Prozent). Auch die aktuelle Erhebung von ADZINE und dem Marktforschungsunternehmen Gemius kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Die Werbebranche könnte ihre Zielgruppen also online besser erreichen als jemals zuvor.

Takeaways

  • Die Deutschen rechnen nicht mehr mit einem schnellen Ende der Pandemie. Die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen sehen 40 Prozent der von Appinio Befragten mit großer Sorge entgegen.
  • Größere geplante Anschaffungen werden aufgrund des Coronavirus zunehmend verschoben.
  • Einen spürbaren Anstieg des Konsums erleben, neben Lebensmitteln, aktuell hauptsächlich Hygieneartikel.
  • Das Volumen an Online-Käufen ist deutlich gestiegen, wobei sich der Kaufabschluss zunehmend auf mobile Geräte verlagert.
  • 48 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, in ihrer Freizeit nun wieder mehr TV zu sehen.

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