Adzine Top-Stories per Newsletter
STUDIEN & ANALYSEN

Digital-Chefs fehlen Mitarbeiter und schnelle Entscheidungen

Jens T. Möller, Analyst, 4. March 2020
Bild: Billy Pasco; CC0 - unsplash.com

Im Zuge der Digitalisierung verändern Unternehmen ihre Strategien: neue Jobprofile werden geschaffen oder alte bekommen neue Aufgabengebiete hinzu. Besonders häufig werden neue Positionen als Chief Digital Officer und Chief Data Officer besetzt, die mit der digitalen Transformation betreut werden – beides Führungspositionen, die sich häufig großen Herausforderungen gegenübersehen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie von Artefact und Kienbaum.

In ihrer “European CD²O Study - Profiles, Challenges & Enablers of European Digital & Data Leaders” haben Artefact, ein Anbieter von Digital- und Datenlösungen, und das Beratungsunternehmen Kienbaum untersucht, welchen Herausforderungen sich europäische Unternehmen beim Thema Digitalisierung gegenüber sehen und welche Rolle Chief Digital Officer (CDiO) und Chief Data Officer (CDaO) dabei spielen. Dazu wurden 100 europäische Digital- und Datenexperten aus 21 Branchen befragt sowie rund 500 Profile aus Berufsnetzwerken und Unternehmenswebseiten analysiert. Es zeigt sich, dass Chief Digital und Data Officers eine essentielle Rolle bei der Digitalisierung spielen, gleichzeitig aber auch mit wachsenden Aufgabengebieten und Herausforderungen zu kämpfen haben.

Laut Artefact und Kienbaum treiben erfahrene Spezialisten in den Bereichen Digital und Data den Wandel von europäischen Unternehmen signifikant voran, diese Positionen finden sich mittlerweile in den meisten Firmen der verschiedenen Branchen. So verfügen rund 95 Prozent der befragten Unternehmen über Experten, die die digitalen Abläufe verantworten und 81 Prozent beschäftigen Spezialisten, die sich explizit um die Unternehmensdaten kümmern. Beide Bereiche sind stark männerdominiert, wobei deutlich mehr Frauen in der Position des Chief Digital Officer zu finden sind als als Chief Data Officer.

Beide Positionen, die des CDiO und CDaO, sind mittlerweile relativ gängig in Unternehmen. Dabei ist die Rolle des Chief Data Officer deutlich neuer, 75 Prozent der untersuchten CDaO wurden in den letzten drei Jahren eingestellt. Dies demonstriert, dass Datenerfassung und -verarbeitung eine wachsende Bedeutung für den Unternehmenserfolg zugeschrieben wird.

Hindernisse bei der Digitalisierung im Unternehmen

So wichtig beide Positionen für die Digitalisierung von Unternehmen sind, so sehen sich CDiO und CDaO in der Praxis häufig vielen Herausforderungen gegenübergestellt. Hoher Budgetdruck, der starke Wettbewerb um neue Talente und die Legitimierung der eigenen Position innerhalb des Managements, um nur die drei wichtigsten zu nennen.

Chief Digital Officer beklagen hauptsächlich zu komplexe Entscheidungsfindungen im Unternehmen aufgrund unterschiedlicher Auffassungen zu digitalen Aufgabenstellungen. Chief Data Officer wiederum sehen sich Spannungen im Unternehmen bezüglich der Nutzbarmachung von Daten gegenüber und bemängeln zu starre Organisationsformen. Beide Positionen sehen ein großes Problem im Recruitment von geeigneten Job-Kandidaten. Dafür bedienen sich Unternehmen häufig externen Vermittlern: “Seit mehr als fünf Jahren steigt die Besetzung von digitalen Führungspositionen mit Hilfe von externer Beratung deutlich an. Um jedoch für die gesamte Szene als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, bedarf es tiefgreifender Entwicklungen, etwa in der allgemeinen Organisationsgestaltung, in agilen Arbeitsprozessen oder dem Führungsverhalten”, so Sebastian Holmer, Practice Head Digital/Technology von Kienbaum.

Zusätzlich dazu gaben die befragten Digital- und Datenexperten an, dass sie sich auch zunehmend branchenspezifischen Herausforderungen gegenübersehen. So sehen die Experten im Banken- und Versicherungssektor großen Bedarf an langfristigen Daten- und KI-Lösungen, um sich im Wettbewerb mit den neu aufkommenden Neobanken besser zu positionieren. Experten im Handel wiederum fokussieren sich vor allem auf die Bereiche Omnichannel User Experience sowie die Nutzung von Daten zur Optimierung der Lieferkette und Betriebsabläufe.

Zusätzlich zu wahrgenommenen Herausforderungen, wurden die Experten auch zu den wichtigsten Trends befragt, mit denen sie sich in Zukunft beschäftigen werden. Dazu zählen etwa Edge KI, Quantum Computing, Virtual Reality und Datensicherheit.
“Die Bereiche Digital, Data und AI beeinflussen ständig und in massiv zunehmendem Tempo die Wettbewerbsfähigkeit heutiger Unternehmen - es ist also eine nie endende Reise, für die wir ausgestattet sein müssen. Unsere Studie zeigt, dass wir Profile mit spezifischem und tiefem Fachwissen benötigen, um dafür vorbereitet zu sein. Das Thema muss vom Vorstand gelebt und getrieben werden, dennoch sind klare Profile für die Umsetzung notwendig”, kommentiert Hannes Weissensteiner, Managing Partner DACH bei Artefact.

Takeaways

  • Rund 95 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über Experten, die die digitalen Abläufe verantworten und 81 Prozent beschäftigen Spezialisten, die sich explizit um die Unternehmensdaten kümmern.
  • Budgetdruck, das eigene Standing und der Wettbewerb um neue Mitarbeiter sind die Top Herausforderungen für den CDO