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ADTECH

DSGVO: Exodus aus Europa?

20. April 2018 (jvr)
Datenschutz-Fingerprint digital

Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die am 25.Mai in Kraft tritt, sorgt in der Digitalbranche insgesamt für immer mehr Aufruhr und löst einen gewissen Aktionismus aus. Das betrifft nicht nur die Social Media Netzwerke, sondern auch die ersten US-amerikanischen Adtech-Firmen, die in Europa aktiv sind.

Laut Reuters verschiebt Facebook derzeit alle in Irland gehosteten Nutzerdaten in die USA. Dabei handelt es sich um Facebook-Daten von 1,5 Mrd. Menschen. Auch LinkedIn folgt diesem Beispiel, berichtet heise.de. Beide Netzwerke haben große Mengen ihrer globalen Nutzerschaften auf europäischen Servern liegen und fürchten nun, dass sie mit der DSGVO auch ihren nichteuropäischen Usern gesonderte Informationspflichten bereitstellen müssen, solange die Daten der Nutzer hier vorgehalten werden.

Derweil berichtet das britische Branchenmagazin Digiday über die ersten Adtech-Firmen, die dem europäischen Markt aufgrund der DSGVO Europa den Rücken kehren werden. Neben der Cross-Device-Plattform Drawbridge wird auch die Mobile Marketing und Advertising Plattform Verve ihre europäische Niederlassung schließen, so Digiday.

Auch beim Ende von Undertone soll die DSGVO eine Rolle gespielt haben. Der Multi-Screen Vermarkter hatte im Januar die Zelte in Hamburg und Düsseldorf abgebrochen. Interessanterweise handelt es sich bei allen drei Adtech-Anbietern um Unternehmen, die im Bereich Cross-Channel Advertising tätig sind.

Ob dies erst der Anfang ist und noch viele US Adtech-Unternehmen den genannten Beispielen folgen werden, lässt sich jetzt noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Shane Shevlin, General Manager Europe beim Adtech-Unternehmen IPONWEB gab uns gegenüber ein klares Bekenntnis für den Standort Europa ab.

Shane Shevlin

„Es ist bedauerlich, dass einige Unternehmen die DSGVO als entscheidenden Faktor für den Abbau ihrer Standorte in Europa betrachten. Ich glaube, dass das aus mehreren Gründen kurzsichtig ist - sie signalisieren damit, dass sie die Privatsphäre der Verbraucher als Unannehmlichkeit beiseite schieben anstatt es als Chance zu sehen, ihre Beziehungen sowohl zu Publishern als auch zu den Verbrauchern zu erneuern oder weiter auszubauen. Natürlich sind die operative Anpassung und die damit verbundenen Kosten nicht einfach zu stemmen, allerdings können Unternehmen diese Herausforderung auch als Chance sehen, sich erneut mit dem Thema Datenschutz und den Rechten der einzelnen Verbraucher auseinanderzusetzen, um sich letztendlich von einem überfüllten europäischen Markt zu differenzieren.“