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Visit Detection: Wer war wirklich in meinem Laden?

Von Frederik Timm, 20. März 2018

Für Werbetreibende bieten Standortdaten von Nutzern mittlerweile viele Möglichkeiten, ihre Ansprache örtlich gezielt auszusteuern. Ebenso lässt sich nachvollziehen, wie viele Kunden nach geschalteter Anzeige tatsächlich den beworbenen Shop besucht haben. Um diese Daten so präzise wie möglich zu machen, gehen Tech-Unternehmen die unterschiedlichsten Wege. Das Ziel bleibt gleich: mehr Wissen um des Nutzers wahrer Position.

Wie würden Sie den Besuch eines Lokal bewerten, bei dem sie gerade durchs Fenster geschaut haben? Wer auf seinem Smartphone Google Maps nutzt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal per Push-Nachricht nach seiner Erfahrung mit Restaurants, Bars, Shops, Supermärkten oder ähnlichen Locations gefragt worden sein – egal ob er die Location tatsächlich besucht hat oder nicht. Vordergründig bittet Google damit, sein Maps-Angebot zu verbessern. Jedoch kann das ständige Nachfragen auch einen anderen Zweck verfolgen.

Bild: Locarta Presse Jan Rettel

Jan Rettel, Geschäftsführer von Locarta, kann sich vorstellen, dass Google damit die Visit Detection verbessern möchte, also besser differenzieren will, welche Kunden tatsächlich den Laden besucht haben: „Wenn ein Anbieter seine Visit Detection verbessern möchte, braucht er sogenannte Groundtruth. Ein sinnvoller Weg, diese Daten zu generieren, ist alle Nutzer anzusprechen, die in der Nähe eines Shops oder einer Location waren, und zu fragen, ob sie tatsächlich in dem Laden waren und ob sie ihn bewerten wollen. Den Ansatz fahren wir bei unserer Technologie auch.“

Durch die Bewertungen der Locations bekommt die Maschine Futter, um zu lernen, welche Bewegungsprofile tatsächlich auf einen Ladenbesuch hinweisen. Auch wenn jeder Google-Maps-Nutzer per Push nach seinen Erfahrungen mit Restaurants, Shops etc. gefragt wird, gibt es eine Gruppe von Google-Nutzern, die bereitwilliger ihre Daten und Kommentare zur Verfügung stellt. Diese Nutzer nehmen am „Local Guides“-Programm von Google Teil und können durch Bewertungen, Rezensionen und Foto-Uploads ihren Rang als Guide steigern. Mit einem hohen Rang verdienen sie sich zusätzliche Privilegien im Google-versum, wie zum Beispiel frühzeitiger Zugriff auf neue Funktionen oder „spezielle Belohnungen“ von Google-Partnern.

Gamification als Datengarant

Ähnliche Gamification-Anleihen gibt es bei dem standortbasierten Empfehlungsdienst für Restaurants, Foursquare. Mit der Checkin-Funktion, die mittlerweile in die separate App „Swarm“ ausgelagert wurde, können sich Nutzer in eine Location einloggen und eine Bewertung schreiben. Sie bekommen Punkte dafür, in je mehr Läden sie eingecheckt haben. Je häufiger in eine Location eingecheckt wird, desto höher steigt der Rang des Nutzers an diesem Ort. Nutzer können auf Grundlage dieser Checkins Vorschläge für ähnliche Locations erhalten oder können als Guides für andere Mitglieder wirken. Foursquare hat durch diese Daten im Gegenzug ein effektives Mittel zur Visit Detection geschaffen.

Standortdaten durch App-Integration

Groundtruth, ehemals xAd, generiert dagegen explizit Standortdaten, um explizit Werbung auf mobilen Geräten gezielter ausspielen zu können. Seit 2009 konzentriert sich das Unternehmen auf die Aussteuerung mobiler Werbung mit Hilfe selbst erhobener Echtzeit-Standortdaten, die auf der eigenen Lokalisierungstechnologie Blueprint beruht. Die Standortdaten sollen einer Vielzahl von Branchen für ihre Marketingzwecke zur Verfügung stehen.

Dafür arbeitet Grundtruth mit GPS-Daten, soweit GPS in Apps aktiviert ist. Das Unternehmen kooperiert dafür, laut Techcrunch, mit über 150.000 Apps. Größter Coup war bisher die Übernahme von WeatherBug im November 2016 für 42,5 Millionen US-Dollar. WeatherBug ist nur am US-Markt aktiv, zählt jedoch dort zu den meist genutzten Wetter-Apps.

Eigene App zum Datensammeln

Auch bei Locarta hat man sich Gedanken gemacht, wie man am besten an möglichst viele Bewegungsdaten herankommt. Schließlich bietet das Unternehmen Ladenbesitzern und Werbetreibenden die Möglichkeit, nachzuvollziehen, wie viele Nutzer tatsächlich ihre Locations aufgesucht haben und damit auch wie erfolgreich Werbebemühungen waren.

Bei Locarta geht man einen sehr direkten Weg. Um möglichst viele Nutzerdaten zu aggregieren, hat das Unternehmen eine eigene App herausgebracht, die nichts anderes macht, als die Position von Nutzern zu tracken und ihnen zeitweilig Fragen zu potentiell besuchten Locations zu stellen. Nutzer verdienen sich dadurch Punkte, die sie für Gewinnspiele oder Gutscheine von Amazon, Google oder Apple eintauschen können.

Zusätzlich hat das Unternehmen sein SDK bei anderen App-Publishern integriert – eine zweite Datenquelle. „Für Apps, die Locartas SDK integrieren, gibt es ebenfalls Incentives. Locarta kann einen Mehrwert liefern, in dem Standortdaten batterieschonend erhoben werden. Zudem können die Daten analysiert und zurückgespielt werden, sofern es vom Publisher gewünscht wird. Einige Publisher nutzen unser SDK jedoch auch einfach, um sich eine zusätzliche Monetarisierungsmöglichkeit zu sichern“, berichtet Jan Rettel.