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ONLINE VERMARKTUNG

Wie Google mit dem Chrome-Adblocker doppelt absahnt

6. Juni 2017 (ft)
Bild: Google

Nun ist es also offiziell. Googles Pläne den hauseigenen Browser Chrome mit einem Adblocker auszustatten, bestätigte das Unternehmen und stößt dabei nicht nur auf offene Ohren. Google wäre es damit möglich, zu bestimmen, welche Werbung ausgespielt wird und welche nicht. Man wolle sich dabei an den Richtlinien der Coalition for better Ads orientieren, einem Zusammenschluss, dem auch Google beisitzt. Nutzer haben jedoch auch die Möglichkeit komplett werbefrei zu surfen, doch dafür müssen sie zahlen, an Google.

Es könnte alles so einfach sein. Nutzer bekommen für sie zugeschnittene Werbung ausgespielt, die nicht nervt, Publisher verdienen, Brands werben und Google verdient als Zwischenmann seinen Anteil. Eigentlich eine völlig unkomplizierte Situation, wenn man die Implementierung eines Adlockers in den Google-Browser aus Sicht des Suchmaschinenkonzerns sieht.

Von außen betrachtet, wirkt das Ganze jedoch schon anders. Gegenüber heise online äußerte sich ein Sprecher des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ziemlich eindeutig: „Dass Google mit einem eigenen Adblocker in Chrome gegen nervende Werbung vorgehen will, empfinden wir als heuchlerisch.“ Der Konzern würde unter die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit nur als Vorwand nehmen, um Werbung der Konkurrenz zu blocken. Die über Google vermarkteten Anzeigen würden hingegen seltener gefiltert.

Von Seiten Axel Springer beziehungsweise deren Vermarkter Media Impact ist man hingegen vorsichtiger in der Formulierung. Man verfolge die Pläne von Google zwar genau, habe jedoch noch nicht alle Informationen ausgewertet. Das mag verwunderlich klingen, da der Verlag doch an vorderster Front gegen den Adblocker von Eyeo vorgeht. Jedoch arbeitet Media Impact im Rahmen von Brancheninitiativen auch mit dem BVDW zusammen, der seinerseits ebenfalls Mitglied in der Coalition for better Ads ist – genau wie Google.

Während man bei Media Impact noch abwartet und die Situation erst noch analysieren möchte, sieht Thomas Mendrina, General Manager International bei Sourcepoint, konkrete Monetarisierungsprobleme auf Publisher zukommen: „Besonders im mobilen Bereich würde Googles Vorstoß dazu führen, dass die Adblocker-Rate ohne Zutun der Nutzer massiv ansteigen würde und gelernte mobile Formate wie Interstitials würden ebenfalls geblockt, obwohl sie von den Nutzern akzeptiert werden. Ein solcher Vorstoß von Google würde bei Publishern daher zu weiteren Einnahmeverlusten führen, ohne dass die Leser die Wahl hätten, wie sie den Publisher für die Nutzung der Inhalte kompensieren möchten.“

Publisher sollen ihr Geld bekommen – und Google auch

Damit die Monetarisierung der Publisher nicht ins Stocken gerät und Nutzer trotzdem auf Werbung verzichten können, hat Google den Contributor eingeführt. Hierbei kann der Nutzer über seinen Google-Account ein Konto einrichten, von dem pro Seitenaufruf ein paar Cent abgebucht werden und an den Publisher gehen. Im Gegenzug dazu wird keine Werbung ausgespielt. Google hält als Zwischenmann natürlich auch hier die Hand auf. Bisher haben sich jedoch nur 12 Webseiten an der Lösung beteiligt, darunter auch die britische Seite von Business Insider.

Während Werbetreibende , wie zumindest der BDZV vermutet, also vermeintlich besser mit Google als Auslieferer für ihre Ads fahren, hat das Unternehmen auch für werbeüberdrüssige Nutzer eine Lösung parat. Und dann wird es – nach Google-Verständnis – auf einmal auch wieder ganz simpel und jeder bekommt das, was er möchte, auch Google.